Moto Cross-Inter-DM in Schenkenhorst (Archivversion)

Ein Doorn im Auge

Gert-Jan van Doorn machte den deutschen Top-Crossern einen Strich durch die Rechnung - und holte den Inter-DM-Titel 1997.

Es war zu einer Zeit, in der es hierzulande noch viele, viele Moto Cross-Fahrer gab. Und die hatten alle nur ein Ziel: Weltmeister zu werden - oder wenigstens deutscher Meister. Und es fast genauso viele Veranstalter, denen allen auch nur ein Ziel vor Augen schwebte: einen Weltmeisterschaftslauf zu inszenieren - oder wenigstens einen deutsches Championat. Und weil alle Klassen so voll waren und Piloten samt Organisatoren so ehrgeizig, mußte etwas her, was zumindest in Deutschland alles in den Schatten stellte: quasi eine Champions-League der Stollenzunft. Vor zehn Jahren war´s soweit. Die internationale deutsche Meisterschaft war geboren. Klassenübergreifend, hubraumoffen und für ausländische Gastfahrer geöffnet.Doch wer auch kommen sollte, gegen die schwarz-rot-goldenen Löwen war in ihrer eigenen Höhle kein Kraut gewachsen. Roland Diepold, Pit Beirer, Bernd Eckenbach oder Dietmar Lacher ließen sich letztlich nie die Butter vom hart erarbeiteten Brot nehmen. Es bedurfte zehn Jahre und eines Weltmeisters, um die heimische Crosser-Gilde an die Grundregeln der Gastfreundschaft zu erinnern: Der kurz zuvor zum Halbliter-Champion gekrönte Neuseeländer Shayne King holte als erster Ausländer 1996 die höchste hiesige Crosser-Auszeichnung. Doch was an der Spitze der kurz Inter-DM genannten Vorzeige-Serie zweifellos Prestige verlieh, entwickelte sich weiter hinten im Feld zum Waterloo der deutschen Off Roadler. Rechnet man den gebürtigen Südafrikaner Collin Dugmore, der den größten Teil seiner Karriere hierzulande verbrachte, noch wohlwollend in die Statistik mit ein, konnten sich in der letzten Saison gerade mal vier Einheimische unter den Top-ten der Ober-Liga behaupten - und 1997 sollte die Quote nicht besser ausfallen.Im Gegenteil. Denn den aktuellen Erfolgs-Vierspänner steuerten nach anhaltenden Verletzungsfolgen von Andy Kanstinger sowie Didi Lacher nur noch Collin Dugmore und Bernd Eckenbach zum Inter-DM-Finale nach Schenkenhorst bei Berlin. Wobei sich gerade diese beiden Steuermänner am allerwenigsten über den Vorsitz auf dem innerdeutschen Kutschbock einig waren. Nachdem der Niederländer Gert-Jan van Doorn schon beim vorletzten Inter-DM-Lauf in Höchstädt im Fichtelgebirge den Meistertitel eingesackt hatte, lockte im märkischen Sand zwar nur noch die Prinzregentschaft, auf die neben den beiden einheimischen Streitern aber unglücklicherweise auch noch Ex-Meister Shayne King ein Auge geworfen hatte.Und so kam es, wie es kommen mußte. Der hochmotivierte Honda-Pilot Dugmore, der sich in dieser Saison bereits mit Leichtigkeit die 125er und 250er DM unter den Nagel gerissen hatte, legte sich gleich beim Start zum ersten Lauf flach. Doch selbst die sehenswerte Aufholjagd auf Rang sieben, der Sieg im zweiten Lauf und Platz zwei im dritten Heat reichten nicht, um den abgebrühten Giganten aus Neuseeland einzubremsen. Shayne King drosch seine Werks-KTM dreimal auf Rang drei und verhalf dem Kampf um die Vizemeisterschaft nur durch eigene Kreativität zu etwas Brisanz. Als wären drei mal 30 Minuten auf der ausgefahrenen Piste nicht kräftezehrend genug, ließ der völlig durchtrainierte Profi in der letzten Kurve seine Maschine absichtlich absterben, um sie, zum Entsetzen aller Fans und Helfer, die den sicheren Vizetitel schon dahinschwinden sahen, durchs Ziel zu schieben - nur um seine Maschine danach wieder anzutreten und an seiner kreidebleichen Helferschar ob seinem gelungenen Lausbuben-Streich spitzbübisch grinsend gen Fahrerlager zu entschwinden.Nicht zum Lachen war dagegen Bernd Eckenbach zumute. Der fleißige Profi vergeigte seine Chance auf den Vizetitel durch ein ungeschickt angegangenes Überholmanöver im zweiten Lauf. Der daraus resultierende Absitzer warf den Kawasaki-Mann so weit zurück, daß der Bedauernswerte - ohne Chance auf den Ehrenplatz - tief enttäuscht schon vor dem dritten Lauf das heimische Schwabenland ansteuerte.Wobei dem 26jährigen wenigstens ein freundlicher Abschied beschieden war. Denn neben der nahezu perfekten und piekfein hergerichteten Moto Cross-Anlage selbst präsentierte sich auch die Helfer-Crew des gastgebenden Clubs in bester Verfassung. Mit freundlichen Worten und wachen Sinnen demonstrierten die so gar nicht tugendlich-preußischen Organisatoren den Akteuren und der Rekordkulisse von knapp 10 000 Zuschauern, was Herr Eckenbach und Co. verständlicherweise nur gezwungenermaßen ihrer ausländischer Inter-DM-Konkurrenz gewährte - den Vortritt und die Gastfreundschaft.
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Moto Cross-Inter-DM-Finale Schenkenhorst (Archivversion)

Ergebnisse1. Lauf: Leon Giesbers (NL) KTM, 2. Gert-Jan van Doorn (NL) Honda, 3. Shayne King (NZ) KTM, 4. Bernd Eckenbach (Hildrizhausen) Kawasaki, 5. Marcel van Drunen (NL) Yamaha;2. Lauf: 1. Collin Dugmore (Schorndorf) Honda, 2. van Doorn, 3. King, 4. Giesbers, 5. van Drunen;3. Lauf: 1. van Doorn, 2. Dugmore, 3. King, 4. van Drunen, 5. James Marsh (GB) KTM;Inter-DM-Endstand: 1. Van Doorn 353 Punkte, 2. King 281, 3. Dugmore 271, 4. Eckenbach 247, 5. Marsh 194, 6. Didi Lacher (Britzingen) Honda 181, 7. Miska Aaltonen (SF) KTM 167, 8. Rupert Walkner (A) KTM 125, 9. Andy Kanstinger (Freiburg) Honda 114, 10. Mikkel Caprani (DK) Husqvarna 103.

Neuer Inter-Meister: Gert-Jan van Doorn (Archivversion) - Der fliegende Holländer

Mit 32 Jahren hat Gert-Jan van Doorn eigentlich schon alles erlebt, was ein erfolgreiches Crosser-Leben erfüllen kann. Aufgewachsen im niederländisch-belgischen Grenzgebiet um Eindhoven, quasi dem Epizentrum der Moto Cross-Welt, stand er bereits mit zehn Lenzen zum ersten Mal hinter dem Startgitter. Von da an ging´s zunächst nur bergauf. Gemeinsam mit den späteren Weltmeistern Dave Strijbos oder Pedro Tragter in dem von einem niederländischen Mäzen gegründeten Venko-Team hochgepäppelt, rappelte es in der Titelsammlung. Sieben niederländische Meisterschaften zählte der Holländer im Lauf der Zeit. Top-Resultate in der WM folgten auf dem Fuß. Mit zarten 21 Jahren donnerte der Profi 1985 - immer noch mit Unterstützung des Venko-Teams - auf Platz drei der 250er WM. Ein Jahr später wiederholte er diesen Erfolg. Der Wechsel ins Werksteam von Cagiva an der Seite des Weltmeisters Pekka Vehkonen folgte. Bessere Plätze gab´s zwar nicht, aber mehr Geld. Die zwei Häuser, die van Doorn heute besitzt, stammen im wesentlichen aus dem satten Salär der Italo-Zweiradschmiede.Dem damaligen Drang zum Erfolg entstammt auch van Doorns uncharmanter Kosename Rambo. »Ich wollte einfach immer gewinnen. Wer da hinderlich im Weg stand, mußte eben fallen«, grinst der mittlerweile befriedete Wildfang noch heute. Erst einige magere Jahre förderten den Sinn für das auf der Piste Machbare. Und erst der Umstieg in die Halbliter-Klasse brachte wieder Licht ins Dunkel. Gesamtsieg beim allerersten 500er Einsatz, dem Schweizer GP in Payerne 1994. Der Auftakt zu seiner Halbliter-Dauerkarriere. Die WM-Ränge vier, sechs, sechs und sieben zeugen von Konstanz. Allerdings nur auf der Piste. Von der Mutter seines vierjährigen Sohns Joey lebt der Dauerbrenner mittlerweile getrennt.Was länger anhält, ist die Verbindung zum Honda-Händler Sarholz. Wobei der überraschende, aber völlig verdiente Gesamtsieg in Deutschlands oberster Cross-Liga durchaus nicht der letzte sein könnte. Zumindest noch zwei Jahre möchte Gert-Jan weiter für den Off Road-begeisterten Westerwälder fahren. Gibt ja vielleicht doch noch was zu erleben.

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