Leser testen Benelli: MOTORRAD-Testride auf Tornado und TnT (Archivversion) SELBST-ERFAHRUNG

Lesen und selbst erfahren, vermittelte und unvermittelte Wirklichkeit – das kann
sogar bei ein und demselben Ding völlig unterschiedlich ausfallen. Deshalb
ermöglichte MOTORRAD zehn Lesern einen Testritt auf Benelli Tornado und TnT.

Gelesen habe ich das schon bei euch, aber jetzt erst kann ich nachfühlen, wie anstrengend Supersportler auf der Landstraße sind.« »Das also meint ihr, wenn ihr schreibt, die TnT hätte richtig Druck.« Solche Aussagen waren häufig zu hören an jenem Samstag vor Pfingsten, an dem die erste Testride-Aktion von MOTORRAD über die Bühne ging. Willkommene Indizien dafür, dass sie den einen Zweck bestens erfüllt hatte – für eine ausgeloste Gruppe von Lesern das im Heft abgedruckte, aus zahllosen Messwerten und Testeindrücken bestehende Urteil direkt erfahrbar zu machen.
Einen ganz anderen Zweck, aber einen, der bestens zur Idee von MOTORRAD passte, verfolgte Benelli-Importeur Ronald März. Er wollte seine Marke bekannt machen und stellte 13 Benellis – neun Supersportler vom Typ Tornado 900 Tre und vier eben erst aufgebaute TnT-Naked-Bikes – für diesen Tag zur Verfügung. Die Rundreise durch die Kurvenparadiese des Schwarzwalds brachte schnell an den Tag, dass die Tornados nicht in ihrem ureigensten Revier unterwegs waren. Zu verwinkelt, schmal und holprig die Straßen, zu vorderradorientiert, zu radikal auf Rennstrecke zugeschnitten die Sitzposition auf dem 900er-Supersportler.
Wie ein Fisch im Wasser bewegte sich dagegen die TnT durch die selektiven
Passagen – und das teilte sie all ihren
Fahrerinnen und Fahrern sofort mit. Die aufrechte Sitzposition, der breite Lenker, die Balance des Fahrwerks, vor allem aber der fulminant beschleunigende Motor der TnT passten perfekt für diesen Tag und zu den unterschiedlichsten Temperamenten. »Alles fühlt sich viel direkter an als auf
meinem Motorrad«, staunte FZS-1000-Fahrerin Brigitte Weyer, während Speed-Triple-Besitzerin Anne Becker zwar den Punch der TnT lobte, zugleich aber die Laufkultur ihrer Triumph vermisste. Ernsthaft zu kritisieren hatten alle nur die befremdliche Neigung der TnT, den Rücken ihrer jeweiligen Besatzung mit Abgasen voll zu blasen. Auf dass diese ihre Testfahrt nicht so schnell vergessen.
Dass es sich mit etwas Opferbereitschaft und ein paar Kniffen auch auf
der extrem sportlichen Tornado gut landstraßeln lässt, fanden einige der Teilnehmer im Verlauf des Tages heraus. Mit Spannung in den Beinen auf die Fußrasten gestützt, dafür mit locker hängenden
Armen und beweglich im Schultergürtel, hatten sie durchaus Spaß an der Renn-Replika. Besonders wenn die Kurven
weiter gezogen waren. So bestätigten sie
für sich eine weitere, oftmals in MOTORRAD getroffene Feststellung: Man darf bei dieser Kategorie Motorräder nur nicht so schnell nachlassen.
Obgleich niemand am Ende des Tages seine Maschine für eine Benelli in Zahlung gab, obgleich kein Naked-Bike- oder Supermoto-Fan mit fliegenden Fahnen zu den Supersportlern überlief, brachte der Lesertest doch, was auch jeder gewöhnliche Testtag bei MOTORRAD zuverlässig bringt: Jeder lernte etwas Neues kennen, erweiterte seinen Horizont. Und einer
entdeckte sogar seine journalistische
Ader. Jens Kruska brachte unter www.
fzrfahrer.de einen enthusiastischen TnT-Fahrbericht. Nur Tourguide Daniel Lengwenus vom MOTORRAD ACTION TEAM war am Abend etwas enttäuscht: Er wäre auch gerne mal TnT gefahren.

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