Motorradmuseen in Deutschland (Archivversion) Die haben sie noch alle

Bewegte Geschichte auf zwei Rädern – angesichts chromblitzender Schätze in 69 deutschen Motorradsammlungen und -museen geraten Kradler ins Schwärmen.

Sie möchten den feingerippten Fünf-Zylinder-Stern-Motor einer Megola bewundern. Oder sich am glatten Gehäuse-Design der Victoria Bergmeister erfreuen. Ob Sie auf Norton, Guzzi oder Zündapp abfahren, bei Werksrennern oder Mopeds der 50er-Jahre feuchte Augen bekommen: Für jeden Geschmack gibt es in den 69 Motorradmuseen, die MOTORRAD auflistet, etwas zu sehen. Wobei das Ambiente völlig unterschiedlich ist. Freizeit- und Erlebnisparks wie in Ziegenhagen und am Nürburgring liegen im Trend – mit zusätzlichen Attraktionen wie Gruselkeller, Kino oder Kart-Bahn. Motorrad-Oldtimer allein ziehen nicht genügend Publikum aus der Spaßgeneration an. »Nur ein Prozent der Bevölkerung interessiert sich für Veteranen und höchstens fünf für Museen«, klagt Axel Surup, Besitzer des Erlebnisparks Ziegenhagen. Die Betreiber der großen Technikmuseen haben´s begriffen, locken mit »Events« und präsentieren von der Lokomotive bis zum Flugzeug fast alles, was sich bewegt. Sinsheim zum Beispiel: 30 000 Quadratmeter Hallenfläche, 1500 Leute im Förderverein, 170 Angestellte und jährlich rund eine dreiviertel Million zahlender Gäste. »80 Prozent unserer Oldies sind Leihgaben unserer Mitglieder. Wir kaufen nicht alles an oder restaurieren es selbst. Deshalb sind wir so schnell so groß geworden«, sagt Karlheinz Böckle, Pressereferent des Sinsheimer Museums. Dessen Superlative übertrumpfen nur die von Bund und Ländern gesponsorten Sammlungen, etwa München und Berlin. Die kleinen privaten Museen dagegen leben oft vom Enthusiasmus ihrer Besitzer, die Zeit und Geld auf die liebevolle Restaurierung von Oldies verwenden. Bewahren statt wegwerfen. »Verdienen können Se nischt. Da kommt ein Besucher und mit dem spricht de zwei Stunden, da legst de ja drauf«, sagt Herbert Schmidt aus Bergholz. Im Kindinger Technikmuseum Kratzmühle arbeiten Vereinsmitglieder für null Mark Entgelt: von der Kasse bis zum Putzen. Versiegt der Idealismus, sinken die Chancen fürs Überleben. Viele bekannte Museen schlossen in den letzten Jahren: Bad Iburg, Rüdesheim, Eppstein, Seeon... Schade. Denn Klönen und Staunen über winzige Details und große Würfe lässt es sich leichter in der intimeren Atmosphäre solcher Sammlungen. Statt Rummel ein bisschen Stille zum Träumen über die glanzvollen Zeiten des Motorradbaus in Deutschland, als hundert Hersteller von ABC bis Zeugner im Berlin der 20er Jahre an Krädern bosselten. Kreatives Chaos herrscht auch in manchen Museen. Ob Scheune, Stall oder gar Dachgeschoss - drangvoll eng reihen sich Kräder und oftmals alle möglichen Ding gewordenen Leidenschaften aneinander: Puppen, Tanksäulen, Karbidlampen. Manche hängen ihr ganzes Herz an Motorräder, organisieren Teilemärkte, Werkstatttage, Rallyes und Fachliteratur. Einige besitzen große Sammlungen. Wie Walter Thede. Der Ostroher setzt aufs unrestaurierte Original: »Das wollen die Leute sehen.«

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