Leichtkraftrad-Versicherung (Archivversion) Schnappt Shorty

Manche Versicherer verspüren schon mächtig Hunger auf die neue 125er Klasse. Die 16- und 17jährigen müssen fast überall kräftig löhnen, während es für Ältere noch preiswerte Tarife gibt.

Vorweg seien hier ein paar Mißverständnisse in Sachen 125er Führerschein ausgeräumt. Alle 125er Motorräder und Motorroller, die schon einmal zum Verkehr zugelassen waren und einen Fahrzeugbrief haben, sind und bleiben Motorräder im Sinne der Straßenverkehrs-Zulasssungs-Ordnung. Trotzdem darf man sie mit dem neuen Führerschein 1b und mit dem Klasse 3-Führerschein, falls der vor dem 1. April 1980 gemacht wurde, völlig legal bewegen, sofern sie nicht mehr als 15 PS leisten. Paradox: Im Sinne des Führerscheinrechts gelten sie nämlich trotzdem als Leichtkrafträder. Sachbearbeiter auf den Landratsämtern oder Zulassungstellen, die etwas anderes behaupten, haben unrecht. Ein anderer Fall: Sie kaufen ein neues Leichtkraftrad mit Betriebserlaubnis. Es kann sich für dieses Zweirad unter Umständen lohnen, einen Fahrzeugbrief zu beantragen und es auf diese Weise zum Motorrad umzuwidmen - der Pragraph 18 Absatz sieben Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung macht`s möglich. Denn es gibt einige Versicherer, die für Motorräder bis zehn beziehungsweise 17 PS weiterhin sehr günstige Prämien bereithalten, während Leichtkrafträder wesentlich teurer eingestuft werden. Die können immerhin satte 700 Mark kosten, Roller fast 400 Mark. Solch horrende Tarife wollen auf Nachfrage von MOTORRAD die DEVK, die Neckura samt Auto-Direkt, Gerling und Delfin-Direkt für alle Bikes erheben, die sich Leichtkraftrad nennen. Und zwar egal, ob auf 80 km/h gedrosselt oder nicht und unabhängig vom Alter des Fahrers. Maßgebend ist bei diesen Gesellschaften einzig und allein der Eintrag in den Papieren. Zum Glück gibt es jedoch auch Versicherungsgesellschaften, die zumindest die offenen 125er für Leute ab 18 als Motorrad zu günstigen Tarifen versichern. MOTORRAD druckt sie in der großen Tabelle auf der nächsten Seite ab (vollständig ist die Liste jedoch nicht). Einige Versicherer betrachten grundsätzlich alle 125er unabhängig vom Alter des Fahrers und der Drosselung als Motorräder und sind damit für Junge und Ältere recht preiswert. Deren vier konnte MOTORRAD bei einer Umfrage ermitteln (siehe Tabelle auf dieser Seite). Nur drei Gesellschaften wollen noch dieses Jahr neue Tarife einführen: Die Gothaer schon zu Saisonbeginn, die WGV Schwäbische Allgemeine und die Continentale zum 1. Juli 1996. Die anderen wollen auf gesichertes statistisches Material warten. Zu diesem Zwecke werden die neuen 125er schon jetzt intern in vier neue Kategorien eingeteilt. Unterschieden wird jeweils zwischen gedrosselten Rollern und Leichtkrafträdern für Jugendliche unter 18 und den offenen für alle über 18. Insider machen keinen Hehl daraus, daß sich die zukünftigen Prämien für die 16jährigen etwa auf heutigem 80er Niveau bewegen werden. Für die offenen Leichtkrafträder steht statt dessen eine Mischkalkulation ins Haus, die einen Tarif irgendwo zwischen 80er Prämie und der aktuellen Prämie für 17-PS-Maschinen ergeben wird. Bis dahin heißt es abwarten und bei der günstigsten Gesellschaft anheuern. Und, natürlich, wie bei den »großen« Maschinen auch, den Versicherungs-Vertreter nach Zweitfahrzeugregelungen, Alleinfahrerklauseln und anderen das Portemonnaie schonenden Besonderheiten fragen.

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