Moto Cross-Inter-DM in Berlin-Schenkenhorst (Archivversion)

Hals- und Beinbruch

Man sollte Profi-Crosser Jochen Jasinski in Zukunft nur viel Glück wünschen. Auf Hals- und Beinbruch reagiert der Hesse allergisch – zumindest nach seinem verpassten Inter-DM-Titel.

Es hätte der Tag der ganz großen Party werden können. Der Tag, auf den Jochen Jasinski zwölf Jahre gewartet hatte. Der Tag, von dem selbst profunde Kenner der Moto Cross-Szene denken, dass es ihn eigentlich längst gegeben hätte. Doch obwohl Jochen seit einer kleinen Ewigkeit zu Deutschlands allerbesten Off Road-Piloten zählt, fehlt dem 29-Jährigen aus dem hessischen Hadamar in seiner erfolgreichen Karriere ausgerechnet das Tüpfelchen auf dem i: ein DM-Titel. Wie oft er sich als Zweiter hatte abspeisen lassen müssen, weiß er nicht mal selbst.Doch kurz vor dem neuen Jahrtausend schien´s für den Moto Cross-Profi endlich rund zu laufen. Ausgerechnet in Deutschlands Vorzeige-Championat, der klassenübergreifenden internationalen Meisterschaft, hatte es geschnackelt. Stolze sieben Laufsiege stellten die Weichen auf Titelkurs – bis zum vorletzten Inter-DM-Lauf in Lugau bei Leipzig. Ein schlimmer Überschlag, ein gebrochener Dornfortsatz am Halswirbel, und wieder schien alles zunichte.Doch gerade mal acht Tage später sitzt Jochen in seinem Wohnmobil beim Inter-DM-Finale im Fahrerlager von Schenkenhorst, knapp 20 Kilometer vom Stadtrand Berlins entfernt. Er will’s versuchen. Trotz allem. Das zusätzliche Risiko ist überschaubar. Die Verletzung hat den Wirbelkörper nicht geschwächt. Stattdessen zeigt das seit 1987 brillierende Parade-Cross-Championat in diesem Jahr eine Formschwäche. Titelverteidiger Gert-Jan van Doorn lässt die Karriere in der WM bei der italienischen Edel-Schmiede VOR ausklingen, Vize Shayne King bekam von Arbeitgeber KTM vor seinem Wechsel in die US-Cross-Szene Urlaub genehmigt. Bernd Eckenbach hat die Schnauze vom Dauerstreit mit Husqvarna voll. Collin Dugmore verletzte sich in Lugau am Fuß, Andi Kanstinger hinkt nach mehreren Blessuren immer noch seiner Form hinterher, und Pit Beirer ließ sich ohnehin nur zwei Mal in der DM blicken. Lediglich Titelkonkurrent Chris Burnham – wie Jasinski im Team des Moto Cross-begeisterten Honda-Händlers Burkhard Sarholz unter Vertrag – ist in Hochform. Den 250er- und 500er-DM-Titel 1999 hat er schon. Sowie neun Punkte Vorsprung auf Jasinski. Und auf der herrlich angelegten Schenkenhorster Piste kennt Burnham kein Pardon mit seinem bedauernswerten Kollegen. Zwei Siege des Engländers und der angesichts seiner persönlichen Umstände bravourös auf den Plätzen drei und fünf kämpfende Jasinski muss DM-Titel Nummer eins wieder ein Jahr verschieben. Sein Trost: Wie bereits van Doorn hat nun auch Burnham einen gut dotierten Vertrag bei VOR für die nächste Saison unterschrieben. Auf die Preisgelder der Inter-DM wird er künftig verzichten können.
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Moto Cross-Inter-DM Berlin-Schenkenhorst (Archivversion)

1. Chris Burnham (GB) Honda 222 Punkte, 2. Jochen Jasinski Honda 186, 3. Marcel van Drunen (NL) Yamaha 180, 4. Avo Leok (EST) KTM 150, 5. Jussi Vehvilainen (SF) Honda 141, 6. Michal Kadlecek Suzuki 110, 7. Collin Dugmore Suzuki 107, 8. Danny Theybers (B) Husaberg 102, 9. Pit Beirer Kawasaki 97, 10. Bernd Eckenbach Husqvarna 94.

Der neue Meister - Chris Burnham (Archivversion)

Wenn Chris Burnham mal wieder ganz oben auf dem Siegerpodest steht, gerät der Mann am CD-Spieler der Strecken-Beschallung ins Schwitzen. Welche Hymne? Meist wird die Britische aufgelegt. Denn dort – genauer in Brighton - wurde Chris vor 26 Jahren geboren. Seine Mutter Finnin, sein Vater Brite – und weltweit in der Baubranche tätig. Zwölf Monate später erhält Daddy Phil einen Großauftrag in Südafrika. Die Familie wandert aus. Für sechs Jahre. Danach will Mama nicht mehr nach England, Papa aber nicht nach Finnland. Man einigt sich auf Schweden als Kompromiss. Söhnchen Chris fährt schon längst Motorrad. Mit zehn Jahren wird die schwedische Youngster-Cross-Szene aufgemischt, mit 16 gibt´s den ersten 125er-Junioren-Titel. Doch Skandinavien taugt nicht als Basis für internationale Off Road-Ambitionen. Mit 18 zieht Chris nach Belgien. Magere Zeiten folgen. Zwei Jahre 125er-WM ohne Punkte, dann der Umstieg in die 500er-WM. Gesamtrang 19 im ersten Anlauf, die nächste Saison durch eine Handverletzung verpfuscht, dann Rang 16 – und fast das Aus. Ohne Geld, Sponsor und Mechaniker rettet ihn ein letzter Kraftakt beim WM-Finale in Holzgerlingen 1997. Nach Position acht im ersten Lauf wird das Sarholz-Team auf ihn aufmerksam. Der Rest ist jüngere Geschichte. 250er DM-Titel 1998 und dieses Jahr der Rundumschlag: Gesamtsieg in der 250er-DM, der 500er-DM und der Inter-DM.

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