Motorradfahren in D: Diplomarbeit eines Politologen (Archivversion) Keine Lobby

Untersuchung über Motorradfahren in Deutschland

In der Gesellschaft werden Motorradfahrer heutzutage kaum noch diskriminiert, in der Politik dafür um so mehr, so lautet das Fazit der Diplomarbeit des Berliner Politologen Rolf Leinemann. Und der fragt sich natürlich, warum das neue, positive Image des Bikers, wie es beispielsweise die Werbung zeigt und aus einer - freilich nicht repräsentativen - Umfrage des Autors hervorgeht, sich nicht in den Entscheidungsprozessen der Politik niederschlägt. Stichworte: Streckensperrungen, Smogverordnung, Straßenausbesserungen. Leinemanns Erklärung: Den Motorradfahrern fehlt eine effektive Lobby, die Druck ausübt und die Politiker darauf hinweist, daß über zwei Millionen Biker auch zwei Millionen Wähler sind. Die es sich auf die Dauer nicht gefallen lassen, diskriminiert zu werden. Daß dies objektiv der Fall ist, weist Leinemann im Detail nach. Sein Ausgangspunkt: die Interpretation des Gleichheitsgrundsatzes des Grundgesetzartikels 3, der besagt, »daß wesentlich Gleiches gleich und wesentlich Ungleiches ungleich zu behandeln« sei. Was im Fall der für Zweiradler gefährlichen Bitumenreparatur bedeutet: Da sich Zweiräder auf diesem Belag anders verhalten als vierrädrige Gefährte, also Ungleichheit besteht, werden Motorradfahrer in unzulässigem Maß benachteiligt, wenn sie in straßenbaulicher Hinsicht wie Autofahrer behandelt werden. Und weil es »den« Motorradfahrer nicht gibt, bei Streckensperrungen dennoch alle Biker über einen Kamm geschoren werden, sind auch diese Fahrverbote verfassungswidrig. Leinemanns Arbeit bietet genug Argumente, den Politikern im Wahljahr 1998 einzuheizen. Schade, daß sie in keiner leicht lesbaren Zusammenfassung vorliegt.

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