Leser fragen - Experten antworten (Archivversion)

Leser fragen - Experten antworten

Grüne Karte
Ich plane für nächstes Jahr eine Tour
durch Osteuropa. Benötige ich dort die
Grüne Versicherungskarte?
Klaus Brandenstein, Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), www.versicherungundverkehr.de:
Motorrad- und Autofahrer, die in die neuen EU-Länder reisen,
benötigen die Grüne Karte nicht mehr. Als hinreichender Versicherungsnachweis gilt das Fahrzeug-Kennzeichen. Bislang
hatten einige Beitrittskandidaten das Schriftstück verlangt und bei Fehlen drastische Strafen kassiert. Rein rechtlich dürfte in diesen Ländern eigentlich niemand die Grüne Karte fordern.
Aber diskutieren Sie mit, sagen wir mal, einem litauischen
Beamten. Um auf Nummer Sicher zu gehen, sollten Sie des-
halb auch ohne direkte Notwendigkeit die Karte kostenlos von
Ihrer Versicherung anfordern. Außerdem haben Sie dann schon vorgesorgt, falls Sie doch in Länder fahren, in denen das Papier erforderlich ist. Es ist also keine verschenkte Mühe, die Grüne Karte zu besorgen.
Für die Neumitglieder gilt nun auch die so genannte vierte Kraftfahrthaftpflicht-Richtlinie, die eine Schadensabwicklung zwischen Unfallbeteiligten innerhalb der Europäischen Union vereinfachen soll. Dazu benennt jedes Land einen Schadenregulierungsbeauftragten. Wer zum Beispiel in Polen Opfer eines Verkehrsunfalls ist, kann sich in Deutschland an den Beauftragten der polnischen Versicherung wenden. Geschädigte erhalten hier zu Lande die
jeweiligen Kontaktdaten beim Zentralruf der Autoversicherer,
Telefon 0180/25026 oder im Internet unter www.zentralruf.de.
Anmerkung der Redaktion: Vorgeschrieben ist die Grüne Karte in Albanien, Andorra, Bosnien-Herzegowina,
Bulgarien, Jugoslawien, Marokko, Mazedonien, Moldawien, Rumänien, Tunesien, Türkei, Ukraine, Weißrussland.
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Einseitiger
Reifenverschleiß
Während einer Motorrad-
tour entdeckte ich am Vorderradreifen meiner BMW
K 1100 RS, Baujahr 1994, ein extrem ungewöhnliches Abriebbild. Der aufgezogene Bridgestone BT 020 war auf einer Flanke komplett plattgefahren, während die andere Seite noch reichlich Profil aufwies. Ein Einzelfall?
Jürgen Stoffregen, BMW Motorrad in
München, www.bmw-motorrad.de:
Dass Vorderreifen an manchen BMW-Motorrädern (Boxer- und
K-Modelle) hin und wieder ein einseitiges Verschleißbild aufweisen, ist uns bekannt. Wir ordnen dieses in den als normal anzusehenden Reifenverschleiß ein. Bei Motorrädern der
K-Baureihe mit längs liegendem Vier-
zylinder-Reihenmotor liegt der Fahrzeugschwerpunkt ein klein wenig außerhalb
der Längsachse des Fahrzeugs, auf das Fahrverhalten hat das indes keinerlei
negative Auswirkungen. Theoretisch könnte man daraus Einflussfaktoren für den Reifenverschleiß ableiten, jedoch ist dieser Schräglagenausgleich so gering, dass er bezogen auf die Reifenkontur und die wirksame Aufstandsfläche sich nur im
Mittenbereich des Reifens abspielt. Ebenso theoretisch ist der Einfluss von der längs liegenden Kurbelwelle. Bei dieser stützt sich das Antriebsmoment über
das Kurbelgehäuse am Rahmen ab und erzeugt einen Drehimpuls um die Fahrzeuglängsachse, dem bei Geradeausfahrt entgegengehalten wird. In der Praxis
dürften diese Effekte eine unwesentliche Rolle spielen, weil auch Fahrbahnwöl-bung, Seitenwind und Unebenheiten
ausgeglichen werden müssen. Bei Kurvenfahrt sind die beschriebenen Einflüsse ebenfalls zu vernachlässigen. Die Vorderradführung spielt bei BMW-Modellen
mit symmetrisch aufgebautem Telelever keine Rolle, da das Einfederungsverhalten
bei Kurvenfahrt rechts und links iden-
tisch ist. Bei Telegabeln (ältere K-Modelle,
wie im vorliegenden Fall) könnte man
anführen, dass eventuell unterschiedliche
Feder-/Dämpferkräfte in den Holmen
existieren. Fraglich ist hingegen, ob dies merklichen Einfluss auf Reifenverschleiß haben kann. Zum Schluss könnte ein
individueller Fahrstil eine Erklärung bieten. Zusammengefasst: Fahrzeugseitig sehen wir keinen signifikanten Einfluss, der das beschriebene Verschleißbild hinreichend und zweifelsfrei erklären könnte.

Tim Röthig, Bridgestone, www.bridge
stone-eu.com:
Wir als Reifenhersteller sind eigentlich nicht
der richtige Ansprechpartner für das vor-
liegende Problem. Es stimmt allerdings, dass solche Fälle bei Motorrädern, deren Kurbelwellen längs zur Fahrtrichtung eingebaut sind, gelegentlich moniert werden. Das Problem betrifft nicht nur BMW, sondern auch Moto Guzzi. Von anderen Fahrzeugen sind uns derartige Probleme nicht bekannt.

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Leichter Sturz: Helm kaputt
Jüngst habe ich mir einen teuren Sporthelm
gekauft, weil ich auf Sicherheit und geringes Gewicht großen Wert lege. Bei einem kleinen Unfall ist der Helm leicht über den Boden
gerutscht und eingerissen. Darf das sein?
Holger Hertneck, MOTORRAD-Redakteur und Helmtester:
Helme sind dazu da, bei einem Unfall zu schützen. Diese Aufgabe hat Ihr Helm offenbar erfüllt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass
Helmschalen beim Unfall reißen oder platzen, denn der Kopfschutz muss Stöße abfangen, und das geht nur durch Energieabbau. Beim Auto spricht man von einer Knautschzone, und niemand würde in Frage stellen, dass sich bei einem Unfall die Karosserie verformen kann. Stellen Sie sich vor, Sie hätten bei dem Unfall einen Stahlhelm aufgehabt – wahrscheinlich wäre der jetzt noch intakt, Ihr Kopf hingegen weniger, denn so ein Helm dämpft kein bisschen. Die Folge: Selbst bei kleineren Stürzen kann es zu schweren Hirnverletzungen kommen, wenn der Schlag nicht adäquat abgeschwächt wird. Schade um den teuren Helm, der jetzt in die Tonne wandert. Aber die eigene Gesundheit sollte einem das Geld wert sein.

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