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Breitreifenkippeln
Ihr schreibt in einer Ausgabe, dass die neuen 190er-Reifen längst nicht mehr so ein nerviges Breitreifenkippeln hätten. Was ist damit genau gemeint?
Werner »Mini« Koch,
Reifenexperte bei MOTORRAD,
www.motorradonline.de:
Mit diesem Kippeln ist ein unruhiges Fahrverhalten auf welligen Strecken gemeint. Die Ursache dafür liegt in der Tatsache, dass sich bei breiten Reifen die Aufstandsfläche in Schräglage oder bei Bodenwellen deutlich aus der Mittelebene verlagert. Bei Reifenbreiten von bis zu 195 Millimetern kann diese Verlagerung je nach Verwer-
fungen der Straßenoberfläche auch bei
Geradeausfahrt bis rund 50 Millimeter am Hinterrad betragen. Vorn ist die Verlagerung aufgrund der üblichen 120er-Baubreite und einer spitzeren Kontur deutlich geringer. Jede Verlagerung der Reifenaufstandsfläche hat einen Einfluss auf die Fahrstabilität
und führt zu einem Lenkimpuls, den der Fahrer als Eigenlenkbewegung spürt und der von ihm korrigiert werden muss.
Durch eine optimierte Kontur der neuen Breitreifengeneration und eine Karkasse, die sich unter Belastung gleichmäßiger
verformt, konnten die Reifenkonstrukteure diese negativen Eigenschaften deutlich
abschwächen. Erst bei abgefahrenem Profil kann sich das Kippeln wieder verstärken, da der Laufflächengummi entscheidenden Einfluss auf die Steifigkeit beziehungsweise Flexibilität des Reifens hat. Im Gegensatz zum Luftdruck, der diesbezüglich eine überraschend geringe Rolle spielt. Trotzdem kann damit in einem Bereich von 0,2 Bar vorn und 0,3 Bar hinten experimentiert werden. In der Regel sind Tourenreifen aufgrund ihrer flacheren Kontur (besserer Geradeauslauf, geringerer Verschleiß
durch die größere Auflagefläche) stärker
betroffen als Sportreifen.

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