Motorradlärm und Tourismus (Archivversion) Über allen Gipfeln ist Unruh

Der Autor dieser Geschichte lebt im Schwarzwald, in einem idyllischen Dorf nahe des Feldbergs.
Er fährt selbst Motorrad, ärgert sich manchmal aber fürchterlich über Motorradfahrer.

Der Schwarzwald ist ein Freizeitpark. Gerade für Motorradfahrer. Doch während die einen gute Geschäfte mit den
Motorradlern machen, glauben andere, von ihnen bedroht zu
werden, und das existenziell. Ein Inhaber einer kleinen Pension: »Wir sind auf Familientourismus angewiesen, doch wegen des Lärms bleiben immer mehr Stammgäste weg.«
Es kommt zu Konflikten in den Gemeinden, in der Tourismusbranche, wie sich bei einer Diskussion zum Thema Motorradlärm im Frühjahr zeigte. Touristen auf zwei Rädern, die Landschaft und Kultur erkunden wollen, sind überall gern gesehen und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Mit Tourentipps (siehe Karte oben) und günstigen Pauschalangeboten sollen sogar noch mehr Motorradfahrer in die Region geholt werden. Weswegen Landrat Walter Schneideri Streckensperrungen, wie sie etliche Bürger rund um den Feldberg gefordert hatten, strikt ablehnte.
Gar nicht gern gesehen, weil nicht zu überhören, sind dagegen jene Fahrer, die öffentliche Straßen für Rennstrecken halten und mit offenen Rohren attraktive Strecken immer wieder rauf
und runter rasen. Die ihre Zeiten stoppen und zum Teil aus der
nahen Schweiz oder Frankreich einfallen, da ihnen die Bußgelder in Deutschland geradezu paradiesisch erscheinen. Gegen diese
Krawallisten müsse die Polizei vorgehen, verlangte nicht nur
der Landrat. Geht nicht, kam als Antwort, zu wenig Personal an Wochenenden und in der Ferienzeit. Ging dann doch, zum Teil
mit Unterstützung von Schweizer und französischen Kollegen.
Auf einer Pressekonferenz im Sommer wies die Polizei darauf hin, dass die Unfallzahlen 2005 zurückgegangen seien und schrieb das, natürlich, ihrem Einsatz zu. Man könnte diese Argumentation auch umdrehen und argumentieren: Hätte die Polizei schon früher kontrolliert oder allein durch ihre Präsenz ein vorsichtigeres Unterwegssein veranlasst, hätten sich vermutlich
einige Unfälle mit Verletzten oder Toten verhindern lassen. Wobei diese Logik wiederum darauf hinausliefe, dass einige Motorradfahrer ohne eine gewisse Androhung von Sanktionen sich nicht
so verhalten, wie es eine realistische Einschätzung des Verkehrs letztlich erfordert. Und wie es die Höflichkeit gebietet, wenn man sich mit anderen Menschen in einem Freizeitpark bewegt.
Bei unangemessenem Verhalten darf es auch nicht verwundern, wenn sich rabiate Sitten breit machen. So schlug eine Frau aus Präg allen Ernstes vor, man solle doch Straßenbeläge
verwenden, auf denen Autos normal schnell fahren können, Motorradfahrer jedoch zu langsamerem Tempo gezwungen werden.
Auf andere Weise, per Verordnung nämlich, hat man dieses Ansinnen ja bereits realisiert: am Randenaufstieg, wo Motorräder bei der Höchstgeschwindigkeit 20 km/h unter den Autos bleiben müssen (MOTORRAD 14/2005). Von diesem Unsinn, der alle Verkehrsteilnehmer gefährdet, wollte im Freizeitpark Hochschwarzwald, wo man auch darüber diskutiert hatte, letztlich keiner der Verantwortlichen mehr was wissen. Vorerst.

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