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Leser fragen - Experten antworten

Was passiert: die Showeinlage wird zum Fiasko. Für ein besseres Verständnis, zunächst ein paar Worte über das Burnout-Prozedere: Die Vorderradbremse wird gezogen, das
Motorrad möglichst tief in die Gabel
gedrückt, das Heck entlastet. Dann lasse ich im ersten Gang die Kupplung kommen und beginne, Gas zu geben, damit das Hinterrad durchdreht.
Jetzt kann ich Drehzahlen geben und es qualmen lassen. So weit zum Grundsätzlichen. Mit ein wenig Übung und Fingerspitzengefühl klappt das auf jedem Motorrad. Mit zwei großen Ausnahmen. Bei Motorrädern mit einem Integralbremssystem dreht sich logischerweise nichts. Ist das Motorrad mit ABS ausgestattet, passiert Folgendes: Das Steuergerät registriert ein stehendes Vorderrad sowie ein sich drehendes Hinterrad und gibt die Bremse urplötzlich wieder frei. Fatalerweise
erst dann, wenn das Hinterrad bereits ordentlich auf Touren
gekommen ist, wie ich bei einem Selbstversuch mit einer BMW F 800 feststellen musste. Wohl dem, der auf diesen
Augenblick gefasst ist und bei dem Manöver keine stehenden Hindernisse wie eine Ampelschlange vor der Nase hat.
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Gruppenausfahrt
Ab welcher Gruppengröße braucht man bei einer Ausfahrt oder für einen Korso
eigentlich eine Erlaubnis von den Behörden?
Wann muss die Polizei als Begleitung mit ins Boot, und sind Maßnahmen wie
Warnwesten oder -schilder erforderlich?
Bernd Störmer, Leiter des Verkehrsdienstes der Kreispolizeibehörde Wesel, Telefon 0281/1070:
Maßgeblich sind die Paragraphen 27 und 29 der Straßenverkehrsordnung sowie die daran angegliederten Verwaltungsvorschriften. In Paragraph 27 sind alle Umstände, Vorausset-
zungen und Vorgaben für »Verbände«, also Gruppen von Kraftfahrzeugen, angesprochen. In Paragraph 29 wird
die »übermäßige Straßenbenutzung« etwa durch Motorsportveranstaltungen, Korsos oder Aus-
fahrten geregelt. Als Grundsatz gilt: Für bis zu 30 Fahrzeuge ist keine Erlaubnis erforderlich, sofern es sich um eine
normale Ausfahrt mit freier Streckenwahl handelt. Hinsichtlich
Geschwindigkeit und Fahrzeit dürfen demzufolge seitens
des Veranstalters keine Vorgaben bestehen. Sonderprüfungen,
wie etwa bei Rallye-Fahrten üblich, dürfen ebenfalls nicht
vorgesehen sein. Voraussetzung ist natürlich, dass sich die Teilnehmer an die Straßenverkehrsordnung halten. Bei mehr als 30 Fahrzeugen müsste der Ausfahrtveranstalter bei der örtlichen Straßenverkehrsbehörde eine Erlaubnis beantragen. Nach Anhörung der Polizei und des jeweiligen Straßenbaulastträgers wird dann entschieden, ob und welche genauen Auflagen (zum Beispiel Polizeibegleitung, Kennzeichnung, Zeitablauf oder Streckenführung) zu beachten sind. Das Tragen von Warnwesten wird zwar nur in manchen Fällen vorgeschrieben, ist aber grundsätzlich im Interesse der eigenen Sicherheit.

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Ölfilm auf Hose
Auf der Autobahn drückte mein Motor Öl raus, und in der Folge war meine Sympatex-Textilhose mit einem leichten Ölfilm über-
zogen. Ist die Klimamembrane nun kaputt?
Jutta Ulbricht, Product Manager
Motorcycle bei Sympatex Technologies, www.sympatex.de:
Eine Verschmutzung mit Öl und den darin enthaltenen Additiven beeinträchtigt
die Sympatex-Membrane in der Motorradhose in keiner Weise. Die Sympatex-Membrane besitzt keine Poren, die sich durch eine Verschmutzung zusetzen
können – so bleibt die Funktionalität lang-
fristig erhalten. Wir empfehlen, die Hose entsprechend des Pflegeetikettes zu behandeln. In der Regel kann sie problemlos in der Maschine gewaschen oder auch in die chemische Reinigung gebracht werden. Vor der Pflege bitte immer zuerst die Protektoren entfernen. Beim Waschen zu
Hause raten wir, keinen Weichspüler zu verwenden. Dieser kann zwar der Membrane nichts anhaben, beeinträchtigt aber die Hydrophobierung – sprich die Imprägnierung des Oberstoffs. Dann kurz anschleudern und an der Luft trocknen lassen.
Und vor der Weiterfahrt bitte die Protektoren nicht vergessen!

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Korrekt gelenkt
Ich besitze seit kurzem eine MZ ETZ 250 und möchte statt der serienmäßigen Lenk-
stange den flachen Lenker der TS 250
montieren. Meine Werkstatt meint, da es sich um einen Werks- und nicht um einen Nachrüstlenker handelt, müsse er nicht
eingetragen werden. Ist das korrekt?
Roger Eggers, Motorradexperte
beim TÜV Nord, www.tuev-nord.de:
Nach dem Tausch eines Motorrad-
lenkers gegen den eines anderen
Typs ist eine Abnahme durch einen Sachverständigen erforderlich, außer
der Fahrzeughersteller lässt wahlweise
verschiedene Originallenker ausdrück-
lich zu. So wie MZ bei der TS-Baureihe,
die entweder mit Hoch- oder Flach-
lenker ausgerüstet werden kann. Die ETZ-Modelle gehören jedoch zu einer
anderen Baureihe und wurden ausschließlich mit höherem
Lenker gebaut. Der Anbau des flacheren und schmaleren Lenkers einer TS 250 an eine ETZ ist grundsätzlich möglich, muss aber vom TÜV-Sachverständigen im Einzelfall abge-
nommen werden. Im Regelfall liegt für einen Sonderlenker
auch ein Teilegutachten vor, in dem der Verwendungsbereich
und alle Bedingungen und Auflagen aufgeführt sind. Vom Sachverständigen wird hierbei die zulässige Verwendung,
die Identifikation, die richtige Montage des Lenkers und die Einhaltung der Auflagen geprüft und in einer Anbaubestätigung dokumentiert. Wenn es für den Lenker kein Teilegutachten
gibt, er aber original an einem anderen Motorradtyp verbaut wurde, kann eine Einzelabnahme durchgeführt werden.
Wenn alles in Ordnung ist, wird vom Sachverständigen ein Gutachten ausgestellt, welches der Motorradbesitzer erhält. Dieses muss dann der Zulassungsstelle zur Ergänzung der Fahrzeugpapiere vorgelegt werden.

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Sprechfunk im Ausland
Wie sieht es eigentlich mit Sprechfunk auf dem Motorrad in anderen Ländern aus?
Ich habe von einem Bekannten gehört, dass in Italien die Polizei einem sogar das
Gerät abnehmen und die Kabel kappen kann.
Bernd Gäbler, Technischer Leiter bei Baehr in Pirmasens, www.baehr.net:
Problematisch ist in manchen Ländern lediglich der Einsatz von nicht zugelas-
senen CB-Funkgeräten. Diese sind für funkende Motorradfahrer jedoch schon seit Jahren nicht mehr üblich, denn
auf die für CB-Geräte typischen großen
und dadurch sehr auffälligen Antennen können die meisten am Bike getrost
verzichten. Heutzutage haben sich
kompaktere Funkanlagen durchgesetzt, die mit so genanntem Private Mobile Radio, kurz PMR, arbeiten. Im Gegensatz zu
den damaligen CB-Anlagen, die mit einer eigenen Zulassungs-
nummer auf jedem Gerät gekennzeichnet wurden, verfügen
die neueren PMR-Geräte in der Regel über eine CE-Nummer,
die in Ländern der Europäischen Union einer Zulassungsbescheinigung gleichkommt. Mittels der CE-Nummer, also dem Homologations-Nachweis, sollte es bei behördlichen Kontrollen oder an der Grenze mit solchen Funkanlagen zu keinem Stress kommen. Der gesamte Funkbereich hat sich ohnehin in den
letzten Jahren liberalisiert, in den meisten europäischen Ländern können Sie also unbesorgt vom Motorrad aus funken. Bei Fernreisen in die USA ist dagegen vom Mitführen von Funkgeräten völlig abzuraten, da dort andere Frequenzen genutzt werden als in der EU üblich.
Redaktionelle Anmerkung: Motorradfahrende CB-Funker können sich im Internet unter http://service.alan-germany.de/national-restrictions/CB-Urlaubs-
bestimmungen.htm über die Funkbestimmungen für die meisten europäischen Länder informieren.

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Schwanger auf dem
Motorrad
Sollte frau eigentlich während der
Schwangerschaft lieber nicht Motorrad
fahren? Wo liegen die Risiken?
Bettina Spieckermann-Buhl,
Hebammenpraxis Stuttgart-Mitte, www.stuttgarter-geburtshaus.de:
Als Faustregel gilt, dass in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft ein erhöhtes Fehlgeburt-Risiko besteht. In dieser Zeit würde ich in jedem Fall von Fahrten auf dem Motorrad absehen, da die Vibrationen auf der Maschine unter Umständen eine Fehlgeburt auslösen
können. Ebenso würde ich kurz vor dem
Geburtstermin entschieden von ausgiebigen Motorradtouren
abraten. Erfahrungsgemäß lässt hormonell bedingt die Konzentrationsfähigkeit in den letzten Schwangerschaftswochen nach, wie uns immer wieder Frauen berichten. Die Frau ist in dieser wichtigen Endphase der Schwangerschaft besser in der Nähe von dem Ort aufgehoben, wo sie das Kind entbinden lassen möchte. Generell ist eine Schwangerschaft allerdings nicht als Krankheit aufzufassen, dementsprechend sollte sich die Frau in den 40
Wochen der Schwangerschaft nicht alles verwehren und etwa
auf ihre Hobbys verzichten. Motorradfahren stellt für den Körper keine größere Belastung als Auto oder Fahrrad fahren dar, birgt jedoch ein hohes Verletzungsrisiko bei Unfällen. Da die schwangere Frau nicht mehr ausschließlich für ihren eigenen Körper, sondern auch für die Gesundheit des baldigen Nachwuchses verantwortlich ist, sollte sie genau abwägen, wo die Prioritäten liegen.

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