Manfred Amelang

Manfred Amelang, 68, emeretiert ­Psychologie-Professor aus Heidelberg ­
und TT-Fan.

Foto: Jahn
MOTORRAD: Wie kommt es, dass die Road-Racing-Szene hier und in Irland blüht, während der Rest der Welt auf Rundkursen fährt?
Amelang: Zunächst einmal ist die Antwort ganz einfach. Dort gibt es keine Rennstrecken. Wo sonst soll man in Irland Rennen fahren? Aber mal im Ernst: Natürlich spielt auch die enge Bindung der Briten zur Tradition eine Rolle. Sie pflegen ihre Bräuche, sie beschwören immer wieder ihre Mythen – und dazu gehört auch Road-Racing.

MOTORRAD: Was macht einen guten TT-Fahrer aus?
Amelang: Also, das Wichtigste ist Streckenkenntnis (lacht). Jede Runde ist wichtig. Der Rest ist eine eigentümliche Mischung aus Unerschrockenheit, Selbstdisziplin und absoluter Präzision. Man darf hier eben nicht ein einziges Mal überspannen, trotz allen Drucks. Sarkastisch ausgedrückt: Wenn die Fahrer überleben, werden sie jedes Jahr besser.

MOTORRAD: Sind dann alle, die hier starten, verrückt?
Amelang: Nein, keineswegs. Eine Herausforderung bestehen – das ist ein ganz großer Moment für einen Menschen. Warum sollte sonst irgendjemand auf den Mount Everest klettern? Sie wissen doch: No risk, no fun. Dazu kommt, dass die TT-Gewinner in die Hall of Fame einziehen.
In den Siebzigern wog ein TT-Sieg mehr als eine Weltmeisterschaft.

MOTORRAD: Und die Zuschauer? Ist es Sensationslust, die sie auf die Insel treibt?
Amelang: Nein, ganz bestimmt nicht. Die Gefahr ist hier doch ganz irreal. Stürze erleben sie nur mit, wenn sie gerade direkt an der Stelle stehen. Sonst hören sie es abends bestenfalls in den Meldungen.

MOTORRAD: Nun, was ist es, was die Leute hertreibt?
Amelang: Natürlich die Rennen, die Atmosphäre, unter Seinesgleichen sein. Aber die Leute machen hier auch Urlaub. Man ist ganz weit weg von zu Hause – allein wegen der Fährfahrten, zwei mal über See. Es gab mal Überlegungen, die Menschen und Motorräder einzufliegen. Wurde nichts – mangelnde Nachfrage.

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