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Waldemar Schwarz, MOTORRAD-
Leserservice, www.motorradonline.de:
Das ABS eines Motorrads lässt sich nicht
auf ein anderes Fahrzeug umrüsten, ebenso wenig gibt es ein ABS zum Nachrüsten. Zwar ist das grundlegende Funktionsprinzip aller auf dem Markt befindlichen ABS-Systeme sehr ähnlich, die Parameter der einzelnen Motorräder sind aber völlig verschieden. Auf der mechanisch-hydraulischen Seite unterscheiden sich zum Beispiel die geometrischen Abmessungen der Fahrzeuge und Bremsanlagen, wie Raddurchmesser, Scheibendurchmesser, Volumina der Bremsanlagen und deren hydraulisches Übersetzungsverhältnis, sowie das Gewicht beziehungsweise die Radlasten und
deren dynamische Verlagerung beim Bremsen. Das hat zur
Folge, dass eines oder beide Räder bei unterschiedlichen Bremsdrücken blockieren. Ebenso hängt die Dynamik des
Drehzahlabfalls oder -aufbaus eines Rads entscheidend von seinem Massenträgheitsmoment ab, also seiner Größe und
seiner Massenverteilung. So hat zum Beispiel nicht nur das
19-Zoll-Speichen-Vorderrad einer BMW R 1200 GS ein ganz
anderes dynamisches Verhalten als das 17-Zoll-Gussrad einer
R 1100 S, sondern die beiden Motorräder verhalten sich beim Bremsen ebenfalls völlig unterschiedlich – obwohl sie baugleiche ABS-Systeme haben. Die gesamten fahrzeugspezifischen Größen sind im ABS-Steuergerät hinterlegt und werden vom Rechenmodus während des ABS-Eingriffs in die Regelung
mit einbezogen. Selbst ein Umbau baugleicher ABS-Systeme bei verschiedenen Motorrädern würde also nicht funktionieren,
das Steuergerät müsste neu programmiert werden.
Bei einem derart sensiblen Thema spielt vor allem die Produkt-
haftung eine entscheidende Rolle, weswegen sich auch in Zukunft höchstwahrscheinlich kein Hersteller auf eine Nach-
rüstung von ABS einlassen wird.

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