MotoGP-Regel für 2007 (Archivversion)

Ab 2007 mit 800 cm3

Herstellervereinigung beschließt neue Regeln für die MotoGP-WM.

Die Hubraumreduzierung für die MotoGP-Klasse ist beschlossene Sache: Die
sieben in der Herstellervereinigung MSMA vertretenen Marken Honda, Yamaha, Suzuki, Kawasaki, Ducati, Aprilia und KTM verabschiedeten in Mugello eine neue Formel
mit 800 cm3 statt der jetzt erlaubten 990 cm3
sowie 21 statt jetzt 22 Liter Tankinhalt ab 2007, die umgehend von der Grand-Prix-Kommission bestätigt wurde. »Die gewaltigen Maschinen der Gegenwart werden glorreich
in die Geschichte eingehen, und es ist ein
Privileg, sie fahren zu dürfen. Doch es ist
richtig, dass etwas getan wird, denn sie werden definitiv allmählich zu schnell«, stellte sich Valentino Rossi angesichts von Topspeedwerten jenseits von 340 km/h in Mugello
hinter die Entscheidung.
Freilich gibt es Zweifel daran, dass es bei der neuen Formel nur um die Sicherheit der Fahrer geht. Hinter vorgehaltener Hand wird in allen Boxen gelästert, Honda habe wieder einmal alle anderen Werke an der Nase herumgeführt und ein neues Regelwerk durch-
gesetzt, mit dem die Konkurrenten technisch und finanziell an die Wand gespielt werden können. »Ursprünglich wollten wir 900 Kubikzentimeter, dann hätte man die Motoren
runterbüchsen können, ohne gleich neue zu bauen«, erklärte zum Beispiel Ducati-Teamchef Livio Suppo. Ein Ducati-Vorstoß zum Verbot von Pneumatik-Ventilen stieß ebenfalls auf wenig Gegenbliebe, Vorschläge von außer-
halb der MSMA, das immer beeindruckender werdende Tempo der 250-PS-Boliden durch andere Maßnahmen wie etwa Restriktoren (Proton KR-Teambesitzer Kenny Roberts) oder ein Viergang-Getriebe (WCM-Teamchef Peter Clifford) zu reduzieren, wurden gleich gar nicht aufgegriffen.
In der entscheidenden Sitzung war dann von Widerstand nichts mehr zu spüren – verblüffenderweise wurde die 800-cm3-Formel einstimmig verabschiedet. »Honda rules –
and nobody else has got any balls«, urteilte Roberts in einer verächtlichen Art und Weise über das Gremium, die sich nur schlecht ins Deutsche übersetzen lässt. Statt die Teams zu teuren Neukonstruktionen zu zwingen,
wären die Dirigenten des MotoGP-Sports besser beraten, sich erst einmal ums Geschäft zu kümmern, lautete sein Ratschlag.
Stattdessen wird unverdrossen bereits über die teure Superformel nachgedacht. Beim nächsten MSMA-Meeting in Brünn im August soll darüber debattiert werden, ab 2010 auch Zweizylinder-Viertakter mit 400 cm3 in der 250er-Kategorie zuzulassen. »Die sollen ruhig kommen. Vor denen fürchten
wir uns nicht«, grinste KTM-Konstrukteur
Harald Bartol, dessen brandneue 250er Mitte Juni erstmals getestet wird. fk
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BMW-Powercup (Archivversion)

+++ Am Samstagnachmittag
erlebten die Zuschauer einen
packenden Lauf zum BMW-
Power-Cup, bei dem der Spanier Sergio Fuertes auf alle Attacken des Lokalmatadoren Roberto »Panick« Panichi die richtige Antwort wusste und einen knappen Sieg feierte.
Das MotoGP-Projekt von BMW, über dessen Zukunft der Vorstand der weiß-blauen Marke nach wie vor nicht entschieden hat, läuft derweil hinter den
Kulissen auf Hochtouren weiter. Den Mugello-Grand-Prix nutzten die BMW-Mitarbeiter, die bei Oral Engineering in Modena
an einer V3-Maschine arbeiten,
zu einem Schulausflug, um die siegreichen MotoGP-Maschinen der Konkurrenz erstmals live und aus der Nähe zu betrachten. Was die zumeist sehr
jungen Ingenieure dabei am meisten verblüffte, war die schlanke, kompakte Bauweise der aktuellen 250-PS-Raketen. Der mit modernster Elektronik ausgestattete BMW-Prototyp ist derzeit nämlich noch breit und wuchtig »wie ein Walfisch«, wie einer der anwesenden Mitarbeiter hinter vorgehaltener Hand bemerkte.
Luca Cadalora ist weiterhin
als Testfahrer unter Vertrag und bewegt den Dreizylinder
gelegentlich auf der BMW-
Teststrecke in Südfrankreich. Auch der erfahrene Ire Jeremy McWilliams ist als Testpilot
im Gespräch. Rückschlüsse auf eine künftige MotoGP-Teilnahme sind aus den Entwicklungsaktivitäten freilich nicht zu ziehen – intensive Forschungs- und
Entwicklungsarbeit außerhalb konkreter Planungen hat bei BMW Tradition. +++ fk

Industriespionage bei Michelin? (Archivversion) - Der Reifendieb

Industriespionage bei Michelin?
Beim britischen Superbike-Meisterschaftsrennen im irischen Mondello Park drei Wochen vor dem Mugello-Grand-Prix wurde ein Michelin-Truck aufgebrochen und ein Reifen geklaut. »Anders als in früheren Fällen, wo jemand gelegentlich ein Erin-
nerungsstück mitgehen ließ, gehe es dabei eindeutig um Industriespionage. Es handelte sich um den einzigen Prototypen eines neuen Reifentyps, den wir zu Testzwecken mit-
genommen hatten«, wetterte Michelin-Renn-
leiter Nicolas Goubert und drohte an, Michelin
werde sich möglicherweise aus allen anderen Zweirad-Straßenrennserien außerhalb der MotoGP-Klasse zurückziehen. Im Gegensatz zum MotoGP-Fahrerlager gebe es in den
anderen Kategorien keine vernünftig funktionierenden Wach- und Schließdienste. Hoffnung, den Reifen zurückzubekommen, habe er nicht. »Der wurde längst in tausend Stücke zerschnitten und allen nur denkbaren physikalischen und chemischen Untersuchungen unterworfen«, ist sich Goubert sicher. fk

125er- und 250er-Klasse (Archivversion) - Kallio stürzt – Lüthi Leader

Lüthi bleibt am Ball, die Deutschen in den kleinen Klassen haben verwachst.
KTM-Star Mika Kallio dominierte den Lauf der 125er-Klasse bis in die letzte Kurve, baute dann aber einen spektakulären Sturz, bei dem er außerdem noch von Hector Faubel torpediert wurde. Während sich beide Fahrer wie durch ein Wunder nahezu
unverletzt wieder aufrappelten, feierte Kallios ungarischer Teamkollege Gabor Talmacsi
einen unverhofften Sieg. Das breiteste Grinsen trug freilich Thomas Lüthi auf dem
Gesicht: Ein zweiter Platz auf einer Strecke, die ihm in den vergangenen Jahren noch
nie Glück gebracht hatte, bedeutete die WM-Führung für den 18-jährigen Schweizer.
Weniger Glück hatten die deutschen Piloten. Sandro Cortese stürzte wegen eines Kolbenklemmers, Dirk Heidolf, sein Kiefer-Castrol-Honda-Teamkollege in der 250er-
Klasse, rollte mit Kupplungsdefekt aus, nachdem er sich bei einem Sturz am Samstag schon den rechten Ellbogen
verletzt hatte. Steve Jenkner war mit gebrochener Hand ebenso wenig am Start wie Malaguti-125-Pilot Sascha Hommel, dessen Trennung vom Team nach dem Fehlstart in die Saison beschlossene
Sache zu sein scheint. fk

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