Max Biaggi im Formel 1-Ferrari (Archivversion) Königsklasse

Er gehört zu den Top-Favoriten der 500er Motorrad-Grand Prix und hat offenbar auch Talent für die Formel 1: Max Biaggi testete mit Erfolg Schumis letztjährigen Ferrari-Renner.

Die italienischen Medien waren mal wieder völlig aus dem Häuschen. Max Biaggi hatte den Gazetten und TV-Stationen schon in der motorsportlichen Winterpause prima Stoff für Schlagzeilen und tolle Bilder geboten. Das Ereignis war in der Tat etwas Besonderes: Der mehrfache Motorrad-Weltmeister durfte Mitte Januar auf der Ferrari-Teststrecke in Fiorano den Formel 1-Renner von Michael Schumacher fahren. Und in seiner schnellsten Runde blieb der Römer nur fünf Sekunden über Schumis Rekordmarke. Schon witterte die Presse südlich der Alpen in Biaggi einen zweiten John Surtees. Der Brite ist bekanntlich der einzige Motorrad-Champion, der auch in der Formel 1 Weltmeister wurde - 1964 mit Ferrari. Doch Biaggis Auftritt in Fiorano war (noch) nicht als Aufgalopp zu einer neuen Karriere gedacht. Die Ursache des Ganzen: Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hatte sich im vergangenen Jahr so sehr über Biaggis sensationellen 500er Sieg in Suzuka gefreut, daß er ihm eine Probefahrt im F 300 versprach.Obwohl Biaggi bei dem Termin nichts beweisen mußte, war er schon tags zuvor recht aufgeregt: »Als ich ins Bett ging, kam ich mir vor wie am Vorabend des letzten Rennens 1997 in Australien, als es gegen Ralf Waldmann um die 250er WM ging.« Schumi hatte Biaggi vorher am Telefon noch ein paar Tips übermittelt, und Ferrari-Testpilot Luca Bodoer zeigte ihm im Pkw die Strecke. Dann wurde es ernst. Nach einer kleinen Unsicherheit am Start und einigen langsamen Einführungsrunden fuhr Biaggi von Runde zu Runde schneller - sehr zur Begeisterung der versammelten Ferrari-Truppe.Sein erster Kommentar: »Es ist wirklich nicht leicht. Du sitzt im Cockpit, die Gurte schnüren dich so ein, daß dir fast die Luft wegbleibt, und das Blickfeld ist total eingeschränkt.« Am meisten zeigte sich der Motorrad-Star von der enormen Beschleunigung und den brachialen Bremsen des Formel 1-Renners beeindruckt. »Am Anfang«, erzählte Biaggi von den Unterschieden zwischen Rennwagen und Rennmotorrad, »habe ich nach Gehör geschaltet, und zwar bei 13 000 Touren wie bei der 500er. Dabei darfst du den Ferrari-Zehnzylinder bis 18 000 hochjubeln, einfach unglaublich. Sicherer fühle ich mich allerdings auf dem Motorrad. Wenn etwas passiert, kann man die Maschine wegdrücken. Beim Formel 1-Auto habe ich das Gefühl, daß man im Falle eines Falles nur dasitzt und wartet.«Darauf ließ es Max Biaggi natürlich nicht ankommen, denn Luca di Montezemolo hat ihm bereits einen weiteren Test versprochen. Und der Römer macht keinen Hehl daraus, daß er ernsthaft mit dem Gedanken spielt, nach der Motorradkarriere auf vier Räder umzusteigen. Doch zunächst hat noch die 500er WM Vorrang, und auch da gibt es für den amtierenden Vize-Weltmeister eine neue Herausforderung: der Wechsel von Honda zu Yamaha. Ende Januar begann für ihn die neue Saison mit Testfahrten im australischen Phillip Island.Dort fuhr Max Biaggi seinem Erzrivalen Mick Doohan zunächst klar hinterher. Doch im Endspurt legte der Yamaha-Neuling kräftig zu und war schließlich nur um eine Zehntelsekunde langsamer als Doohan auf der Repsol-Honda. Trotzdem blieb Biaggi Realist: »Die Honda ist beim Topspeed schneller als die Yamaha. Außerdem kann Doohan mit seiner riesigen Erfahrung über alle Limits seines Motorrads gehen, ohne in Sturzgefahr zu kommen. Mein Teamkollege Carlos Checa und ich müssen uns an diese Limits erst herantasten, bevor wir unsere Yamaha auf ähnliche Weise ausquetschen können.« In Sachen Formel 1 hat der Italiener aber klar die Nase vorn. Während sich Doohan letztes Jahr bei einem PR-Termin im Williams schon nach vier Kurven drehte, spulte Biaggi in Fiorano ohne Probleme 57 Runden ab.

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