GP Deutschland in Teutschenthal Motocross-WM: Ken Roczen und Max Nagl

Schlechter erster Lauf, genialer zweiter Lauf: Zumindest im zweiten Anlauf fuhr Ken Roczen bei der Motocross-WM in Deutschland in der MX2 alles in Grund und Boden. Max Nagl (MX1) hatte mit seiner Verletzung zu kämpfen.

Foto: Wolf
Das Problem im ersten Lauf? Ken Roczen: "Schon nach vier oder fünf Runden bekam ich Riesentrouble mit meiner Brille", erinnerte sich der 16-Jährige, "irgendwie war Feuchtigkeit zwischen die Abreisvisiere und die Scheibe gekommen. Ich habe fast nichts mehr gesehen und musste sie schließlich wegwerfen." Was das bedeutet, schildert Ken so: "Es ist ja nicht nur der massive Winddruck und der Staub über der Strecke, die Maschinen der anderen Fahrer schleudern ja mit ihren Hinterrädern ständig Erde hoch." So hatte Ken Roczen ohne Brille keine Chance mehr seinem Erzrivalen, Weltmeister und WM-Tabellenführer Marvin Musquin auf der Werks-KTM den Sieg streitig zu machen. Rang fünf, von dem er sich nach der Startrunde schon um zwei Plätze verbessert hatte, konnte er jedoch immerhin ins Ziel retten.
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Für Rennen zwei wurde die Cross-Brille nun perfekt getrocknet und vorbereitet, und King Kenny ging mit größter Entschlossenheit ans Werk. Auch mit dem in Teutschenthal erstmals zur Verfügung stehenden um rund zwei PS erstarkten Suzuki-Werks-Motor leidet der junge Thüringer immer noch unter spürbarem Powermangel – vor allem im Vergleich zu den KTM-Fahrern. Umso beeindruckender war der dritte Platz nach der ersten Kurve und gar Rang eins nach einer Runde. Noch viel mehr staunte allerdings die von Champion Musquin angeführte MX2-Elite in den restlichen 17 Runden. Ken Roczen entschwand uneinholbar am Horizont und gewann seinen Heim-GP am Ende mit der Kleinigkeit von gut 26 Sekunden vor Musquin, der in dieser Saison schon ganze zwölf WM-Rennen gewonnen hat.

Nach diesem Erfolg dürfte der WM-Titel 2010 also trotz 77 Punkten Rückstand auf Musquin noch nicht außer Reichweite sein.

Das  MX1-Topteam von KTM mit dem bisherigen deutschen Motocross-Superhelden Max Nagl und Weltmeister Toni Cairoli konnte in Teutschenthal seine gewohnte Überlegenheit kaum zeigen und den Doppelsieg von Geburtstagskind Ken de Dybker auf der Semi-Werks-Yamaha nicht verhindern.
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Max Nagl dagegen wurde von den deutschen Fans trotzdem ebenso frenetisch gefeiert wie MX2-Laufsieger Roczen, obwohl er in den MX1-Rennen "nur" Fünfter und Siebter wurde. Denn die gut 20000 wussten, wie es um den Bayern stand. Gerade zwei Wochen nach seinem Schlüsselbeinbruch beim französischen Motocross-GP saß Nagl schon wieder auf seiner bärenstarken Werks-KTM 450 und hatte große Schmerzen. Um die Fans nicht zu enttäuschen und vor allem auch seine Position im Spitzenfeld der WM-Tabelle einigermaßen zu halten, biss Max also gewaltig auf die Zähne.

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