Motorrad als Dienstfahrzeug (Archivversion) Nieten und Nadelstreifen

Es können aber auch Nieten und Blaumann sein. Oder Nieten und Robe.
Sofern ihre Träger selbständig sind oder einen freundlichen Chef haben. Der ihnen erlaubt, günstig Motorrad zu fahren. Dank steuerlicher Subvention.

Viele Steuersparmodelle haben einen entscheidenden Nachteil: Man gibt Geld für Zeug aus, das man eigentlich nicht braucht. Für schwer vermietbare Immobilien etwa. Weswegen sich schon so mancher richtig arm gespart hat. Man kann aber auch Steuern sparen mit Dingen, die mächtig Spaß machen. Beim Motorradfahren zum Beispiel.
Das funktioniert, indem man die Maschine zum Geschäftsfahrzeug deklariert. Dagegen hat das Finanzamt gefälligst keine Einwände zu erheben. Weil die Wahl seines Verkehrsmittels einem jeden Bürger freisteht. Wenn ein Reisender in Sachen Marmorstatuen beim Gutsherrn vorreitet, hoch
zu Ross, kann das mitunter einem Geschäftsabschluss förderlich sein. Und ein Supersportler macht allemal mehr her als ein Allerwelts-Golf.
Was für einen Firmenwagen gilt, trifft deshalb ebenso auf ein Firmenpferd wie ein Firmenmotorrad zu. Wird es auch privat genutzt, muss man
für diesen Vorteil indes bekanntermaßen Steuern zahlen: ein Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat. Diese Summe schlägt das Finanzamt dem zu versteuernden Einkommen zu.
Auf der anderen Seite können alle Ausgaben für das Motorrad steuerlich abgesetzt werden. Hat bei der deutschen Steuergesetzgebung dann die schöne Konsequenz, dass keine Umsatzsteuer, keine Mehrwertsteuer zu berappen ist. Man zahlt letztlich halt nur den Nettopreis für Benzin, Reifen oder Versicherung. Obendrein kann man das Motorrad natürlich »abschreiben«. Bei sieben Jahren Abschreibungsdauer und einem Listenpreis von 10000 Euro sind das jährlich um die 1400 Euro. Diese Summe sowie die Betriebskosten können von den Einkünften abgezogen werden, den Bruttoeinkünften, versteht sich.
Heißt: Das zu versteuernde Einkommen mindert sich um den Betrag, der für Anschaffung
und Unterhalt der Dienstmaschine ausgegeben werden muss. Heißt auf der anderen Seite: Je geringer die Anschaffungs- und je größer die Unterhaltskosten, desto happiger der Gewinn. So besehen, mutiert das Motorrad dank seines im Vergleich zum Auto doch recht niedrigen Listenpreises zum veritablen Steuersparmodell.
Das wird es erst recht, wenn es lediglich als Zweitdienstfahrzeug genutzt wird, neben einem Auto etwa, auf das mitunter eben doch nicht verzichtet werden kann. In diesem Fall wird die Ein-Prozent-Quote für private Nutzung auf den Listenpreis des teureren Fahrzeugs, in der Regel dürfte dies das Auto sein, bezogen, im Gegenzug wird eine Steuer auf das billigere Fahrzeug, das Motorrad, gar nicht erst erhoben, während die Ausgaben dafür weiterhin abgesetzt werden dürfen. Heißt: Die Kosten für Anschaffung und Unterhalt des Motorrads können als Betriebsausgaben geltend gemacht werden, ohne dass dafür ein »geldwerter Vorteil« zu versteuern wäre.
Unter einer Voraussetzung allerdings: Die
Maschine darf ausschließlich vom Besitzer gefahren werden. Und dies überwiegend, also
zu mehr als 50 Prozent, geschäftlich. Nachzuweisen ist das durch Einträge in ein Fahrtenbuch, die allerdings nicht unmittelbar nach jeder Fahrt getätigt werden müssen, »zeitnahes« Notieren reicht völlig aus.
Ob sich der Aufwand lohnt? Dazu eine einfache Rechnung: Bei Kosten von 30 Cent pro Kilometer und deren 6000 im Jahr kommen 1800 Euro zusammen. Die zahlt der Motorradfahrer in der Regel mit seinem versteuerten Geld. Beim Firmenmotorrad kosten die 6000 Kilometer nur noch 1512 Euro, bezahlt aus unversteuertem Geld.

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