Leser fragen - Experten antworten (Archivversion)

Leser fragen - Experten antworten

Koni-
Stoßdämpfer
Für die alten Koni-Dämpfer meines Youngtimers suche ich Ersatzteile. Da Koni meines Wissens längst
keine Motorrad-Dämpfer mehr produziert und wohl auch seit vielen Jahren nicht mehr existiert, stellt sich die Frage, ob trotzdem irgendwo noch jemand entsprechendes Material anbietet?
Kaspar Mulkens, Kimphi Kfz-Teile, www.ikonshocks.com
Im Jahr 2000 stoppte die Firma Koni tatsächlich die Produktion von Motorrad-Stoßdämpfern. Der australische Importeur von Koni, die Firma Proven, hat daraufhin alle Produktionsrechte sowie Restbestände aufgekauft und produziert seit 2002 nach den alten, vertrauten Koni-Maßstäben. Da Koni weiterhin Stoßdämpfer, beispielsweise für die Automobilbranche, herstellt, durfte der Name Koni für die von Proven hergestellten Dämpfer nicht verwendet werden. Um einen Bezug zum alten Namen zu erhalten, enstand aus einem Buchstabendreher der neue Produktname Ikon. Der wird mit den alten Typenbezeichnungen kombiniert. Aus Koni 7610-1298 wurde Ikon 7610-1298. Da die Einzelteile von Ikon baugleich mit denen von Koni sind, können diese auch als Ersatzteile für einen defekten Koni-Stoßdämpfer eingesetzt werden. Bei der 76-Serie sind jedoch nur Teile der Stoßdämpfer lieferbar, die jetzt noch produziert werden. Anbieter für sämtliche Koni-Ersatz- und Ikon-Neuteile ist die Firma Kimphi, Telefon 0241/1823296.
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Motor- statt Gabelöl (Archivversion)

Motor- statt Gabelöl
Ist es möglich, statt der sündhaft teuren Gabelöle auch herkömmliches Motoröl (mineralisch oder synthetisch) für die Befüllung der Telegabel zu verwenden? Und wo liegen eigentlich die Unter-
schiede zwischen Gabel- und Motoröl?
Benny Wilbers, Wilbers Products, www.wilbers.de
Grundsätzlich könnte man auch Motoröle als Gabelöle verwenden, allerdings wäre die Funktion katastrophal. Motoröl und deren Additive entfalten erst bei Temperaturen ab 40 Grad Celsius ihre Wirkung, und Gabelöle weisen bereits ab null Grad Celsius eine ordentliche Funktion auf. Bei Straßen- und Sportmotorrädern
herrschen in diesen Breitengraden Temperaturen von maximal 35 Grad in der Gabel. Hier ein Beispiel zur Verdeutlichung: Der Motor eines Rennmotorrads wird vor seinem Einsatz grundsätzlich aufgewärmt, denn beim Losfahren sollte das Öl eine Mindesttemperatur von 60 Grad Celsius haben. Die Gabel wird fast
nie aufgewärmt, soll aber dennoch für ausreichende
Traktion sorgen, um weiter als bis nur zur ersten Kurve zu kommen. Auch deshalb ist das Gabelöl in seiner Viskosität meist erheblich dünner
(SAE 5 bis 10). Der hohe Anteil der sündhaft teuren Additive im Gabelöl sind sicher die Hauptursache für den verhältnismäßig hohen Preis, trotz
sehr kleiner Mengen im Vergleich zu den Motorölen. Dagegen schont eine perfekt ansprechende und dämpfende Gabel die Reifen und steigert die
Sicherheit beim Fahren. Wir empfehlen einen Gabelölwechsel nach 20000
Kilometern oder nach einer Renn-
saison. Bezogen auf die gefahrenen
Kilometer halten sich die anfallenden Kosten somit in überschaubaren
Grenzen.

Bremsscheiben (Archivversion)

Bremsscheiben
Ich möchte meiner über zehn Jahre
alten Honda CBR 600 gern neue Bremsscheiben spendieren, weiß aber nicht, ob
Guss- oder Stahlscheiben. Worin liegen
die Unterschiede – Werkstoff, Reibpaarung,
Gewicht, Lebensdauer, Funktion, Preis?
Klaus Schmitt, Produktmanager Motorrad,
TRW Kfz Ausrüstung, www.lucas-bikerswolrd.com
Die Technologie von Bremsscheiben hat sich in den
letzten 15 Jahren erheblich verbessert. Nahezu alle Bremsscheiben in der Erstausrüstung sind heutzutage aus
Stahl – selbst in der Superbike-WM wird mit Stahlscheiben gefahren. Hochwertige Stahlscheiben vertragen termische Belastungen von über 600 Grad Celsius, und dies ohne nennenswerte Materialveränderungen. Da Gussscheiben
in der Regel schneller verschleißen und die meisten
Fabrikate keine Verwendung von bissigen Sintermetallbelägen zulassen, liegen die Vorteile ganz klar bei Stahlscheiben. Weiterer Nachteil des Gussmaterials: die starke Korrosionsanfälligkeit, die durch den Einsatz von Sinter-
metallbelägen noch weiter steigt. Das Preisniveau von Stahl- und Gussscheiben ist ähnlich. Wir empfehlen Ihnen daher ganz klar, neue Stahlscheiben zu montieren.

Kettenschloss (Archivversion)

Kettenschloss
Bis zu welcher Motorleistung, Geschwindigkeit und Kettengröße sind eigentlich die
praktischen Clip-Schlösser
zulässig? Und sind diese Schlösser wie die zugehörige Kette mit O-, X- oder
Z-Dichtringen ausgestattet?
Reinhard Schüller,
Motorrad Schüller, www.enuma.de
Clip-Kettenschlösser stammen noch aus den Ur-Zeiten der Antriebsketten. Auch wenn sie für die Montage
praktisch erscheinen, sollte bei den hubraum- und leistungsstarken Motorrädern der heutigen Zeit die Kette
vernietet werden. Nur eine feste Verbindung garantiert
Sicherheit. Ein Clip-Schloss birgt durch unachtsame
Montage (Überdehnen des Clips beim Schließen, mehr-
maliges Verwenden und damit Ausleiern, falsche Montagerichtung et cetera) die Gefahr, dass der Clip verloren geht, das Schloss langsam aus den Enden der Kette herausrutscht und danach die wegfliegende Kette das Motorengehäuse zerstört – von wesentlich fataleren Folgen ganz zu schweigen. Clip-Schlösser sollten nur für Motorräder mit einer Leistung bis etwa 50 PS verwendet werden.
Entsprechend sind bei einigen Kettentypen O-, X- oder
Z-Ringe im Lieferumfang enthalten. Wer auf Nummer
Sicher gehen will, sichert anschließend den Clip mit einem Tupfer Sekundenkleber, Silikon oder einem umgebördel-
ten Streifen Sicherungsblech, das zwischen Lasche und Clip geschoben wird. Als praktische, jedoch wesentlich
sicherere Alternative bietet Enuma für rund 15 Euro ein Schraubschloss an, das eine feste Verbindung garantiert und sich ohne Spezialwerkzeug montieren lässt.

Reifenpanne (Archivversion)

Reifenpanne
Ich plane einen Motorradtrip über
Griechenland in die Zentraltürkei.
Angenommen, ich habe eine Reifen-
panne und muss den Reifen wechseln, bekomme aber keinen, der in die
Papiere eingetragen ist. Kann ich
trotzdem mit einem eigentlich nicht
zugelassenen Reifen zurück nach Deutschland fahren, oder verliere ich meinen Versicherungsschutz?
Peter Muth, Rechtsanwalt, Tätigkeitsschwerpunkte Verkehrs- und Mietrecht, www.anwaltshotline.de
Es handelt sich hier um eine Notfallsituation, die kein Verschulden des Versicherten erkennen lassen kann. Es würde einen unverhältnismäßig großen Aufwand
erfordern, auf einen Originalreifen aus Deutschland zu warten oder die Heimreise zu verzögern beziehungsweise nicht oder nur unter Zurücklassen des Motorrads antreten zu können. Der Versicherte muss sich aber vor Ort bei mehreren Stellen erkundigen, ob
er den erforderlichen, zugelassenen
Reifen tatsächlich nicht bekommen kann, und er sollte diese Bemühungen belegen können (zum Beispiel durch Zeugenaussagen von Mitreisenden). Insofern kann der Versicherungsschutz nicht erlöschen. Das gilt so lange, wie mit dem passenden, aber nicht zugelassenen Reifen die Verkehrssicherheit den Umständen entsprechend den Notfallbedingungen gewährleistet werden kann. Der Versicherte muss jedoch nach seiner
Ankunft zu Hause schnellstmöglich, also sofort, einen zugelassenen Reifen aufziehen lassen. Anders sieht es
aus, wenn der Versicherte aus diesem oder einem anderen Versicherungs-
vertrag Anspruch auf Fahrzeugrück-
holung beziehungsweise Erstattung der Reisekosten hat, da er dann
nicht gezwungen ist, sein Motorrad
im Ausland stehen lassen zu müssen.
Die vorliegende Situation ist eine
Notfallsituation, für die es keine feste Rechtsprechung gibt. Insofern bleibt die Einzelfallentscheidung immer
dem mit der Sache befassten Gericht vorbehalten. Eine Garantie, wie diese Entscheidung ausfällt, kann leider nicht gegeben werden.

Funk in den USA (Archivversion)

Funk in den USA
Für einen Motorradtrip in den USA suchen mein Freund und ich nach einer günstigen Kommunikationsmöglichkeit und dachten dabei an PMR-Funkgeräte mit Headsets. Jetzt haben wir gehört, dass PMR-Funk in den USA nicht funktioniert. Stimmt das? Und was wäre die Alternative?
Thomas Wildberger, Einkaufs-/Verkaufsleiter Alan Electronics, www.alan-germany.de

Leider gibt es weltweit keine einheitliche Norm für Funkgeräte. Das kennt man auch aus dem Mobilfunkbereich: In Europa haben wir GSM, in den USA CDMA. Der Funkstandard wird in den USA von der FCC, in Deutschland von der RegTp festgelegt. Für Funkgeräte in Europa gibt es die Norm PMR 446. Die Funkgeräte eignen sich sehr gut für die Kommunikation auf dem Motorrad und funktionieren auch in den USA – leider ist ihre Verwendung dort in der Tat verboten. Eingesetzt werden dürfen nur Funkgeräte, die der Norm GMRS/FRS (Family Radio Service) entsprechen. Statt acht stehen den Usern dort 22 Kanäle zur Verfügung. Geeignete Geräte findet man zum Beispiel bei unserer Schwesterfirma »Midland
Radio«, siehe http://www.midlandradio.com/products.asp?pid=
53&Direc=Next. Motorradurlaubern können wir raten, gegebenenfalls ihr schon vorhandenes Headset mit in die USA zu nehmen
und dort ein passendes FRS-Funkgerät zu kaufen. Die Geräte gibt es bereits für unter 30 US-Dollar.

Unterschied zwischen Laminat und Z-Liner? (Archivversion)

Kürzlich war ich in einem Motorrad-Shop und be-
kam beim Bekleidungskauf
Begriffe wie Laminat und
Z-Liner um die Ohren gehauen. Kapiert habe ich es aber nicht. Was ist denn der Unterschied zwischen diesen beiden Bauarten,
und welche ist besser?
Dieter Grotjohann, Leiter
Vertrieb und Marketing Motorsport, W.L. Gore & Associates, www.gore-tex.com
Von einer Z-Liner-Konstruktion
sprechen wir, wenn zwischen dem Außenmaterial der Jacke und dem Innenfutter eine Art frei hängende Innenjacke eingearbeitet ist. Weder die Nähte des Ober- noch des
Futterstoffs, sondern nur die des
Z-Liners werden hierbei wasserdicht verschweißt. Bei einer Zwei- oder Drei-Lagen-Laminatjacke sind Oberstoff, Membrane und Futterstoff fest miteinander verbunden (laminiert) –
die Membrane ist so vor Abrieb
geschützt. Laminat-Konstruktionen
sind sehr strapazierfähig und werden bei höchsten Beanspruchungen wie beispielsweise Extrembergsteigen, Hochseesegeln oder eben Motorradfahren verwendet.
Die Frage nach besserer oder schlechterer Bauart lässt
sich nicht ohne weiteres beantworten. Jede Bauart hat ihre Vorteile. Bei einer Liner-Konstruktion kann ich fast jedes
atmungsaktive Obermaterial verwenden und die wildesten Farben, Applikationen und Konstruktionen verwirklichen (völlige Designfreiheit). Und der weiche, textile Griff ist
sicherlich etwas besser als bei den Laminaten. Deren Vor-
teile sind: weniger (isolierende) Schichten, deutlich höhere Atmungsaktivität, geringeres Gewicht. Außerdem bilden
sich bei Regen keine Wassersäcke an den Ärmelbündchen. Eine Laminat-Jacke saugt sich kaum mit Wasser voll
und bleibt bei Regen angenehm leicht – selbst wenn die
aufgebrachte Imprägnierung längst abgenutzt sein sollte.
Z-Liner-Jacken saugen sich voll, werden schwer und
benötigen lange Zeit zum Trocknen. Fazit: Die Laminat-
Jacke ist die technisch weitaus anspruchsvollere Variante. Aus den erwähnten Komfortgründen würde ich mich immer für eine Laminat-Variante entscheiden, auch wenn sie
meist die teurere Wahl ist.

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