Metzinger, Peter: Interview (Archivversion) Interview

Peter Metzinger, Präsident der
IG Motorrad in der Schweiz,
über »Vision Zero« und den Erfolg.

Was heißt »Vision Zero«, und wie beurteilen Sie den Maßnahmenkatalog?
Vision Zero bedeutet die Vision von null Ver-
kehrstoten. In der Schweiz wurde die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) damit beauftragt, ein Maßnahmenpaket auszuarbeiten, das dazu beitragen soll, dieser Vision so nahe wie möglich zu kommen. Als dieses Paket im August 2002 bekannt wurde, enthielt es viele teils unsinniger Vorschläge, zum Beispiel Drosselung für Motorräder auf 80 km/h, aber auch solche, die einem Überwachungsstaat Vorschub geleistet hätten wie digitale Fahrtenschreiber für alle Kfz und ferngesteuerter Zugriff auf die Fahrdynamik.
Tempo 80 für Motorräder ist – zumindest vorläufig – vom Tisch. Wem ist der Erfolg zu verdanken?
Am 19. Januar hieß es, praktisch alle Maß-
nahmen, die wir bekämpften, seien gestrichen und andere, die wir forderten, seien in den neuen Katalog aufgenommen. Dieser großartige Erfolg ist sicher den 35000 Motorradfahrer/innen zu verdanken, die am
17. Mai 2003 in Bern demonstrierten, jedoch auch all denen, die durch ihr großes ehrenamtliches Engagement dazu beigetragen haben, die Motorradfahrer zu organisieren, politischen Druck aufzubauen und ihn aufrecht zu erhalten.
In Deutschland scheinen die Motorradfahrerverbände nicht ganz so schlagkräftig wie ihr Schweizer Pendant. Woran liegt das?
Es gibt auch in Deutschland Verbände, die großartige Arbeit leisten, allen voran Biker Union, BVDM und Kuhle Wampe. Die Situation ist allerdings nicht ganz vergleichbar. In der Schweiz ist es viel leichter, zentral zu demonstrieren, weil das Land viel kleiner ist. Aus dem gleichen Grund ist es auch leichter, auf die Politik Einfluss zu nehmen. Man kennt sich eher oder findet einfacher den Zugang. Und Tempo 80 hat die Gemüter dermaßen erhitzt, dass es einfach war, so viele Leute zu mobilisieren.

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