Motocross-WM in Teutschenthal (Archivversion)

Big Brothers

Pit Beirer, Collin Dugmore, Bernd Eckenbach - seit Jahren warten die deutschen Motocross-Fans auf Erfolg versprechenden Nachwuchs. Jetzt ist er da. Hoffentlich.

Da sitzen sie, gemeinsam im Vorzelt des riesigen Sattelschleppers des Freetime-Yamaha-Teams wie ein kleiner Junge und sein großer Bruder. In der Tat verrät der Blick von Josef Dobes Respekt. Respekt vor Pit Beirer. Auch wenn der gerade heute am allerwenigsten auf Anerkennung spekuliert. Zu tief sitzt der Schock des eben zu Ende gegangenen 250er-Rennens. Ein Rennen, in dem er es allen zeigen wollte. Und dann: Platz 17. Kein gewöhnlicher Platz 17. Start auf Rang drei, anschließend Abmarsch nach hinten. Wegen harter Arme. So nennen die Motocrosser ihre verkrampften Muskeln in den Unterarmen, die meist fest wie Beton werden, wenn man allen zeigen will, wo der Hammer hängt. Und die den behänden Ritt der Crosser urplötzlich in einen grobmotorischen Gewaltmarsch verwandeln. Einen Ritt, von dem Pit Beirer wusste, dass er ihm – zumindest in dieser Saison – wohl die letzte Chance auf den lang ersehnten WM-Titel genommen hatte. Und das ausgerechnet beim Heim-GP im legendären Talkessel von Teutschenthal. Vor 24000 Fans, die nur auf eines gewartet hatten: auf seinen ersten Sieg in diesem Jahr. Auch für Josef Dobes äderte sich an diesem Wochenende in der Nähe von Dresden viel. Knapp zwei Stunden vor Pits Schicksalsschlag sorgte der Bayer aus Neuötting für eine kleine Sensation: Platz 12 im 125er-Lauf. Seine allerersten WM-Punkte - mit 17 Lenzen. Wie wichtig das ist, weiß auch Pit Beirer und hilft dem seit Jahren vom Team Yamaha-Kurz aus dem schwäbischen Rosenberg unterstützten Sportsmann nach Kräften. Ein Anruf hier, ein Tipp da – Pits Verbindungen helfen und motivieren. Der Erfahrene ahnt: Josef könnte vielleicht wirklich einer werden wie er. Oder wie Collin Dugmore. Oder wie Bernd Eckenbach. Denn das sind sie, die drei Musketiere der deutschen Offroad-Szene. Die einzigen, die bislang im internationalen Geschäft mitmischen konnten, ohne rot zu werden – und das seit über einem Jahrzehnt. Die Latte, die die drei Herren gelegt haben, liegt hoch: Rang vier in der 500er-WM 1998 für Bernd, Rang sechs im 125er-Championat 1996 für den seit 15 Jahren in Deutschland lebenden Südafrikaner Collin und die schon fast legendäre Dauererfolgsserie von Pit mit dem 250er-Vize-WM-Titel 1999 als Höhepunkt. Doch während im Windschatten der Stars in anderen Nationen die Thronfolger in Ruhe heranreifen, sprießen die jungen Pflänzchen hierzulande seltsamerweise nur spärlich. Über die Gründe wird spekuliert. Zu satt seien die Youngster, sagen die einen. Zu teuer sei der Sport geworden, sagen die anderen. Zu wichtig sei eine vernünftige Schulbildung, meinen manche. Zu uneffektiv die Förderung der Verbände, ist eine weitere Gruppe überzeugt. Lösungsideen gibt´s genügend. Von Fördergruppen bis hin zu kühnen Plänen eines Offroad-Internats. Deshalb waren nicht nur die vielen Fans um die übersichtliche Teutschenthaler Piste froh, dass es Josef gibt. Und Marco. Marco Dorsch, drei Jahre älter als Seppi und Hoffnungsschimmer Nummer zwei der schwarz-rot-goldenen Motocross-Szene. Zudem mit vielversprechendem Hintergrund. Onkel Rolf Dieffenbach war in den achtziger Jahren einer der weltbesten Viertelliter-Crosser. Und Neffe Marco, vom Naturell her zwar eher ein typischer Vertreter der von den Kritikern des alten Schlags verschmähten Easy-living-Generation, weiß ebenfalls, wo’s lang geht. Bereits vier Wochen vor Teutschenthal sorgte der Schwabe für eine Sensation: Platz vier beim Australien-GP. Auch in Sachsen-Anhalt machte der Junge in Diensten des Westerwälder Honda-Teams Sarholz eine ausgezeichnete Figur. Sauber, risikolos und sattelfest donnerte der Profi im 125er-Rennen auf Platz zehn. Und weil – wie in der Konstellation Beirer/Dobes - auch die anderen harten Crosser offensichtlich ebenso ein weiches Herz besitzen, dreht Collin Dugmore im Fall Dorsch mit am Gasgriff. Tuner und Trainingsstrecken teilen sich die beiden brüderlich. Auch wenn dem netten, 33-jährigen Collin in Teutschenthal nach einem Sturz und Rang zwölf im 250er-Lauf letztlich das Glück fehlte. Das endlich Bernd Eckenbach zur Seite stand. Nach bravourösen, durch technische Defekte jedoch geschmälerten Auftritten in Holland und Australien holte der 30-jährige Schwabe in Teutschenthal für die deutsche Abordnung die Kastanien aus dem Feuer. Ungefährdet strich der Modellathlet auf seiner Viertakt-KTM einen sechsten Platz im Halbliter-Heat als bestes nationales Ergebnis ein. Wovon bald die Nachwuchsförderung profitieren könnte. Spätestens in zwei, drei Jahren wird der ehrgeizige Bernd nämlich von der Cross-Sitzbank auf den Stuhl des Sportchefs bei KTM Deutschland wechseln. Ein Youngster-Team schwebt dem künftigen Jung-Manager bereits jetzt vor. Denn eines wissen sowohl Bernd als auch die anderen beiden Grandseigneurs der deutschen Cross-Szene: Die Chefs der Werksteams werfen auf die Jungs hinter den Siegern ein waches Auge. Und vielleicht kritzelte so mancher Boss beim deutschen GP die Namen Josef und Marco in seinen Notizblock. Man kann ja nie wissen.
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Moto Cross-WM in Teutschenthal/D (Archivversion)

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