Motocross-WM England (Archivversion) Reif für die Insel

Dies ist die schönste Strecke, auf der wir in diesem Jahr bislang gefahren sind«, zeigte sich der Franzose Mickael
Pichon vom englischen Motocross-WM-Lauf auf der Isle of Wight, zehn Kilometer vor der Südküste des Mutterlands gelegen, hellauf begeistert. In der Tat hatten sich die Veranstalter einiges einfallen lassen: Neben dem mittlerweile längst zum guten Ton gehörenden Supercross-artigen Layout verwandelten mehrere Hundert Lkw-Ladungen Sand den harten Lehmboden in einen wetterfesten und höchst anspruchsvollen Parcours.
Die Fans honorierten das Engage-
ment offensichtlich. 10000 Zuschauer am Samstag und 25000 Motocross-Freaks am Sonntag machten den britischen Grand Prix zu einer der bestbesuchten Off-
road-WM-Veranstaltungen der Saison. In der MX1-WM (bis 450 cm3) war es dann die junge Garde, die das attraktive Um-
feld nutzte, um Boden auf WM-Leader
Stefan Everts gutzumachen. Der Belgier, der schon im vergangenen Jahr mit die-
ser Strecke nicht zurechtgekommen war, musste sich mit zwei fünften Rängen bescheiden. Dagegen sorgten sein Landsmann Steve Ramon und der Neuseeländer Ben Townley mit zwei Siegen für einen Feiertag beim KTM-Werksteam – auch wenn Everts’ aktueller Punktevorsprung bei den noch ausstehenden zwei Veranstaltungen wohl problemlos für WM-Titel Nummer neun reichen wird.
Mittlerweile lichten sich nun auch die Geheimnisse um die Arbeitgeber der Motocross-Stars in der kommenden Saison. Den spektakulärsten Deal fädelte KTM-Sportkoordinator Pit Beirer ein: Nach Mickael
Pichon holte der Ex-Crosser den in den USA fahrenden französischen Doppelweltmeister Sébastien Tortelli ins orangefarbene Team, das mit dem Holländer Marc de Reuver und dem Spanier Jonathan Barragan immerhin vier Werksfahrer aufweist. Ben Townley wird dagegen KTM verlassen und künftig in den USA für Kawasaki antreten. KTM-Abgang Nummer zwei, Steve Ramon, ersetzt Joël Smets bei Suzuki. Der 36-jährige Belgier hatte sich eine Woche vor dem Meeting in England beim deutschen WM-Lauf in Gaildorf schwer am Knie verletzt und beendet möglicherweise seine Karriere. Joshua Coppins wird bei Honda, Stefan Everts bei Yamaha bleiben.
Nach dem erwarteten Führungswechsel in der MX2-WM (bis 250 cm3) in
Gaildorf fassten die beiden Dominatoren dieser Klasse, der Italiener Antonio Cairoli und der Australier Andrew McFarlane, in England kräftig daneben. McFarlane fiel in beiden Läufen mit stotterndem Motor an seiner Yamaha aus, Cairoli – ebenfalls auf Yamaha – verschenkte mit Zündausset-
zern im zweiten Lauf sogar den sicheren Sieg. Die Laufsiege teilten sich der junge
Schotte Billy MacKenzie und der Italiener David Philippaerts. Der einzige Deutsche mit Chancen auf WM-Punkte, Max Nagl, kollidierte in Lauf eins mit einem Gegner und musste mit plattgedrücktem Auspuff aufgeben. Im zweiten Rennen brachte ein
gebrochenes Zündungskabel an der KTM den 18-Jährigen um Rang neun. pm

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