Leser fragen - Experten antworten (Archivversion)

Leser fragen - Experten antworten

Negativ-Federweg
Ich bin mit meiner Supermoto vorwiegend
auf kurvigen Landstraßen unterwegs.
Wie viel Negativ-Federweg soll ich einstellen, wenn ich nicht offroad fahre?
Peter Mayer, Testredakteur bei MOTORRAD, www.motorradonline.de:
Ein entscheidendes Manko von Offroad-Maschinen im Straßeneinsatz sind
die durch das tiefe Eintauchen der lang-
hubigen Federelemente auftretenden Änderungen der Fahrwerksgeometrie beim starken Beschleunigen oder harten Bremsen. Um diese zu reduzieren, werden sowohl Gabel als auch Federbein
in Supermoto-Bikes härter abgestimmt. Dafür werden Druck- und Zugdämpfung straffer ausgelegt. Ebenfalls kommen härtere Federn zum
Einsatz. Dies verändert insbesondere bei der Hinterradfederung auch den Negativfederweg. Folgende Werte gelten für den Straßenbetrieb als optimal: Negativfederweg ohne Fahrer minus sieben Prozent des Gesamtfederwegs, Negativfederweg mit Fahrer minus 25 Prozent des Gesamtfederwegs. Bei 300 Millimeter Federweg am Hinterrad bedeutet dies 21 Millimeter in unbelastetem Zustand und 75 Millimeter mit Fahrer. Spezialisten für Federungs-Umbauten im Supermoto-Bereich sind zum Beispiel die Firmen HH-Racetech (www.hh-racetech.de) oder Zupin Moto Sport (www.zupin.de).
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Marderschutz (Archivversion)

Marderschutz
In unserem Wohnviertel haben in letzter Zeit gehäuft Marder unsere geparkten Autos attackiert. Wie schütze ich mein Motorrad am besten gegen die gemeinen Nager? Helfen einfache Hausmittel, oder benötigt man spezielle Fallen oder etwa Abschreckungssprays?
Rainer Gsell, Bundesvorsitzender Deutscher Schädlingsbekämpfer Verband e.V. in Essen, www.dsvonline.de:
Entgegen der landläufigen Meinung, Marder würden etwa durch Gerüche von bestimmten Weichmachern oder Lösungsmitteln in Schläuchen und Kabeln an Fahrzeugen angezogen, liegen die Ursachen von Marderschäden woanders. Der Marderbiss ist Ausdruck einer Revierstreitig-
keit. Hat ein Marder am Fahrzeug eine gemütliche Nische
gefunden, nistet er sich dort gerne ein und hinterlässt
Duftmarken. Parkt das Fahrzeug nun auf einem anderen Platz, an dem sich ebenfalls ein Marder aufhält, reagiert Letzterer nicht gerade begeistert auf die fremden Gerüche des Kontrahenten und beißt an der entsprechenden Stelle Kabel und Schläuche durch. Allerdings bevorzugen Marder ausschließlich sehr sichtgeschützte Plätze am Fahrzeug,
wo sie sich verstecken können. Am Auto sind diese Stellen
bevorzugt unter der Motorhaube, die das Tier meist über
die Radkästen erreicht. Solche Verstecke würde ein Marder höchstens bei einem fast schon autoähnlichen Motorrad à
la Honda Gold Wing mit großzügiger Verkleidung vorfinden. Ansonsten ist für Motorradhalter die Gefahr eines Schadens durch Marderbiss an ihrer Maschine äußerst gering.

Schmorschaden (Archivversion)

Schmorschaden
Habe mir eine gebrauchte BMW K 1200 RS zugelegt, Erstzulassung 1997, ausge-
stattet mit Original-Koffern eines 2003er-
Modells. Bei einer Tour rauchte es plötzlich aus den Koffern – Schmorschaden! In einer Vertragswerkstatt konnte mir niemand
zeigen, wie man die Koffer falsch anbringen könnte. Nun wüsste ich gerne, wie es zu diesem Schaden kommen konnte?
Jürgen Stoffregen, Pressesprecher BMW Motorrad in München, www.bmw-motorrad.de:
Nach Prüfung des Vorfalls ergeben sich aus unserer Sicht folgende
Ursachen, die zu der beschriebe-
nen Beschädigung geführt haben können: Der Koffer beziehungsweise die Kofferhalter wurden nicht fachgerecht montiert. Oder der Kofferhalter wurde (unmerklich) verbogen, zum Beispiel durch einen Sturz des Motorrads. Außerdem könnte der Koffer unter Umständen mit zu viel Gepäck überladen worden sein. Die wenigen uns gemeldeten Fälle waren auf diese Ursachen zurückzuführen. Der Kunde kann bei einem Vertragshändler die fachgerechte Montage des Kofferhalters und eines neuen Koffers überprüfen lassen. Damit dürfte ein erneutes Verschmoren ausgeschlossen sein. Ansonsten würde BMW Motorrad den Koffer innerhalb der Gewährleistungsfrist ersetzen.

Krumme Bremsscheibe (Archivversion)

Krumme Bremsscheibe
Ich versteh’s nicht: Obwohl ich weder
Racer noch Gebirgs-Kurvenjäger bin, ist bei meinem moderaten Fahrstil eine Bremsscheibe krumm. Wo liegen mögliche Ursachen, und
wie kann ich so etwas zukünftig vermeiden?
Rolf Büttner, Bremsenexperte
beim TÜV Süd Automotive in Garching, www.tuev-sued.de:
Verantwortlich für die Verformung von Bremsscheiben sind in der Regel thermische oder mechanische Überbelastungen. Generell kann man davon ausgehen, dass der Hersteller die Bremsanlage für einen Standardfahrer ausreichend dimensioniert hat. Unabhängig vom Fahrzeug sollte man sein Augenmerk darauf richten, welche Parameter vom Standard
abweichen könnten, um eine erhöhte Energiezufuhr und somit überdurchschnittliche Belastung der Bremsanlage zu vermeiden. Die Diagnose beginnt beim Fahrzeug: Ist die Bremsanlage im
Originalzustand (Armaturen, Bremsleitung, Bremsscheibe, Bremsbeläge)? Wurde die Originalbremsanlage etwa beim Radausbau durch Lösen des Bremssattels oder durch eine Neuverlegung
der Bremsleitungen verändert? Befinden sich die Armaturen
in serienmäßiger Position, und sind alle Teile der Bremsanlage leichtgängig? Gibt es andere Veränderungen am Fahrzeug, die
zu einer erhöhten Energiezufuhr führen könnten, wie zum Beispiel eine Leistungssteigerung oder zusätzliche Anbauteile wie Koffer? Anschließend sollte sich der Fahrer fragen, ob er eventuell mit seinem Fahrstil vom Standard abweicht, indem er zum Beispiel häufig mit Sozius fährt oder etwa während der Fahrt den
Bremshebel leicht gezogen hält. In jedem Fall kann
auch ein moderater Fahrer seine Bremsen
überlasten, indem er beispielsweise schon weit vor einem Hindernis zu bremsen beginnt und auf diese Weise die Bremsscheiben unmerklich überhitzt.

Sprit-Tuning (Archivversion)

Sprit-Tuning
Alkohol beflügelt gelegentlich ja uns Menschen. Wie sieht’s mit dem Stoff als Zusatz im Tank aus: Bringen ein paar Gläschen
Hochprozentiges was, wenn ich es an der
Ampel auf einen flotteren Spurt anlege? Schließlich sind auch die Bahnsportler
mit Methanol unterwegs. Oder ruiniere
ich mir damit meine Einspritzanlage oder
sogar den kompletten Motor?
Guido Hinzmann, Zweiradmechaniker-
Meister und Bahnsportfahrer aus
Nordhorn:
Um durch Methanol-Alkohol eine Leistungssteigerung zu erreichen, muss der Motor extrem hoch verdichtet werden. Bahnmotoren werden dementsprechend je nach Disziplin (Speedway oder Langbahn) bis maximal 16 zu eins verdichtet. Allein das Mischen von Methanol und Benzin würde also nichts bringen. Wenn man einen Motor auf Methanolbetrieb umstellen möchte, ist zu berücksichtigen, dass erhebliche Umbaumaßnahmen erforderlich sind, die einen Laien in der Regel gründlich überfordern würden. Und bei Motoren mit Einspritzung ist eine Umrüstung nahezu unmöglich. Außerdem steigt der Verbrauch durch den Umbau stark an. Bei modernen Bahnmotorrädern verzichtet man sogar auf Vergaser mit Schwimmerkam-
mer, stattdessen werden die Kraftstoffschläuche direkt auf die Hauptdüse gesteckt, um den enormen Spritbedarf im Brennraum zu befriedigen. Ein Bahnmotorrad verbraucht zirka 80 Liter auf 100 Kilometer. Ein Liter Methanol kostet etwa zwei Euro – der Methanol-Betrieb ist also ein teures Vergnügen. Außerdem ist Methanol ein sensibler Kraftstoff: Er verflüchtigt sich sehr schnell und greift Kunststoff und Metalle an. Alkohol und Motorrad?
Mein Rat: Finger weg bei Motorrädern mit Straßenzulassung.

Vulkanisieren (Archivversion)

Vulkanisieren
Ich habe mir in letzter Zeit zwei Mal eine Schraube in den Hinterreifen gefahren.
Ist Vulkanisieren eigentlich legal? Bei den Preisen für neue Reifen sehe ich eigentlich keine Alternative.
Thomas Bischof, Marketing Manager
von Metzeler, www.metzelermoto.de:
Reparaturen von Reifen sind generell nicht verboten. Wir raten jedoch aus Sicherheitsgründen grundsätzlich von Reparaturen an Reifen ab. Und zwar, weil von außen nicht
erkannt werden kann, inwieweit die Karkasse – also die eigentlich tragende Struktur des Reifens – in ihrer Substanz beschädigt wurde. Bei reparierten Reifen ist daher die Gefahr von später auftretenden Folgeschäden sehr groß, weshalb im eigenen Interesse auf Reparaturen verzichtet werden sollte. Zu beachten ist außerdem, dass derjenige, der eine Reifenreparatur ausführt – sei es ein
Privatmann oder eine Firma – die Haftung hierfür zu übernehmen hat. Bei einem möglichen Unfall könnten die Folgekosten sehr hoch sein. Im Notfall, etwa bei einem Plattfuß auf dem Weg zum Nordkap, können die angebotenen Reifen-Reparatursets natürlich gute Dienste leisten. Spätestens beim nächsten erreichbaren Händler sollte dann jedoch ein neuer Pneu montiert werden.

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