Matze – 365 Tage auf dem Bike (Archivversion)

Matze – 365 Tage auf dem Bike

Die Harley von Matze sieht nicht frisch geputzt und poliert aus. Wie auch? Er fährt das ganze Jahr mit der Kiste. Und wenn er nicht draufsitzt, dann schraubt er. Weil die Lkw-Lenkerin in ihrem Monster seinen Eisenhaufen übersehen und ihn einfach umgeparkt hat. »Ich dachte schon, jetzt muss ich mit dem Bürgerkäfig auf die Piste.« Für den in der Automobilbranche Tätigen undenkbar. Schließlich muss er sich den ganzen Tag mit den Blechdingern beschäftigen. Das Naheliegende ist ihm ohnehin fremd: »Thermoboy«, sagt er, »ja, soll es geben, habe ich davon gehört.« Bekleidet mit Lederhose - »Meine zweite Haut« - und einem dicken Wollhemd unter der Allwetterjacke legt der Schwabe die 28 Kilometer zu seinem Brötchengeber zurück. Winter – egal. Wenn für die Strecke bei Neuschnee mal zwei Stunden benötigt werden, ist ihm das wurscht. »Es ist meine Spur im Neuschnee, an der sich die Autofahrer orientieren können.« Dass die Kollegen ihn nach anfänglichen Belächeln mittlerweile als harten Hund bezeichnen, interessiert ihn nicht. »Zu beweisen gab und gibt es nichts.« Wichtig ist jetzt nach der Lkw-Begegnung, dass er das abgerissene Schutzblech erneuert. Der Laster war einfach zu stark, der Winter ist es noch nicht.
Anzeige

Winterfreuden der Motorradfahrer: Reportage (Archivversion) - Siggi – geht nicht, gibt’s nicht

Die Tage mit Siggis Ducati Monster sind vorbei. »Im Frühjahr 2001 habe ich sie verkauft, ich wollte ein individuelles Motorrad.« Eine Harley, Eigenbau, sollte es sein. Um sich ein Bild von ihrer zukünftigen Traummaschine zu machen, visitierte sie eifrig Treffen und studierte emsig Zeitschriften und Kataloge. Fred, der Fachmann an ihrer Seite, zündet sich bereits die dritte Diskussions-Zigarette an. »Sie weiß, was sie will«, sagt er und schlägt den Katalog noch mal auf. »Ja«, ertönt ihr Freudenschrei, »genau dieses Rücklicht soll es sein.« Der 200er-Hinterreifen steht noch etwas orientierungslos neben dem Rahmen in der Werkstatt. »Das geht schon«, machen sich die beiden gegenseitig Mut. Fred freut sich, dass Siggi ihren Vorstellungen näher kommt. Über die Springergabel wird nicht mehr diskutiert, sie bleibt. Die Farbe steht noch nicht fest, Farbkataloge werden studiert. »Nicht zu auffallend«, ist Siggis Wunsch. Ein dunkles Grau könnte es werden, doch bis zur endgültigen Entscheidung, schwant Fred, »wird das noch die eine oder andere Zigarette dauern«. Egal, Siggi weiß, was sie möchte, und Fred wird es schon richten.

Andi und Armin – lieben Spaniens Wärme (Archivversion)

Januar, Vaihingen an der Enz, fünf Grad, Nieselregen. »Egal, in neun Stunden sind wir in Spanien unten.« Andi und Armin sind keine Tagträumer. »Wir wollten einen Motorrad-Standort im Süden, am liebsten irgendwo in Spanien, in der Nähe von Barcelona.« Klingt einfach, ist es auch. Immobilien angeschaut, Finca gekauft und finanziert. »Jetzt sind wir Häuslesbesitzer in Spanien.« Zum Trainieren im Gelände oder einfach mal Urlaub machen. Zuerst musste die Bude renoviert werden. Mittlerweile ziert ein offener Kamin den Wohnraum, der Pool lädt zum Planschen ein. »Jetzt können wir anreisen, die Mopeds ausladen und losfahren.« Andi, der bei Enduro-Wettbewerben mitmacht, gast über Schotterpisten und Waldpfade, fährt stundenlang Richtung Andorra. Am Abend tanzt er noch mit seiner Beta 250 REV 3 hinter dem Haus herum. »Ohne Karte solltest du dich nicht in den Pyrenäen rumtreiben.« Armin hat es schon erlebt – schieben, bis zum nächsten Dorf. »Die Leute hier sind so hilfsbereit, war dann überhaupt kein Problem, in einem Lebensmittelladen ein wenig Benzin zu bekommen.« Nach der Schieberei, bei einem Glas Rotwein am Pool, wird mit den Freunden die Route für den nächsten Tag besprochen.»Wie wäre es mit dem Dali-Museum in Figueras?« Januar, Spanien, fünfzehn Grad und Endurofahren, »so habe ich es mir vorgestellt«, kommentiert Andi.

Winterfreuden der Motorradfahrer: Reportage (Archivversion) - Michael – im Dienst der schnellen Lieferung

Eilige Musterdrucksachen, Videos, Datenträger jeglicher Art, Röntgenbilder – der Motorradkurier bringt alles an seinen Bestimmungsort. Michael jobbte jahrelang in der Logistikabteilung einer Spedition. »Ich wollte etwas anderes machen, aber im Transportwesen bleiben.« Seit drei Jahren arbeitet der xy-Jährige als Motorradkurier in Stuttgart und Umgebung. 200 Kilometer am Tag, fünfmal die Woche. Wetter egal, die Kunden interessiert schließlich nicht, ob es regnet oder schneit, nur schnell muss es gehen. »Die gebrauchte Yamaha XJ 650 ist meine dritte.« Michael ist zufrieden mit seinem Motorrad, auch wenn Heizgriffe fehlen. Für Aufwärmen bleibt im Terminkalender kein Platz. »Vielleicht mal kurz im warmen Foyer warten.« Der gelernte Kaufmann ((?)) hat trotzdem Spaß an seinem Job. »Auf dem Kopfsteinpflaster und den Straßenbahnschienen musst du verdammt vorsichtig fahren, sonst wird das nix mit der pünktlichen Lieferung.« Hat bei Michael bislang gut funktioniert. Konfliktsituationen mit Autofahrern kennt er nicht. »Die schauen eher mitleidig drein und machen Platz.« Anstrengend ist der Stadtverkehr trotzdem. »Eine Überlandfahrt wird dann selbst im Winter zur Erholung.“

Winterfreuden der Motorradfahrer: Reportage (Archivversion) - Tommy – Ab zur Winterfahrt

Tommy liebt verschneite Landschaften, nicht nur zum Skifahren. Wenn die Schwarzwaldrallye ansteht, packt es ihn. »Orientierungsfahrt, Strecke: 450 Kilometer, 300 davon auf geschlossener Schneedecke.« Lauter liebe und nette Verrückte mit einer humanen Portion Sportsgeist. »Gewonnen hast du, wenn du gesund ankommst.« Platzierungen sind bei dieser Rallye egal. Die Winterlandschaft genießen, das ist es. Gern erklärt er dem kleinen Bub an der Tankstelle, weshalb unter dem Helm ein transparenter Schlauch hervor schaut. »So beschlägt das Visier nicht beim Ausatmen.« Tommy kennt sich aus. Kumpel Georg macht sich vor dem Postauto lang. »Schnell warst du ja nicht, aber die Eisplatte hätte sich ja auch mal melden können.« Beide lachen und pflügen weiter durch dreißig Zentimeter Neuschnee. »Der ist okay zum Fahren, eine festgefahrene Schneedecke ist extrem rutschig.« Am Ziel wartet die warme Sporthalle. Jeder der 100 Teilnehmer bekommt einen Pokal. Tommy lächelt zufrieden. »Egal, wie kalt es ist, die Sache und die Leute sind es jedes mal wert, dabei zu sein.“

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote