Leser fragen - Experten antworten (Archivversion)

Leser fragen - Experten antworten

Notfall-Bremsflüssigkeit
Während meiner geplanten Afrika-Durchquerung möchte ich so wenig wie möglich mitschleppen. Unter anderem verzichte
ich auf Ersatzbremsflüssigkeit. Angenommen, das Bremssystem schlägt leck und läuft aus, durch was könnte ich die Bremsflüssigkeit behelfsmäßig ersetzen? Sprit, Motoröl, Alkohol, Wasser?
Lothar Spiegler, Geschäftsführer
der Spiegler Bremstechnik GmbH, www.spiegler.de
Die heutzutage verwendete Bremsflüssigkeit wurde über Jahrzehnte entwickelt und ständig optimiert, grundsätzlich gibt es hierfür keinen gleichwertigen Ersatz. Erforderliche Eigenschaften wie Siedepunkt, Wasseraufnahme, Korrosionsschutz und Schmiereffekt sind Bestand-
teile, auf die man bei einer modernen Bremsanlage nicht mehr verzichten kann. Was also tun, wenn abseits der Zivilisation die Bremsanlage leckt, Bremsflüssigkeit verloren geht und kein Ersatz zur Verfügung steht? Handelsübliche Bremsflüssigkeiten basieren auf Alkoholbasis. Als besten Alkohol-Ersatz zum Weiterfahren könnte man Spiritus empfehlen. Gibt es keinen Alkohol-Ersatz, dann hilft als letzte Möglichkeit zum Weiterkommen auch Wasser, das ohnehin von der Bremsflüssigkeit aufgenommen werden kann. Man beachte aber den niedrigen Siedepunkt. Heftige Bremsungen sind damit nicht möglich – das Wasser würde verdampfen und die erhoffte Brems-
wirkung ausbleiben. Ist man wieder in
sicheren Gefilden, muss die komplette Bremsanlage überholt werden, das heißt alle Teile auf Korrosion überprüfen, auf jeden Fall neue Dichtmanschetten und Bremsflüssigkeit verwenden und dabei die Herstellervorschriften beachten. Nicht verwenden darf man Mineralöl. Davon quellen die Gummimanschetten auf, die Kolben sitzen dann fest – weiterfahren wäre unmöglich.
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Motorrad auf der Fähre (Archivversion)

Motorrad auf
der Fähre
Demnächst schippere ich zum ersten Mal mit meiner Ducati auf einer Fähre übers Meer.
Leider habe ich keine Ahnung,
was da auf mich zukommt. Muss
ich beispielsweise das Motor-
rad selbst sichern, oder machen
das die Mitarbeiter der Fährlinie? Steht die Kiste besser auf
dem Hauptständer oder auf dem
Seitenständer? Kann man die verschließbaren Koffer während der Überfahrt dranlassen?

Michael Schröder, MOTORRAD-
Redakteur und Reisespezialist,
www.motorradonline.de
Im Bauch einer Fähre sollte man das Motorrad am besten direkt an der Bordwand abstellen (egal, ob auf Seiten- oder Hauptstän-
der) und mit zwei Seilen jeweils nach vorn und hinten fixieren, vielleicht noch ein Spanngummi für den Bremshebel – fertig. Seile
und Bremsklötze liegen auf jeder Fähre bereit,
und wenn nicht zu viel Hektik herrscht,
hilft auch das Personal. Abschließbare Koffer
verbleiben am besten am Motorrad, das schützt das Fahrzeug während der Überfahrt, und man muss die Dinger nicht an Bord rumschleppen. Dauert die Passage länger, sollte man seine persönlichen Utensilien
allerdings schnell zur Hand haben (am besten in einem kleinen Rucksack) – auf fast allen Fähren sind die Zugänge zu den Fahrzeug-Decks während der Überfahrt verschlossen.

Gel-Batterien (Archivversion)

Gel-Batterien
Ich habe gehört, Gel-Batterien könnten sich über den Winter nicht tiefentladen. Außerdem sollen sie kleiner und leichter als vergleichbare Blei-Akkus sein, eine wesentlich längere Lebensdauer aufweisen sowie bei gleicher Kapazität
einen deutlich höheren Startstrom liefern. Stimmt das alles? Und was sind sonst noch Vorteile gegenüber herkömmlichen Batterien?

Florian Frantz, Junior Product Manager Motorcycle Batteries,
VB Autobatterie GmbH & Co. KG, www.varta-automotive.com
Gel-Batterien und die bei Varta erhältliche Weiterentwicklung Liquid Fix (LF) neigen auch bei extrem langen Standzeiten tatsächlich deutlich weniger zum Tiefentladen. Bei gleicher Kapazität entsprechen
die Maße und Gewichte weitgehend denen herkömmlicher Standard-
batterien, allerdings ist der zur Verfügung stehende Startstrom deutlich (bis zu 60 Prozent) höher. Dies ist insbesondere auf die ver-
wendete spezielle Blei-Legierung der LF-Batterien zurückzuführen. Diese ermöglicht Werte weit über der DIN/EN-Norm.
Soll es auch ab und zu ins Gelände gehen? Dann ist eine Gel-
oder LF-Motorradbatterie auf jeden Fall erste Wahl, denn durch den festgelegten Elektrolyt sind diese Batterien absolut kipp-, auslaufsicher und rüttelfest. Dass diese Batterietechnologie unter gleichen Einsatzbedingungen (bezogen auf eine Standardbatterie) auch noch wesentlich langlebiger ist, soll der Vollständigkeit halber nicht un-
erwähnt bleiben. Und dies alles bei absoluter Wartungsfreiheit. Ein Nachfüllen von destilliertem Wasser entfällt. Bei Gel-/LF-Batterien gilt das Motto: einbauen und getrost vergessen.

Bremsleistung (Archivversion)

Bremsleistung
Kürzlich kaufte ich mir eine gebrauchte Royal Enfield und war entsetzt über deren miserables Bremsvermögen.
Gibt es so etwas wie eine vorgeschriebene Mindestbremsverzögerung für Motorräder, damit sie für den Straßenverkehr zugelassen werden dürfen?
Harald Rüttgers,
TÜV Rheinland Group,
Technologiezentrum
Verkehrssicherheit,
Arbeitsgebiet Motorrad, www.tuv.com
Selbstverständlich gibt es Anforderungen – nationaler und internationaler Art – an Bremsanlagen von Krafträdern, in Form von vor-
geschriebenen Mindestverzögerungen. Für Fahrzeuge mit Erstzulassung vor dem 1.10.1998 schreibt der Paragraph 41 StVZO eine mittlere Verzögerung von lediglich 2,5 m/s² vor. Bei Fahrzeugen mit Erstzulassung ab dem 1.10.1998 ist eine mittlere Verzögerung von 5,5 m/s² vorgeschrieben (gemäß Richtlinie 93/14/ EWG beziehungsweise ECE-R 78).
Die meisten Fahrzeuge sind mit Bremsanlagen (beispielsweise Doppelscheibe mit Vier- oder Sechskolben-Bremszange) ausgerüstet, die diese Anforderungen um ein Vielfaches übertreffen.
Im Falle der Royal Enfield werden aufgrund der verbauten Simplex-Trommelbremse die Mindestanforderungen erfüllt. Ein aktuelles Sportmotorrad würde diese Mindestanforderungen zwar auch mit einer Trommel- statt Scheibenbremse erfüllen, wäre aber aufgrund
dieser minderwertigen Ausrüstung kaum verkäuflich. Deshalb regelt sich dieses Problem in der Regel durch den Markt.

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