Motorrad des Jahres 1999: 1. Ausschreibung (Archivversion)

Kein anderes Segment hat in den letzten Jahren eine solche Dynamik erlebt wie das der Sportler und Sporttourer. Und auf der vergangenen INTERMOT wurde eine weitere Beschleunigungsstufe gezündet: Yamahas YZF-R6 erreicht als erste Serien-600er eine Literleistung von 200 PS. Die schärfste Konkurrentin dürfte Honda CBR 600 heißen - ebenfalls bärenstark und als völlige Neukonstruktion gnadenlos auf niedriges Gewicht getrimmt.Damit springen die kleinen Supersportler nun endgültig ins Fahrwasser von Yamahas epochaler R1 und Suzukis Welthit GSX-R 750, deren Kraft und Herrlichkeit erst dank konsequenten Leichtbaus in Technik- und Fahrgenuß mündet. Daß Ducati um seine kräftigen V-Twins ebenfalls schlanke Bikes baut, bedarf kaum der Erwähnung. Aber die Bologneser haben nun auch die Tourensportler als kaufkräftige Kundschaft entdeckt. Nach der luftgekühlten ST 2 offeriert Ducati mit der ST 4 - sie trägt den wassergekühlten Vierventiler aus der 916 - bereits das zweite Touristenmenü. Schneller reisen, heißt das Motto.Diesem Leitspruch fühlt sich auch die R 1100 S verpflichtet, der stärkste Boxer, der je Münchener respektive Berliner BMW-Hallen verlassen hat. Doch wie die ebenfalls sehr dynamische K 1200 RS vergißt auch die R nicht ihre Herkunft und gibt sich bei Bedarf als williger Kofferträger her. Ihre Hauptgegner finden die beiden katalytisch gereinigten Bayern-Kradl im Honda-Duo VFR und CBR 1100 XX. Beide ebenfalls blitzsauber, multifunktional und qualitativ hochwertig.Wer’s noch etwas emotionaler wünscht, der kann schon mal einen Sparvertrag für die MV Agusta F4 auflegen. Ab Frühjahr wird ausgeliefert. Oder für die deutlich preiswertere Aprilia RSV mille den Überziehungskredit strapazieren: Sie setzt momentan mit ihrem 60-Grad-V2 den Schlußpunkt unter die wahrhaft aufregende Renaissance der sportlichen Twins, in deren Folge sich selbst so schillernde Exoten wie Laverdas 750 Sport oder Moto Guzzis Daytona RS wieder topaktuell fühlen dürfen.Den dritten Weg markieren - natürlich - die Briten, die zwischen Twins und Fours mit zunehmendem Erfolg ihre charakter- und bärenstarken Triples positionieren. Fürs nächste Jahr stellen sie neben die überarbeitete Daytona gleich noch den schmucken Tourensportler Sprint ST. Beide Modelle tragen einen geregelten Kat - dank BMW, aber mittlerweile auch Honda zumindest unter den engagierten Tourensportlern ein Standard.

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