Motocross: Damen-Motocross-WM Deutsche dominieren die Damen-Motocross-WM

An Erfolge deutscher Motocross-Helden haben sich die Fans inzwischen wieder gewöhnt. Der sicherste Tipp auf Podestplätze in schwarz-rot-gold bleiben im Off-Road-WM-Zirkus allerdings auch weiterhin die weiblichen Überfliegerinnen.

Foto: Archiv

Die zierliche, 20-jährige Larissa mit dem strahlendem Lächeln fühlt sich sichtlich wohl in den starken Armen des athletischen Crossers Victor. Ein wunderbar abgedroschenes Klischee. Doch tatsächlich ist alles ganz anders. Victor Picoto ist ein manierlicher Crosser in der ADAC-MX-Masters-Serie. Seine Freundin begnügt sich jedoch nicht damit, den auch wegen ihr in Deutschland lebenden Südafrikaner bei seinen Flugeinlagen zu bewundern und seinen Helm zu putzen.

Larissa Papenmeier treibt selbst eine Suzuki RMX 250 über die Motocross-Pisten, und das, gemessen am Erfolg, auf deutlich höherem Niveau als ihr Liebster. Die Westfälin, die höchstens Kleidergröße 34 trägt, war 2009 Vizeweltmeisterin im Damen-Motocross und gewann 2010 den deutschen sowie den italienischen Grand Prix, was neben anderen Spitzenresultaten auf WM-Rang drei führte. Und einer der Erfolgsgaranten ist tatsächlich Victor, "weil er mich von Anfang an auch als Motocrosserin ernst genommen hat und voll unterstützt".

Denn Frauen und Motocross, das sind - vor allem in Deutschland - längst nicht mehr zwei Welten, die aufeinander prallen. Im Gegenteil, neben Larissa gibt es auch noch die beiden KTM-Fahrerinnen Stephanie Laier und Maria Franke.

Und alle drei zusammen dominierten 2010 als Trio Infernal die Motocross-Weltmeisterschaft der Damen fast nach Belieben. Zu Larissas zwei Laufsiegen kam noch einer von Maria Franke sowie natürlich die sieben zum Teil sehr deutlichen Triumphe der Weltmeisterin Steffi Laier, die ihren Titel überlegen verteidigen konnte. Für den Rest der Cross-Weiblichkeit bleibt nicht mehr viel. Außer der französischen Vizeweltmeisterin Livia Lancelot und der WM-Vierten aus Italien, Chiara Fontanesi, kann keine mit den deutschen Ladykrachern mithalten.

Woher kommt es aber, dass da 40 Mädels eine halbe Stunde im Dreck herum fahren - und am Ende gewinnen die Deutschen? Genauer betrachtet ist das deutsche Fräulein-Wunder gar keins. Steffi Laier zum Beispiel, mit zwei WM-, jeweils einem Weltcup- und EM-Titel, vier deutschen und drei US-Meisterschaften unangefochtene Nummer eins in der Damen-MX-Welt, ist ein Produkt ihres stringenten Karriereaufbaus. Wie die anderen deutschen Spitzencrosserinnen auch ging sie zunächst durch die harte Schule der Nachwuchsrennen gegen die wilden Jungs. Und da muss sich ein Mädchen ganz schön lang machen, um körperliche Kraft-Defizite zu kompensieren.

"Natürlich macht es bis zum heutigen Tag riesigen Spaß, den Jungs den Auspuff zu zeigen", erzählen sich Steffi und Larissa in diebischer Freude. Denn beide kommen bei Gast-Auftritten bei nationalen Motocross-Events der Männer durchaus im Mittelfeld mit. Genau hier liegt ein Gutteil des Erfolgsgeheimnisses von Steffi Laier, die ihre 250er-Viertakt-Werks-KTM deutlich athletischer um die Pisten treibt als die Mehrheit ihrer Gegnerinnen. In den ersten zehn Saisons ihrer 20-jährigen Laufbahn - wir erinnern uns, Steffi Laier ist 25 Jahre alt - fuhr die gebürtige Heidelbergerin ausschließlich gegen jugendlichen Angreifer männlichen Geschlechts. Und dabei kam immerhin ein Jugend-Meistertitel und Rang 15 in der 125er-DM 2000 heraus.

Neben dem ständigen Abarbeiten am scheinbar übermächtigen Gegner des anderen Geschlechts findet Thomas Ramsbacher, Chef des werksunterstützten Suzuki-MX2-WM-Teams, in das auch Larissa Papenmeier integriert ist, noch eine ganz andere Begründung für die überlegene Vorstellung der deutschen Cross-Ladies. "Frauen-Leistungssport hat, eigentlich in allen Disziplinen, in Deutschland allgemein eine viel höhere Akzeptanz als in anderen Ländern", attestiert der frühere Ski-Rennläufer. "Davon profitieren die Mädels, weil ihre Leistung besser wahr genommen wird als anderswo."

Dies gilt leider nicht uneingeschränkt für den Welt-Motorradsportverband FIM. Ausgerechnet nach drei Jahren ständigen Wachstums wird die aufblühende Damen-MX-WM beschnitten. Boten die Ladies 2010 noch bei sieben Motocross-GP neben den Superhelden der MX1- und MX2-WM professionellen Sport und vor allem eine Supershow für die Fans, wird dies 2011 nur noch dreimal stattfinden. Die übrigen Damen-WM-Rennen werden in die wesentlich amateurhaftere MX3-WM abgeschoben und rutschen dadurch weit aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit.

Was sagen unsere neuen Heldinnen dazu? "Das ist Mist", wird Larissa Papenmeier erfrischend deutlich, wogegen die Weltmeisterin ihren Unmut etwas ausführlicher äußert. "Wir werden große Probleme haben, unsere Sponsoren und damit unsere Budgets sowie auch unseren Arbeits- und Trainingsaufwand und damit auf Sicht auch unser fahrerisches Niveau zu erhalten, weil die Rennen außerhalb der GP kaum wahrgenommen werden." Tatsächlich fährt Steffi Laier 2011 nicht mehr im offiziellen KTM-Werksteam, sondern nur noch "werksunterstützt" im Dipa-KTM-Team als Kollegin von Maria Franke. Larissa Papenmeier bleibt im deutschen-Suzuki-Team. Auch ihre Struktur wird aber reduziert.

Alles in allem ist die Degradierung der Cross-Ladies nicht zu akzeptieren, und es erscheint als blanker Zynismus, dass die Motorradsport-Hoheit FIM in Hochglanzbroschüren großspurig die besondere Förderung von Frauen im Sport propagiert.

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