Leistung und Drehmoment (Archivversion) Aus zwei mach eins

Der Zusammenhang von Leistung und Drehmoment wird erheblich klarer, wenn beide Funktionen in einer einzigen Kurve dargestellt werden.

Die Auswertung der Leistungs- und Drehmomentdiagramme der Prüfstandsmessung beim Vergleichstest zwischen der Kawasaki ZX-9R und der Suzuki TL 1000 R (MOTORRAD 13/1998) bestätigte die vorhergehende Vermutung, daß der Vierzylinder-Motor der Kawasaki gegenüber dem im Hubraum etwa gleich großen Suzuki-Triebwerk zwar eine höhere Spitzenleistung erzielt, aber beim maximalen Drehmoment dem V-Zwei den Vortritt lassen muß. Deshalb wird bei Motoren wie dem der Kawasaki gern von Leistungs- und bei dem der Suzuki von Drehmomentauslegung gesprochen.Doch die physikalischen Größen Leistung und Drehmoment stehen nicht etwa im Gegensatz zueineinander, sondern hängen direkt voneinander ab. Leistung ist das Produkt aus Drehmoment, Drehzahl und einer Konstanten (siehe Kasten Seite 37).Wenn wir die Leistungs- und Drehmomentdiagramme verschiedener Motoren gegenüberstellen, können wir erkennen, daß der Motor, der in einem bestimmten Drehzahlbereich mehr Leistung hat, dort auch ein höheres Drehmoment besitzt: bis 3500 und zwischen 4000 und 9500 die Suzuki, von 3500 bis 4000 und ab 9500 die Kawasaki. Schneiden sich also die Leistungskurven zweier unterschiedlicher Motoren, müssen sich folglich auch die Drehmomentkurven in exakt den gleichen Drehzahlpunkten überlagern. Auch der mehr oder weniger wellige Verlauf taucht in den jeweils gleichen Drehzahlbereichen auf. Nur die Leistungs- und Drehmomentspitzen lassen sich ausschließlich an den jeweiligen Diagramm ablesen.Da also ein direkter Zusammenhang zwischen Leistung und Drehmoment besteht, müßte es auch möglich sein, beide Größen durch eine einzige Kurve in einem gemeinsamen Diagramm abzubilden. Tatsächlich gelingt dies durch einen einfachen Trick, indem entweder das Leistungs- oder das Drehmomentdiagramm zusätzliche Hilfslinien erhält. Das Leistungsdiagramm wird durch Drehmomentlinien ergänzt, die sich aus der Formel (siehe Kasten Seite 37) errechnen lassen. Die neuen, alle durch den Nullpunkt des Diagramms führenden Hilfsgeraden entsprechen den waagerechten Linien im Drehmomentdiagramm. Auch in das Drehmomentdiagramm können wir zusätzliche Leistungslinien einbauen. Aus der Berechnung erhält man Hyperbeln, die den waagerechten Linien im Leistungsdiagramm entsprechen.Jetzt lassen sich aus beiden Diagrammen sowohl die Leistungs- als auch die Drehmomentspitzen bestimmen. Im ursprünglichen Leistungsdiagramm liegt die Drehmomentspitze dort, wo sich die Leistungskurve am dichtesten an die nächsthöhere Drehmomentlinie herankommt. Falls zwei oder mehr Punkte in Betracht kommen, hilft zur exakten Bestimmung ein Lineal, das immer durch den Ursprung führend von links der Kurve angenähert wird. Dort, wo die Kurve das Lineal zuerst trifft, erreicht das Drehmoment den maximalen Wert. Im ursprünglichen Drehmomentdiagramm liegt die Leistungsspitze dort, wo die Drehmomentkurve am dichtesten an die nächsthöhere Leistungslinie heranragt. Zwar wird diese Darstellungsweise die herkömmliche Form nicht ersetzen, doch der unmittelbare Zusammenhang zwischen Leistung und Drehmoment wird dadurch deutlich.Anstatt wie Eingangs erwähnt nach Leistungs- oder Drehmomentsauslegung zu definieren, wäre es verständlicher, von Motoren mit viel Leistung im oberen (leistungsorientiert) oder unteren Drehzahlbereich (drehmomentorientiert) zu sprechen.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote