Leser fragen – Experten antworten (Archivversion) Falsche Reifen - nicht unbedenklich

Frage:
Bei meiner 600er-Kawasaki ist vorne ein 120/65er-Reifen eingetragen. Seit Jahren fahre ich aber schon 120/70er-Reifen, für die es von den Herstellern Unbedenklichkeitsbescheinigungen gibt und mit denen es bei der Hauptuntersuchung nie Probleme gegeben hat. Jetzt aber hat mir ein Prüfer mit Verweis auf neue Vorschriften die Plakette verweigert: Der Abrollumfang weiche von den Eintragungen ab, und die Bescheinigung des Reifenherstellers sei unzureichend.

Dipl.-Ing. Mario Schwarz, DEKRA, Technischer  Leiter der Überwachungsorganisation :
Grundsätzlich stellt eine im Rahmen von Hauptuntersuchungen festgestellte geänderte Reifendimension keinen Mangel dar, wenn eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vorliegt. Diese kann entweder vom Fahrzeughersteller oder – das ist neu – vom Reifenhersteller ausgestellt sein. So der aktuelle Beschluss des Bund-Länder-Fach-ausschusses „Technisches Kraftfahrwesen“. Stellt der Prüfer aber in der Unbedenklichkeitsbescheinigung Unzulänglichkeiten fest, muss er dies als erheblichen Mangel bewerten und darf keine Plakette erteilen. Beispielsweise dann, wenn wie im vorliegenden Fall aufgrund des veränderten Querschnittverhältnisses der Abrollumfang um mehr als zwei Prozent von der Serienbereifung abweicht. Wird nichts beanstandet, muss die geänderte Bereifung übrigens nicht eingetragen und auch die Unbedenklichkeitsbescheinigung nicht mitgeführt werden. Jedoch ist die Vorlage bei der Hauptuntersuchung vorgeschrieben. Der oben zitierte Beschluss beinhaltet übrigens auch den Auftrag an die Reifenverbände, die Qualität der Unbedenklichkeitsbescheinigungen zu verbessern. Nur so können Fälle wie dieser künftig vermieden und das Risiko minimiert werden, dass die Hersteller das Vertrauen der Käufer durch qualitativ unzureichende Unbedenklichkeitsbescheinigungen aufs Spiel setzen.

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