Motorradfinanzierung (Archivversion)

Nullkommanix

Mit Minizinsen preisbewusste Kunden zum Motorradkauf animieren - das belebt den Markt in schwierigen Zeiten. Und alle sind zufrieden. Der Käufer ob seines Schnäppchens, Händler und Hersteller, weil die Umsätze stimmen. Oder etwa nicht?

Längst schon zählt die Zahnarztfrau, die den Sozialhilfeempfängern bei Aldi den spitzenmäßigen Billigschampus vor der Nase wegschnappt, zum Fundus neuzeitlicher Mythen. Dazu gehörte einst auch der Motorradfahrer, der den vollen Preis für seine Maschine abdrückt. »Mensch, ist der blöd«, krakeelte der Stammtisch selig.Diese Zeiten haben sich geändert. »Angesichts der günstigen Finanzierungen kann eigentlich keiner mehr runterhandeln«, sagt Bert Poensgen, Vertriebschef bei Suzuki Deutschland. »Ich will Motorräder verkaufen. Und wenn der Kunde weniger Geld in der Tasche hat, muss ich ihm eben ein Angebot machen, dem er nur schwer widerstehen kann.« Sonst wäre der Markt, vermutet Poensgen, dramatischer eingebrochen. Nicht um acht, sondern um 20 bis 30 Prozent. Von den Japanern traut sich keiner mehr weit über Nullniveau hinaus: Honda 0,07 Prozent Zinsen ohne die geringste Anzahlung, Suzuki 0,09, Yamaha dito. Kawasaki und Triumph verlassen die Sphäre der Doppelnull, pendeln sich bei 0,49 Prozent ein. Wie auch Ducati für die Vorjahresmodelle, das neue Repertoire gibt’s von 2,99 (Monster) bis 4,99 Prozent (Ducati 999) aufwärts. Ein bisschen mutiger mit dem 4,9-Prozent-Angebot ihrer Hausbank dürfen BMW-Händler jonglieren. So drückt die Stuttgarter Niederlassung die Zinsen, wenn der Kunde den Listenpreis akzeptiert. Sogar Harleys 5,9 Prozent dümpeln noch unter dem Zinssatz, der auf dem freien Kapitalmark flottiert. Bei der Netbank, einem der günstigsten Anbieter, kosten 10 000 Euro bei einer Zahlungsfrist von 60 Monaten und einem Effektivzins von 7, 71 Prozent 12 474 Euro, also gut 2000 Euro mehr als etwa bei Honda. Wer da kalkuliert, vielleicht besser zu fahren, wenn er sich bei seiner Bank verschuldet, bar bezahlt und dafür einen Preisnachlass rausholt, der den Zinsvorteil toppt, braucht einen Händler, der ihm sein Motorrad weit unter Einkaufspreis verscherbelt. »Selbst Leute, die’s dicke haben, greifen auf unser Kreditangebot zurück«, sagt ein Kawasaki-Händler, »ihr Geld legen sie woanders günstig an.« Und machen dadurch Motorräder tendenziell teurer: Zwar knapsen die Importeure einen Teil ihrer Zinssubventionen an anderen Etats ab, etwa denen für Marketing und Rennsport, aber einiges, daraus machen sie kein Geheimns, geht auch über den Preis. Seinen Obolus dazu muss auch der Händler leisten.»Nach Abschluss eines Kaufvertrags überweist die Bank nicht den vollen Betrag. Die zieht mir sofort sieben Prozent ab, der Kunde stottert 10 000 Euro ab, mir bleiben davon nur 9300«, bedauert ein Suzuki-Dealer. 90 Prozent seines Neumaschinenverkaufs laufen über die Kreditschiene. Im Durchschnitt dürfte die Quote bundesweit bei 60 Prozent liegen.Ein Kawa-Händler (der übrigens, wie alle anderen auch, nicht namentlich genannt werden möchte) findet, dass der Importeur Käufer, die ihm Cash hinlegen, immer über den Tisch zieht. »Die 780 Euro und 65 Cent, die mir bei einer ZX-9R für 11 995 Euro an Zinssubvention abgeknöpft werden, kriegt der Kunde so oder so, indirekt oder als Preisnachlass. Aber was bekommt der Barzahler vom Hersteller? Nichts!« Seine Marge, was er an einem Motorrad verdient, sei, seit er seinen Laden vor zehn Jahren aufgemacht habe, von 20 auf 16 Prozent gesunken. »Nach der Finanzierungsoffensive stürzte sie auf nur noch neun Prozent.« Die Hypotheken auf seine Geschäftsräume muss er noch abstottern, und seine Leute bestehen auf ihrem Lohn. »Der Händler kann sich freuen, wenn er seine Kosten gedeckt hat und vielleicht noch ein Stück Butter auf dem trockenen Brot findet«, erklärt Heike Ulrich vom Zentralverband des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes. Es geht auf die Knochen, schlägt aufs Gemüt. Vor allem bei den Händlern, aber auch den Importeuren japanischer Marken. Lange Jahre gebeutelt vom hohen Kurs des japanischen Yen, der die Motoradpreise dermaßen in die Höhe trieb, dass ihr Markt einbrach, haben sie nun, da der Euro zulegt, ein neues Problem. Die Finanzierungen beleben zwar das Geschäft, das Image der Produkte sackt ab, geht in Richtung Billigheimer. Dem Kunden kann das recht sein, vorerst. Er bekommt sein Motorrad zu besten Konditionen, aber, logo, noch lange nichts geschenkt. Richtig freuen übers Finanzierungsgeschäft kann sich eigentlich nur einer. Und das ist die Bank.
Anzeige

Motorradfinanzierung (Archivversion) - Die aktuelle Motorrad-Börse

Aprilia 0,9 bis 4,9 Prozent, je nach LaufzeitBMW 4,9 Prozent, AnzahlungDucati, Vorjahresmodelle 0,49, aktuelle Modelle von 2,99 (Monster) bis 4,99 Prozent (999), AnzahlungHarley-Davidson 5,99 Prozent, Anzahlung, längere Laufzeit und ohne Anzahlung 6,99 Prozent, Buell 3,99 Prozent, AnzahlungHonda 0,07 ProzentKTM 1,9 bis 3,9 Prozent, je nach Laufzeit und Modell, AnzahlungMZ 2,9 ProzentKawasaki 0,49 ProzentSachs 0,0 ProzentSuzuki 0,09 ProzentTriumph 0,49 ProzentYamaha 0,09 Prozent, für YZ- und WR-Modelle 3,9 Prozent

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote