Leser fragen - Experten antworten (Archivversion) Leser fragen - Experten antworten

Radial-Bremszangen
Radial verschraubte Bremszangen sind zurzeit anscheinend das Nonplusultra in der Bremstechnologie – nur hat mir noch keiner gesagt,
warum. Lohnt die Umrüstung von konventionellen Bremszangen?
Karsten Schwers, Bremsexperte und Tester
bei MOTORRAD, www.motorradonline.de:
Bei herkömmlich verschraubten Bremssätteln befinden sich die Gewindebohrungen seitlich an den
Gabelfüßen, bei radial verschraubten Bremssätteln hinter dem Gabelfuß. Bei einer Umrüstung müsste man also neben den Bremssätteln auch die beiden Gabelfüße austauschen – ein großer Akt. Oftmals
ist es deshalb einfacher, sich gleich eine neue Ga-
bel zu kaufen. Die dafür anfallenden Kosten lohnen
für Hobbyfahrer nicht. Echte Vorteile der radial verschraubten Bremszangen ergeben sich hingegen im Rennsport: Um die rotierenden Massen der Bremsscheiben so gering wie möglich zu halten, werden
je nach Streckenprofil (langsam/schnell) und Wetterbedingungen (Regen/Hitze) Bremsscheiben mit
unterschiedlichen Durchmessern verwendet. Diese lassen sich bei Radialbremszangen problemlos nach Bedarf wechseln, indem zwischen den Gabelfüßen und den Bremssätteln Distanzhülsen angebracht werden. Eine bessere Bremswirkung allein durch
die Art der Verschraubung des Bremssattels konnte ich bei den vielen Bremstests, die ich mit Radialzangen durchgeführt habe, nicht feststellen, auch wenn diesen Bremsen auf dem Papier eine sehr
hohe Steifigkeit bescheinigt wird. Wer die Dosierung seiner Bremsanlage verbessern will, sollte lieber
etwas Geld in eine radiale Handpumpe vom Zubehörmarkt investieren. Bei den meisten Supersportlern mittlerweile serienmäßig, sorgen diese für eine deutlich spürbare bessere Dosierbarkeit.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote