Mitschuld? (Archivversion)

Ein Kumpel von mir wurde mit seinem Motorrad von einem Autofahrer umgesemmelt. Ergebnis: Auto und Motorrad Totalschaden und er drei Monate arbeitsunfähig. Jetzt macht die gegnerische Versicherung Zicken und will nicht zahlen, weil er eine Racing-Auspuffanlage montiert hatte. Was hat die denn bitte mit dem Unfallhergang zu tun?
Ralph Andreß, Rechtsanwalt, www.kanzleihga.de
Neben dem Schaden am Motorrad, dem Schmerzensgeldanspruch und Anspruch auf Ausgleich des
Verdienstausfalls des Geschädigten kommt ein ganz erheblicher Posten hinzu, der oft übersehen wird:
die Kosten der Heilbehandlung. Die Krankenkasse nimmt nämlich bei der Haftpflichtversicherung des Schädigers Regress. Nach ein paar Wochen Krankenhaus und Reha
kommen ganz immense Summen zusammen. Da lohnt es sich für die Versicherung schon, zunächst einmal zu blocken, sei es auch mit schwachen Argumenten. Je länger der Unfall zurückliegt, umso eher ist der Geschädigte bereit, auf einen Teil seiner Ansprüche zu verzichten, um die Sache endlich zu beenden. Wird dann nur eine Quote
bezahlt, versucht die Versicherung, diese Quote auch bei der Kranken-
kasse durchzusetzen. Die Haftung und gegebenenfalls die Verteilung richtet sich im Wesentlichen nach § 7 StVG. Danach haftet grundsätzlich der Halter eines Kraftfahrzeugs für Schäden, die »beim Betrieb« verursacht werden. Hat der Motorradfahrer bei der Ent-
stehung des Unfalls in irgendeiner Art und Weise »mitgewirkt«, so muss er sich ein Mitverschulden anrechnen lassen. Die
Racing-Anlage spielt aber, was den direkten Unfallhergang anbelangt, keine Rolle. Davon unabhängig mein Rat:
Beauftragen Sie einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens.

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