Marken, berühmte, im Rennsport Teil 3: Suzuki (Archivversion)

Der große Preis von Schweden 1961 sollte MZ-Teamchef Walter Kaaden noch lange in Erinnerung bleiben. Als Ernst Degner, sein WM-Spitzenreiter der 125er Klasse, am Montag morgen nicht zum Frühstück erschien, dämmerte es ihm. Am Abend nach dem Rennen hatte Suzuki als Ablenkungsmanöver einen fröhlichen Umtrunk mit der MZ-Mannschaft aus der damaligen DDR organisiert. Degner war während dessen, den Suzuki-Vertrag in der Tasche, längst auf dem Weg nach West-Deutschland. Er wußte, daß seiner Frau mit den sechs und 18 Monaten alten Söhnen am Tag zuvor die Flucht aus der DDR gelungen war. Einen angeblichen Motorschaden im Rennen nutzte Degner, um sich unbemerkt auf den Weg nach West-Deutschland zu machen. Zum Sachsenring reiste Degner fortan natürlich nicht mehr, und zum GP ins damals kommunistenfreundliche Finnland fuhr er mit zwei bewaffneten Leibwächtern. Seinen fast sicheren 125er WM-Titel freilich mußte er 1961 der Freiheit opfern. Bei Suzuki in Japan wurde er mit offenen Armen erwartet. Hätte Ernst Degner nicht den ersten Rennern zum Erfolg verholfen, die Vitrine mit den Pokalen im Foyer der Suzuki-Hauptverwaltung wäre deutlich kleiner ausgefallen.

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