Motocross-MX1/MX2-WM (Archivversion) Flämische Löwen

Motocross-WM auf einer Straßenrennpiste? Geht doch. Früher in Jerez oder Spa, heute im belgischen Zolder. Die Strecke – knapp zwei Kilometer lang – schlängelt sich durchs Infield, kreuzt zweimal das mit Erde aufgeschüttete Asphaltband und klettert an den Seitenhängen entlang der traditionellen Startgeraden hoch und runter. Der weiche Boden macht das Terrain höchst anspruchsvoll. Vor allem die herausgefahrenen Spurrinnen und kantigen Absprünge erschweren den Crossern das Leben. Sei’s drum, denn nicht zuletzt das urbane Umfeld lockte immerhin 25000 Fans zum Auftakt der Motocross-Weltmeisterschaft nach Flandern.
Obendrein wohnt Titelverteidiger und Nationalheld Stefan Everts gleich um die Ecke und liebt mit seinem technisch brillanten Fahrstil gerade knifflige Pisten wie Zolder. Verständlich, dass das Wochenende ganz nach Art des Gutsherren ablief. Ohne Probleme holte sich der Yamaha-Werkspilot den Sieg im ersten Lauf der MX1-WM (bis 450 cm3 Hubraum) und ließ sich nach verpatztem Start mit Rang drei im zweiten Heat immer noch den Tagessieg gutschreiben. Ein starkes Comeback gelang dem lange verletzten Joël Smets. Der 36-jährige Evergreen in Suzuki-Diensten holte sich in Lauf zwei seinen ersten WM-Laufsieg seit August 2003. Das seit Jahren dominierende Trio Infernal rundete erwartungsgemäß der Franzose Mickael Pichon ab, der mit zwei zweiten Rängen in Schlagdistanz blieb.
Während die Kawasaki-Crew noch immer sehnsüchtig auf den Viertakt-Crosser wartet, verschaffte Werkspilot Ben Townley dem neuen 450er-KTM-Motor mit Doppelnockenwellen (MOTORRAD 6/2005) mit den Plätzen drei und fünf einen hervorragenden WM-Einstand.
Und die MX2-WM? Während der Südafrikaner Tyla Rattray bei den 250ern beide Auftritte locker dominierte, musste der
einzige Deutsche im gesamten WM-Feld,
Max Nagl, Federn lassen. Nach Platz 14
im ersten Lauf stürzte er in Rennen zwei
und verletzte sich das Sprunggelenk. pm

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