Motorrad-Nachrichten Szene

Jagdflieger
LSL-Triumph Street Triple. Das amerikanische Jagdflugzeug P 51 Mustang inspirierte die Krefelder LSL beim Bau der "TL-675 Warbird". Diese extrem schnittige Interpretation einer Triumph Street Triple taugt tatsächlich für die Lufthoheit auf verwinkelten Landstraßen, so zackig rollt und turnt sie selbst durch kniffligste Kurven. Vorgegeben durch die LSL-Lenkerstummel ergibt sich eine kämpferische und doch absolut unverkrampfte Sitzposition. 110 PS in dem 190 Kilogramm leichten, sehr handlichen Motorrad ergeben eine höchst dynamische Mischung. Den Triple hat G-Lab auf gesunden, drehmomentoptimierten Leistungszuwachs getrimmt: Unter 4000 und jenseits der 8000 liegt die "TL" deutlich über einer serienmäßigen Street Triple, in der wichtigen Drehzahlmitte kaum darunter. Aufmerksame PS-Leser kennen die Triumph noch vom letztjährigen Tuner-GP, wo sie mit schärferen Daytona-Nockenwellen, aber noch ohne Verkleidung sogar für 126 PS gut war.
Der eigentliche Umbausatz für 5390 Euro umfasst außer dem Lenker noch folgende Positionen: Verkleidung mit vormontierten Haltern und DE-Scheinwer-fer, winzige Rückspiegel, Motorspoiler, Karbon-Kotflügel, Sozius-Sitzabdeckung, Bremsflüssigkeitsbehälter und Bremsleitungen von LSL, Blinker, Crash-Pads und vor allem die volltönende, kompakt-kurze Auspuff-Komplettanlage von Zard. Nicht im Preis enthalten, aber am Test-Exemplar verbaut: Suzuki GSX-R 750-Upside-down-Gabel nebst deren Radial-Vierkolben-Bremszangen. Ebenfalls extra gehen das voll einstellbare Öhlins-Federbein mit Ausgleichsbehälter (960 Euro), verstellbare, fein gefräste Handhebel (219 Euro), "2Slide"-Rastenanlage mit Ritzelabdeckung, alles LSL. Die Montage in Krefeld kostet samt Eintragung in die Fahrzeug-papiere 840 Euro.

Neuer Dunlop-Reifen GP Racer D211 für Straße und Rennstrecke
Die Neuheiten bei den Reifen reißen nicht ab. Mit dem GP Racer D211 bringt Dunlop in diesem Frühjahr einen sehr sportlichen Pneu, der sowohl für die Straße als auch für die Rennstrecke kon-zipiert ist. Er verfügt über verschiedene Mischungen auf den Laufflächen, wobei die harte Mischung der Mitte unterhalb der soften Flankenmischung bis außen verläuft. www.dunlop.de

Neue Yamaha: Sehr eigenständig
Yamaha FZ8. Das erste komplette und offizielle Bild der nagelneuen FZ8 ist da und offenbart ein eigenständigeres Motorrad, als zunächst erwartet. So lehnt sich der Vierzylinder nicht an die kleine FZ6 an, sondern borgt sich Teile von der großen Schwester FZ1 (Rahmen, Schwinge, Gabel, Bremsen) und hat darüber hinaus ein paar hochwertige Komponenten zu bieten, die das Motorrad von Billig-Lösungen abhebt.
Völlige Eigenständigkeit verspricht die obere Hälfte des Motors. Während Gehäuse und Kupplungsdeckel aus dem FZ1-Regal kommen dürften, hat Yamaha die FZ8-Zylinderbank und den -kopf wohl völlig neu gebaut. Wir warten weiter gespannt.

Letzte Buell rollt ins Museum
Wisconsin/USA. Ende Oktober war es endgültig soweit: Nachdem der Mutterkonzern Harley-Davidson das Ende von Buell im September verkündet und das Kaufgesuch von Rotax-Mutter Bombardier noch vor Jahresende abgelehnt hatte, lief mit einer XB12S Lightning das definitiv letzte Buell-Motorrad vom Band. Empfänger des von vielen sichtlich bewegten Mitarbeitern auf einem persönlichen Abschiedsfoto festgehaltenen Bikes ist das Barber Motorsports Museum in Alabama. Damit verfügt das sehenswerte Museum über zwölf Buell-Modelle, welche die 26-jährige Geschichte der eigenwilligen Motorradmarke eindrucksvoll dokumentieren - vom Anfang bis zum traurigen Ende.


Jetzt doch: Aprilia-Rückruf
Noale/Italien. Nachdem Technik-Direktor Albesiano noch in PS 2/2010 garantierte, dass alle ausgelieferten RSV4-Motoren nach den Pleuelproblemen auf der Pressevorstellung in Ordnung seien, rufen die Italiener nun doch einige RSV4 zurück. "Als reine Sicherheitsmaßnahme werden die Motoren getauscht", hieß es von Aprilia. Betroffen sind in Deutschland acht Motorräder.

The American
Büsch-Suzuki GSX-R Die offizielle Bundeswehr-Bezeichnung ist "einachsiger Dreiseitenkipper", im Volksmund heißt sie schlicht "Schubkarre": Ein Gerät, mit dem normalerweise diverse Lasten von einer einzelnen Person transportiert werden können. Charakteristisch sind die obligatorischen hinteren Griffholme, ohne die so ein Gefährt ziemlich sinnlos wäre. Die 2007er-GSX-R 1000 hatte im Volksmund aufgrund ihrer beiden hinteren Keulen schnell den Namen dieses praktischen Gerätes weg. Natürlich ist der Vergleich unpassend und eigentlich auch ein wenig paradox, weil gerade diese Keulen hier als sinnlos angesehen werden. Manchmal hat man fast den Eindruck, dass sich die Hersteller einen internen Wettbewerb um den hässlichsten Auspuff liefern. Die Zubehörindustrie nimmt sich dieser Problematik gerne an und hat diverse Abhilfen im Programm. Ein sehr exklusives Exemplar ist die Vance& Hines CS ONE Anlage, die PS an einer von Importeur Büsch Motorcycle Products aus Issum zur Verfügung gestellten Gixxer antesten durfte. Die Verarbeitungsqualität der schlanken und optisch gelungenen Vier-in-eins-Anlage ist absolut perfekt und steht den großen Namen der Branche in nichts nach. Der Klang ist aggressiv und unterstreicht die Potenz des dicken Reihenvierers. Auf der Piste ergibt der Schub des Triebwerks im Zusammenhang mit dem Klang die typische gänsehauterzeugende Symphonie, die nur ein brüllender großvolumiger Vierzylinder erzeugen kann. So viel Qualm braucht eigentlich kein Mensch, aber es klingt einfach toll.
Womit wir wieder bei einer Schubkarre sind, und zwar mit langem Uuuu. Daran können auch die Felgen vom amerikanischen Hersteller Perfomance Machine nichts ändern. Optisch ein echter Hingucker und definitiv sehr exklusiv, sind die Felgen typisch amerikanisch eher was für Showbikes und schwerer als die Originalräder. Neben üblichen Felgenbreiten bis sechs Zoll gibt es diese Felgen mit dem klingenden Namen Contrast Cut Platinum Heathen auch als 10,5-Zoll-Felge. Mehr Informationen zum kompletten Lieferprogramm von Importeur Büsch gibt es unter www.motorradauspuff.de.hajo

Tuning-Rohr für die neue Kawasaki Z 1000
In unserem Test rund um die neue Z 1000 attestieren die PS-Tester dem Naked-Brenner aus Japan schon eine beachtliche Klangkulisse. Noch mehr davon verspricht Auspuffhersteller Devil, der zwei "Slip-On" anbietet - die Master Carbone (Bild) und eine GP-Replika, jeweils mit ABE. Erstere wiegt 3,8 Kilogramm, die Replika 3,9. Beide kosten ca. 780 Euro. www.devil.fr

Von sportlich bis supersportlich
Sportec M5/Racetec Slick CompK. Der Münchner Reifenhersteller Metzeler gibt bei den Neuvorstellungen fürs Frühjahr ebenfalls mächtig Gas. Der neu entwickelte Sportec M5 Interact ist für den sportlich ambitionierten Straßeneinsatz konzipiert und soll auch bei seinem Nassgripverhalten eine solche Gangart erlauben. Zielgruppe ist damit eindeutig der Supersport-Treiber und knackig agierende Naked-Bike-Fan. Die Reifenstruktur unterstreicht diesen Anspruch. Abgestimmt auf den Stahlgürtel mit unterschiedlich gewickelten Spannungen, wartet der Sportec M5 mit fünf definierten Zonen auf, die markige Namen tragen wie "full lean" (volle Schräglage - ganz außen), "mid lean" (mittlere Schräglage - zweites Drittel) und "straight line" (Geradeausfahrt - Mitte). Diese markieren gleichzeitig die fünf Mischungszonen der Lauffläche. Wie erfolgreich schräg der Sportec-M5-Fahrer unterwegs ist, kann er neuerdings direkt am Reifen ablesen: Metzeler hat dafür eine Skala in den Gummi gefräst.
Für Rennstrecken-Freaks kommt außerdem ein neuer Slick aus München. Der Racetec CompK ist als Hobby-Slick für jedermann erdacht worden. Damit ist nicht die letzte Hundertstel angepeilt, sondern ein gutmütiges Fahrverhalten bei 20-Minuten-Turns auf Renntrainings beispielsweise mit wechselnden Außentemperaturen. Der Reifen soll auch ohne Reifenwärmer schnell auf Temperatur kommen und damit zügig sein dennoch typisch hohes Slick-Gripniveau aufbauen. Außerdem verspricht der Hersteller dem Hobby-Pistenpiloten eine gesteigerte Laufleistung gegenüber echten Angreifer-Slicks. Über Preise der neuen Metzeler-Pneus war bis Redaktionsschluss noch nichts bekannt.
In PS 6 steht der große Reifentest an. Dann können die Neuentwicklungen zeigen, ob sie halten, was die Hersteller versprechen. www.metzelermoto.de.


Kurznachrichten

PS-Racecamps
PS lädt auf deutsche Strecken: Los gehts an Ostern (2. bis 4. 4.) mit der GP-Strecke am Nürburgring. Danach lockt Oschersleben am 27./28. 4. und für ein Eintages-Training am 17. 5. Dazwischen gastiert das PS-Racecamp auf dem Lausitzring (13. und 14. 5.). Neu im Angebot: Groß-Dölln bei Berlin (22./23. 5.). Infos unter Tel. 0711-182 1555.

Riesenparty
Vom 4. bis 6. Juni steigt das erste MOTORRAD-Festival Hockenheim. Mit im Programm stehen die European Stunt-Open der Crème de la Crème der Stunt-Szene um Chris Pfeiffer, Rennserien wie der Street Triple Cup und natürlich die PS-Tuner-GP-Show mit allen Bikes, die die Redaktion tags darauf beim Tuner-GP testen wird.

Wakan-Importeur
In PS 2/2010 war beim Wakan-Quick-Check der deutsche Importeur nicht angegeben. Den fran-zösi-schen V2-Roadster importiert Classicbike Raisch in Rheda-Wiedenbrück. www.classicbike-raisch.

Husaberg legal
Nachdem PS im Supermoto-Test (Ausgabe 9/2010) bedauert hat, dass die giftige Husaberg FS 570 offen nicht mit Straßenzulassung zu haben ist, bietet Griesser Mo-to-Sport eine 50-PS-Version mit offi-zieller Zulassung an. Infos: www.griessermotosport.de

MV nach Indien
Trotz der neuen Modelle von MV Agusta sucht Harley-Davidson nach wie vor nach Käufern für die italienische Marke. Die Suche übernimmt die französische Bank BNP Paribas. Als Kandidaten werden unter der Hand neben den Indern von Bajaj Auto (1/3-Anteil an KTM) auch Ducati gehandelt.

Studi-Abo bei PS
Die Zeitschrift PS gibt es ab sofort zum Studenten-Abo-Tarif. Eine Immatrikulationsbescheinigung reicht, dann ist die PS monatlich 40 Prozent günstiger im Briefkasten. Info: abo-service@scw-media.de


Back to the Roots
MV Agusta Supersportler mit Triple. Schon lange kursierten die Gerüchte, und auch MV-Aushängeschild Castiglioni sprach immer wieder von einem kleinen Dreizylinder aus Varese. Ende 2009 ging die Sagenumwobene schließlich in einem relativen Endstadium ins Netz der Spione. Was da auf der Rennstrecke im südspanischen Almeria umherfegte, hatte nur bedingt etwas mit dem aktuellen Produktangebot der Italiener zu tun. Zwar war die Hülle der neuen F4 unterwegs, darunter steckte aber etwas ganz anderes, viel schlankeres und deutlich vernehmbar dreizylindriges. Dass es keine MV-Tausender sein konnte, verriet der seitlich angebrachte Endschalldämpfer. Große Eigenständigkeit signalisieren auch die Schwinge mit ihrer Achsaufnahme und der Rahmen selbst.
Tatsächlich gibt es mit einem im Werk aufgeschnappten Foto eines neuen Zylinderkopfes damit schon zwei deutliche Hinweise darauf, dass MV zu jenem Motorenkonzept zurückkehrt, mit dem Mike Hailwood und Giacomo Agostini vor nahezu fünf Dekaden die Motorradwelt fest im Griff hatten - dem Dreizylinder-Racer. Doch nicht nur wiederholte Geschichte lässt sich am Zylinderkopf ablesen. Zirka 76 Millimeter Bohrung errechneten Maschinenbau-Experten anhand der Fotos. Das ist mehr als der 675-Dreizylinder-Parade-Motor von Triumph. Sollte es gar wieder eine 750er von MV geben? Das bleibt abzuwarten. Allerdings könnte sich das Geheimnis schon bald lüften: Neue Modelle heben den Kaufpreis für MV-Investoren, und wir sind schließlich im Messejahr der Intermot.

Jahreswahl: And the winner is...
Die Test-Redakteure von 12 internationalen Motorradmagazinen wählten beim "International Bike of the Year 2009" der belgischen Zeitschrift "Motorwereld" das Motorrad des Jahres. Drei Nennungen konnten pro Magazin abgegeben werden. Für den 1. Platz gab es drei, für den 2. zwei und den dritten Rang einen Punkt. Nach Addition der Stimmen hat die Aprilia RSV4 Factory die Umfrage mit 20 Punkten klar gewonnen. Auf den 2. Platz kam die Yamaha YZF R1 (16 Punkte), Rang 3. ging an Honda Fireblade (8 Punkte). Knapp hinter den Superbikes platzierte sich die Triumph Street Triple (7 Punkte), die PS-intern noch vor der R1 und RSV4 ganz oben rangierte. Das sahen die Kollegen aus Norwegen genauso, und auch die Nachbarn aus Holland gaben der kleinen englischen Nackten einen Punkt. Damit landete sie drei Zähler vor so angriffslustigen Brennern wie der Ducati 1198S und dem Streetfighter aus Bologna. Mit dabei waren außerdem Magazine aus Australien, USA, Israel, Griechenland, Italien, Spanien, Japan und Indien.

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Editorial

Das Jahr der Reifen Quizfrage: Was hat in der letzten Dekade die Supersport-Szene technisch gesehen am meisten vorangebracht? Geniale Fahrwerkstechnik? Oder doch eher findige Reifenentwickler? Meine Meinung: ganz klar die Reifentechnik.

Wie sonst wäre es möglich, dass wir uns heute wie selbstverständlich bei Regen im öffentlichen Straßenverkehr mit Superbikes jenseits der 170 PS bewegen oder den Boliden gerne auch mal zum Spaß über die Rennstrecke scheuchen, ohne in jeder Ecke den Sturz fürchten zu müssen? Hut ab vor den Kollegen Reifenentwicklern. Die bescheren uns für jeden gewünschten Einsatzzweck perfekte Pneus. Bestes Beispiel hierfür: der Michelin Pilot Power, für die Landstraße unterm Strich bislang das Maß der Dinge und inzwischen legendär. Dessen Nachfolger Power Pure tritt in wahrhaft große Fußstapfen. Doch auch andere Hersteller blasen 2010 mit Neuvorstellungen zum Angriff: Dunlop unter anderem mit dem GP Racer D211, Metzeler mit dem Sportec M5 Interact und Bridgetone mit dem BT023, der das Sporttouring-Segment ganz neu definieren soll.

Ob das gelingt? Das wird PS wie immer in einem ausführlichen Reifentest im Frühjahr ausloten. Allzeit Grip wünscht

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