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Held der Arbeit: Christian Furrer fuhr das 3-Stunden-GEC-Rennen in Oschersleben solo, 98 lange Runden spulte der Schweizer alleine ab.

Triumph-Cup und -Challenge 2014 Nix geht über Drillinge

Des Deutschen liebster Hobbyracing-Antrieb? Dreizylinder von Triumph. Über 70 Teilnehmer rockten in der Saison 2014 die T-Challenge und den T-Cup.

Das gab es in der inzwischen seit 2008 andauernden Erfolgsgeschichte der Triumph-Hobbyrennserien noch nie: Über 70 Starter trafen sich im Hockenheimer Motodrom. All time high. Virales Marketing via daytona-675.de und dem t5-net.de sowie die tatkräftige, nimmermüde Werbung von Challenge-Mit­initiator Thomas Rothmund zeigten Wirkung. Inklusive Gaststarter nahmen 46 (!) T-Challenger die Herausforderung Hockenheim an.

Wer hätte das vor sagen wir einmal zehn Jahren ­gedacht, dass Triumph mal so eine sportliche Dominanz entwickeln würde? Wahrscheinlich der Triumph-Cup-Mann der ersten Stunde Uli Bonsels, im Hauptberuf bei Triumph für Presse und Technik zuständig, der schon 2004 geahnt haben muss, welcher große Wurf seinem Arbeitgeber mit der 2005 präsentierten Daytona 675 und ihrer kleinen Schwester, der Street Triple gelingen würde, die 2007 folgte.

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Alle sportlichen Triumph sind startberechtigt

Wie erfolgreich diese beiden Baureihen sind, das zeigt vor allem die T-Challenge eindrucksvoll. Startberechtigt sind alle sportlichen Triumph, ­dominiert wird die Serie von Daytona 675, wobei auch ganz alte und liebevoll gepflegte Schätzchen aus dem ersten Modelljahr 2006 noch Chancen aufs Podium haben. Thomas Rothmund belegte das im zweiten Lauf mit einem zweiten Platz sehr eindrucksvoll mit seiner in Ehren ergrauten 675. Wenig überraschend, dass Franky Heidger, erfolgreichster T-Cup-Starter der Neuzeit, für 2014 eine neue Herausforderung in just dieser T-Challenge suchte. Leistungsmäßig ist er mit seiner nahezu serienmäßigen Cup-Street Triple ­natürlich etwas unterlegen. Was Heidger, gestählt in über 25 Jahren Profirennsport, mit Fahrkönnen kompensiert und sich überraschend die Poleposition sicherte. Rang zwei im ersten Lauf war eine Demonstration von Fahrkunst; 1.53er-Rundenzeiten mit einem 105-PS-Motorrad auf dem Highspeed-Kurs in Hockenheim sind für normale Hobbyfahrer gleichbedeutend mit dem Reich der Fabeln. Schade für Heidger, dass er im zweiten Lauf von einem Kollegen abgeräumt wurde, der sich beim Anbremsen dramatisch überschätzt hatte.

Franky war aber beileibe nicht der einzige Pechvogel. So ist das halt im Rennsport. Viele Fahrer mit einem beseelten Lächeln im Gesicht, einige eher betrübt, manche sogar zum Check ins Krankenhaus, glücklicherweise ohne größere Blessuren. Größter Pechvogel des Wochenendes: Max Riebe, der es nach gutem Training gerade mal in die Startaufstellung von T-Challenge-Rennen eins schaffte, selbige aber kurz vor dem Start mangels Vortrieb schiebend verlassen musste. Null Punkte für einen der Meisterschafts-Mitfavoriten waren ganz sicher nicht der Plan, vor allem, wenn Sportskamerad Michael Kunz souverän zwei Laufsiege und die volle Punktzahl herausfährt.

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Noderer mit einem Bei­nahe-Start-Ziel-Sieg

Dieses Kunststück war dem T-Cup-Kollegen Gabriel Noderer beim Saisonauftakt der Serie auf dem Sachsenring Ende Mai gelungen. Alle Vorzeichen deuteten auf eine Wiederholung dieses Coups hin, hätte das Hockenheimer Wetter nicht just vor dem ersten T-Cup-Lauf für Kapriolen gesorgt. Als Regenrennen ausgerufen, standen die Fahrer vor der kniffligen Wahl der richtigen Reifen. Regen oder Slick?

Kurz vor dem ersten Aufruf zum Rennen war die Piste weitgehend ­trocken, somit setzten viele Fahrer auf Slicks. Pünktlich nach der ersten Durchsage begann es zu tröpfeln. Hektische Betriebsamkeit in den Boxen. Jedenfalls bei Teilen des T-Cup. Umrüsten auf Regenreifen. Die Jungs schwitzten und bekamen teils just in time die Räder umgebaut. Einige montierten nicht. Weil sie Regen grundsätzlich ablehnen. Und nicht in einen zweiten Satz Felgen investiert haben. Cup-Urgestein Hajo Ammermann beispielsweise gehört dieser Fraktion an. Oder eben Titelfavorit Noderer. Der pokerte. Viele andere mit ihm. Und verzockten sich grandios. Ein für T-Cup-Verhältnisse geradezu minimalistisches Startfeld ging auf die Reise und dezimierte sich durch Stürze noch weiter. Lohn der Angst für alle, die ins Ziel kamen: heißbegehrte Punkte. Und zum wiederholten Male eine eindrucksvolle Machtdemonstration von Ole Bartschat, dem Regengott des T-Cups. Der sich souverän den Laufsieg holte, gefolgt von zwei alten Windgesichtern, denen Regen ganz besonders zu liegen scheint: Uli Bonsels und Harald Kaufmann, beide Ü50, zeigten der jungen Garde mal eben, wie man im Nassen sicher und schnell Motorrad fährt. Bonsels wünschte sich denn auch für den Rest der Saison vor allem eines: Regen. Eher unwahrscheinlich, dieser Wunsch.

Der zweite Lauf des T-Cup bei optimalen, da trockenen Bedingungen, rückte das Kräfteverhältnis dann wieder zurecht. Noderer mit einem Bei­nahe-Start-Ziel-Sieg vor dem Eidgenossen Erich Peter, T-Cup-Sieger 2013, und Altstar Leo Neels, der nebenbei eindrucksvoll belegte, dass auch Street Triple-Modelle aus den Jahren 2008 bis 2010 noch für Podiumsplätze gut sein können. Ebenfalls Zeichen für die Ausgewogenheit im T-Cup.

IDM-Supersport für Holtz und Noderer?

Oschersleben 2014, die Halbzeit der Rennsaison, entpuppte sich für einige Triumph-Hobbyracer dann als gefühlte Wiederauferstehung, nachdem der Saisonstart alles andere als geplant verlaufen war. Tim Holtz ist so ein Beispiel. Der jüngste T-Cupper ever wurde nach bärenstarker Saisonvorbereitung schon als der kommende Meister gehandelt. Dann folgte ein Sturz infolge Technikdefekt im ersten Rennen am Sachsenring und die traurige Abreise vor dem zweiten Lauf, da der Fehlerteufel nicht zu finden war. Null Punkte für Holtz. Der harte Boden der Tat­sachen. In Hockenheim schien das Pech weiter an den Stiefeln des Blondschopfs zu kleben, da Holtz im ersten Lauf zur Slick-Fraktion gehört hatte. Das Aus noch vor dem Start. Lauf zwei entschädigte mit Rang vier.

Und nun also Tims Hausstrecke Oschersleben. Die Rennen fünf und sechs der Saison stehen an. In seinem Wohnzimmer. Die Erwartungen wieder hoch. Der Druck auch. Tim nimmt es cool. Holt sich die Poleposition – und zwei blitzsaubere, überlegene Lauf­siege, jeweils mit schnellster Renn­runde. Demonstration seines Talents. Die T-Cupper werden wohl nicht mehr lange Spaß an Tims Darbietungen ­haben. In der Form ruft die IDM-Supersport. Das gilt auch für den T-Cup-­Leader Gabriel Noderer, der Holtz in Oschersleben nicht Paroli bieten konnte. Er habe keinen Druck, kenne die ­anspruchsvolle Strecke noch nicht so gut und freue sich über die Punkte für die Meisterschaft, bilanzierte der Youngster sein Rennwochenende.

Niveau in Triumph-Serien ist mehr als beachtlich

Das Niveau in beiden Triumph-Serien ist inzwischen mehr als beachtlich. Auch über Platz zehn freuen sich T-Cupper wie Bolle. Marcus Walz war im zweiten Lauf so ein Beispiel. „Endlich wieder Top Ten“, jubelte der haupt­berufliche Custombike-Bauer, dessen Saison bislang auch von Höhen und Tiefen geprägt war, beinahe schon überschwänglich bei der Sieger­ehrung. Das darf er auch, schließlich braucht es dafür konstante 1.37er-Zeiten. Die gibt es nicht geschenkt. Im T-Cup blieben in Oschersleben bis zu 15 Fahrer unter der für Hobbyracer magischen 1.40er-Marke. Mit einem rund 100 PS starken Dreizylinder, wohlgemerkt. Das spricht für hoch motivierte Fahrer, für optimale Reifen (Bridge­stone Slick V01) und fantastische Fahrwerkspartner (Öhlins DTC und Lars Sänger von Motorradkte). Nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang, die Profi-Coaches: In Oschersleben war Arne Tode zwei Tage lang im Dauereinsatz, um T-Cuppern und T-Challengern zu besseren Rundenzeiten zu verhelfen inklusive ausführlichem Streckenrundgang am Freitagabend.

Die Triumph-Crew ließ es sich dann am Samstagnachmittag trotz der Bruthitze nicht nehmen, das Gelernte in der Praxis beim 3-Stunden-Lauf des German Endurance Cups zu festigen und für Top-Resultate zu sorgen (T-Challenger Franky Heidger mit den T-Cuppern Tim Holtz und Hajo Ammermann mit ­einem Podestplatz, beispielsweise). Und natürlich hatten die Rennsport­götter auch für die Sprintrennen der T-Challenge wieder so einiges an Schicksalhaftem parat. Max Riebe folgte das Pech aus Hockenheim zielstrebig bis in die Magdeburger Börde, nachdem zunächst mit einer fein rausge­fahrenen Poleposition alles nach einem Durchmarsch ausschaute. Doch schon in der dritten Runde des ersten Rennens rutschte Riebe auf dem eigenen Kühlwasser ins Aus. Die Kopfdichtung hatte sich verabschiedet. Zum zweiten Lauf konnte er gar nicht mehr antreten.

Besser ging es im Vergleich Michael Kunz, der 25 Punkte einheimste, da Doppellaufsieger Dirk Schnieders als Gaststarter ohne Punkte blieb und Uwe Geist, der nach einem Hockenheim-­Wochenende zum Vergessen endlich mit dem dritten Platz belohnt wurde. In Lauf zwei ließ „Man of the Weekend“ Uwe Geist dann überhaupt nichts anbrennen und holte sich souverän den größten Pokal gefolgt von Matthias Neukirch und Thomas Rothmund. ­Dahinter kam sensationell Tom Dick ins Ziel, der genau wie viele andere schnelle Old Guns in der T-Challenge noch überhaupt keine Lust auf Sonntagsspaziergänge nebst Kaffeekränzchen hat und seine Zeit lieber mit anderen Gleichgesinnten auf den Rennstrecken verbringt. 2015 möchte Dirk Schnieders die entspannte und kameradschaftliche Stimmung im Triumph-Cup übrigens regelmäßig genießen. Die T-Challenge darf sich auf einen fairen und schnellen Teilnehmer freuen.

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