Motopark Oschersleben (Archivversion) Der dritte Weg

Deutschland hat endlich eine dritte permanente Rennstrecke. Ducati-Werksfahrer Thomas Körner fuhr für MOTORRAD im Motopark Oschersleben die erste Runde.

Noch nicht einmal ein Jahr ist es her, seit die ersten Bagger auf dem ehemaligen LPG-Gelände am Stadtrand von Oschersleben, einer Kleinstadt rund 30 Kilometer südwestlich von Magdeburg, anrückten. Schon Mitte Juli konnte Thomas Körner mit seiner Supersport-Ducati 748 für MOTORRAD die ersten Runden auf der neuen, 3,677 Kilometer langen Rennstrecke fahren.Und der Top-Fahrer aus dem Supersport 600-Weltcup war durchaus beeindruckt von der dritten permanenten Rennbahn in Deutschland. »Der erste Eindruck ist ähnlich wie auf der Strecke von Albacete in Spanien; ziemlich viele enge Kurven, eine relative schmale Fahrbahn«, vergleicht Körner, »Oschersleben ist eben auch eine moderne Micky Maus-Bahn mit stadionähnlichem Charakter.« Entsprechend gut sind tatsächlich die Möglichkeiten für die Fans. Rund 22000 Zuschauer haben Platz auf dem den gesamten Außenbereich umgebenden Wall, wo direkt am Zaun oder auf den Tribünen an der Schikane und im Bereich der ersten beiden Kurven große Teile der Strecke bestens eingesehen werden können. Dazu kommt noch die komfortablere Haupttribüne im Start/Ziel-Bereich mit rund 8000 Plätzen. In einer geplanten Ausbaustufe sollen über variable Tribünen im Außenbereich je nach Bedarf noch weitere Kapazitäten bereitgestellt werden.So können die Fans genießen, was Thomas Körner nach den ersten Runden noch vor der offiziellen Eröffnungsfeier besonders gefallen hat: »Sehr gut sind die zahlreichen Kurvenkombinationen wie die Links gleich nach der Start/Ziel-Geraden, die dann in eine langgezogene Rechtskurve übergeht. Es gibt kaum eine Kurve in Oschersleben, die man isoliert ganz für sich allein betrachten kann.« Daß die Start/Ziel- wie auch die Gegengerade nicht sehr lang ist, ist für den mehrfachen deutschen Meister kein Nachteil: »So kommt man wenigstens nicht aus dem Rhythmus.«Allerdings hatte Thomas Körner nach seinen ersten Testrunden in Oschersleben auch Kritik an der brandneuen Rennstrecke anzubringen. »Die Strecke ist eher auf Autorennen ausgelegt«, fiel ihm auf, »Begrenzungsmauern und Leitplanken stehen in der Start- sowie in der Zielkurve zu nah an der Strecke. Und im vorderen Streckenteil, eingangs der dreifachen Linkskurve auf das Hotel zu, liegt das Kiesbeet für Motorräder an der falschen Stelle. Wenn du im ersten dieser drei Linksknicke abfliegst, geht’s sauber links daran vorbei.«Grundsätzlich aber begrüßt auch Thomas Körner die neue Rennstrecke: »Jede echte neue Strecke neben Hockenheim und Nürburgring ist besser als Flugplatzrennen oder die Ausweichtermine im Ausland.« Aber nicht nur gegenüber den Flugfeldbahnen gibt Körner dem neuen Motopark Oschersleben den Vorzug. »Diese Strecke ist wesentlich interessanter und in meinen Augen auch besser als Hockenheim«, empfiehlt er die neue Piste für höhere Aufgaben.Und die scheinen mit Macht auf Oschersleben zuzukommen. Denn nach der internationalen Motorrad-Premiere mit dem Supersport 600-Weltcup vom 5. bis 7. September 1997 (siehe Kasten), der ja durch ausgiebige Probefahrten der führenden Teams aus der Superbike-Weltmeisterschaft aufgewertet werden soll, geht es schon im nächsten Jahr weiter aufwärts. »In der Saison 1998 haben wir die Superbike-WM hier in Oschersleben«, konnte Motopark-Geschäftsführer Peter Rumpfkeil bereits vor einigen Monaten bekanntgeben.Da aber inzwsichen nicht mehr davon die Rede ist, daß Oschersleben als deutsche Bühne der Superbike-WM den Traditionsplatz Hockenheim ablösen soll - es sollen vielmehr zwei Auftritte der großen Viertakter in Deutschland geben -, gehen konkrete Gedankenmodelle noch weiter. Trotz leicht gestiegener Zuschauerzahlen war der Nürburgring-Grand Prix auch unter neuer Führung nicht eben ein Publikumsmagnet. Deshalb denkt Ex-Rennfahrer Martin Wimmer, beim ADAC-Bereich Jugend und Sport für die Organisation aller internationalen Meisterschaftsrennen in Deutschland verantwortlich, daran, vielleicht schon 1998 die GP-Stars in die Magdeburger Börde zu bringen; vor allem, wenn bereits der Supersport-Weltcup im September von möglichst vielen der bekannt begeisterungsfähigen Fans aus den neuen Bundesländern frequentiert wird.Dies alles also darf die privaten Investoren der Motopark Oschersleben GmbH, die unter Führung des erfolgreichen Kaufmanns und früheren Autorennfahrers Hans-Peter Klein 80 der 105 Millionen Mark Gesamtbausumme beigesteuert haben, durchaus zu optimistischen Erwartungen veranlassen.

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