Motorradversicherungen 1999 (Archivversion)

Ruf doch mal an

Rabatte und Sonderregelungen erschweren den Durchblick im Versicherungsdschungel. MOTORRAD gibt Hilfestellung. Neu: die Hotline für individuelle Beratung.

Den Motorradfahrern bleibt bislang noch erspart, was den Autofahrern graue Haare wachsen läßt: der Typentarif. Chopper- und Supersportfahrer, Enduristen wie Tourenfahrer zahlen bislang dieselben Beiträge für die Haftpflichtversicherung, für Teilkasko und Vollkasko, wenn sie in derselben PS-Klasse stecken. Trotzdem: Sonderregelungen, verschiedene Schadensfreiheitsrabatte, Zweitfahrzeugtarife und so weiter erschweren den Überblick und damit den Vergleich zwischen verschiedenen Assekuranzen. Zudem tun sich im Tarifgefüge gewaltige Spannen auf: Mehr als 100 Prozent Differenz innerhalb einer PS-Klasse zwischen der billigsten und der teuersten Versicherung kommen durchaus vor. Wer sich auskennt, kann sein Bike heute durchaus günstig versichern: »Die Motorradfahrer sind brave Kunden«, meint Klaus Brandenstein vom Gesamtverband der Schadenversicherer. Denn die Zahl der Unfälle sei in den letzten Jahren stetig gesunken, wenngleich die Kosten pro Unfall im Schnitt mit 8200 Mark um 1600 Mark höher als bei den Pkw liegen.Mit der traditionellen Einteilung in PS-Klassen gibt sich die Versicherungswirtschaft aber nicht zufrieden. In naher Zukunft möchte sie den Typentarif , an dem sie schon eine Weile arbeitet, einführen: »Generelle Erhöhungen sind nicht zu erwarten, man wird die Prämien selektiv anpassen«, erklärt der Verbandssprecher.Der Typentarif wird 1999 wohl noch nicht kommen, eher im Jahr 2000. Hauptproblem sind nicht nur die kleinen Stückzahlen, sondern auch die vielfach fehlende Differenzierung der Modelle über die Typschlüsselnummer bei der Zulassung. Ohne einheitliche Erfassung läuft aber nichts. Und ob man sich den Tort antut, gleichzeitig das Computerproblem mit der Jahreszahl 2000, die Umstellung auf den Euro und auf den Typentarif zu bewältigen, bezweifelt Verbandssprecher Brandenstein stark.Wie ein Typentarif aussehen kann, führt seit zwei Jahren die Württembergische Allgemeine Versicherung als bislang einzige vor. »Unser Motorradgeschäft verzeichnet 15 Prozent Zuwachs, nur die Angebote für junge Sportfahrer sind für die Vertreter zum nahezu unverkäuflichen Produkt geworden«, weiß Ewald Hasselwander von der Württembergischen und zeigt damit zugleich den Knackpunkt auf. »Dafür sind wir bei Cruisern 50 Prozent unter dem Marktpreis«, frohlockt der Versicherungsmann.Ein Beispiel: Die beliebte Yamaha Drag Star mit 34 PS kostet jenseit von 25 Jahren bloß 189,50 Mark in der Haftpflicht bei 100 Prozent und 67,50 Mark bei Teilkasko mit 300 Mark Selbstbeteiligung. Ein Blick in nebenstehende Teuer-Billig-Tabelle der Typentariflosen zeigt: Das ist in der Tat preiswert. Die Kehrseite der Medaille: Der 23jährige Honda Fireblade-Fahrer käme mit 781,20 Mark für die Haftpflicht zwar noch vergleichsweise glimpflich glimpflich davon, 1330 Mark für die Teilkasko machen das Angebot aber indiskutabel. Hier zeigt sich schon, in welche Richtung der Typentarif gehen wird, sollte er je generell eingeführt werden. Welche Versicherung im Einzelfall die billigste ist, hängt mittlerweile für Biker von so vielen persönlichen Faktoren ab, daß die Suche zum Puzzlespiel gerät. Wer etwa eine in der Haftpflicht günstige Versicherung ins Auge faßt, stellt womöglich fest, daß die Teilkasko woanders viel billiger ist. Ein anderer Fall: Ein Motorradfahrer, der in der Haftpflicht bereits 45 Prozent Schadensfreiheitsrabatt angespart hat, sollte eher nach einer möglichst günstigen Prämie für den Diebstahlschutz Ausschau halten, denn die ist nicht rabattfähig. Der blutige Anfänger hingegen, noch mit 100 Prozent unterwegs, wählt die günstige Haftpflicht und wechselt die Versicherung, wenn er sich runtergedient hat.Eine an sich teure, große Versicherung, die jedoch großzügige Rabatte einräumt, kann im Endeffekt billiger sein als ein in der Grundprämie günstiger Direktversicherer, der über die Einstufung nach schadensfreien Jahren nicht mit sich reden läßt. Motorradfahrer, die dazu einen Pkw versichern - sogenannter Zweitfahrzeugrabatt - haben bei der Neckura etwa Anspruch auf niedrigere Tarife. »Regelreicht handeln kann, ja sollte man inzwischen mit seiner Versicherung«, rät Wolfgang Benn, Geschäftsführer der Wirtschaftsanalysen GmbH, ein beratungsunternehmen in Sachen Versicherungstarife. Um dem Tarifwirrwarr ein Ende zu setzen, bietet MOTORRAD ab sofort statt der bisher üblichen Tabellen eine Servicenummer an (siehe Kasten auf Seite 50), unter der sich jeder seine individuellen Prämien ausrechnen lassen kann.Noch etwas zur Vertragskündigung: Er ist immer zum Jahresende möglich - genau bis spätestens 30. November -, es sei denn, das Motorrad wird gewechselt, dann ist der Übergang zu einer anderen Assekuranz ebenfalls drin. Die günstigsten VersicherungspaketeGESELLSCHAFT Summe aus Haftpflicht 100 % und Vollkasko Summe aus Haftpflicht 45% und Teilkasko Haftpflicht Teilkasko(300 Mark Selbstbe-teiligung) Vollkasko(650 Mark Selbstbe-teiligung) 10 PS Dialog 136,10 85,39 92,20 43,90 DEVK Allgemeine 153,40 88,00 118,90 34,50 WGV 426,30 138,30 288,00 17 PS DA-Deutsche Allg. 174,80 115,07 108,60 66,20 Bruderhilfe 220,90 130,15 165,00 55,90 Die Alternative 695,20 129,70 565,50 27 PS Auto Direkt 311,30 194,59 212,20 99,10 Bruderhilfe 347,00 198,65 269,70 77,30 Die Alternative 1383,20 239,90 1143,30 50 PS Auto Direkt 357,20 227,45 235,90 121,30 Bruderhilfe 417,20 241,86 318,80 98,40 WGV 1730,40 251,30 1479,10 78 PS Auto Direkt 450,10 308,97 256,60 193,50 Bruderhilfe 490,00 302,89 340,20 149,80 WGV 2445,60 273,50 2172,10 98 PS Europa 705,90 485,73 400,30 305,60 Dialog 691,20 452,55 433,90 257,30 WGV 3831,60 429,90 3401,70 über 98 PS WGV 1094,90 757,91 612,70 482,20 Die Alternative 1148,40 770,71 686,70 461,70 Dialog 7794,00 742,70 7051,30Zur Tabelle: Für jede Leistungsklasse wurde die günstigste Gesellschaft in Haftpflicht, Teil- und Vollkasko ermittelt, jeweils fett gedruckt; vorne steht die sich jeweils daraus ergebende Summe. Alles Jahresprämien;
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Kommentar (Archivversion) - «Stammkunden werden gemolken“

Altverträge haben oft höhere Kaskoprämien. Ärgerlich, daß die Versicherer gern vergessen, auf die günstigen Neuprämien umzustellen
Während sich die Versicherungen mit Lockangeboten und Rabatten öffentlichkeitswirksam um neue Kunden balgen, ist der Stammkunde, der jahrelang dasselbe Motorrad fährt, eine bequem zu melkende Kuh. Für Altverträge gelten vielfach die alten, oft teureren Kasko-Tarife. Eine schöne Mehreinnahme für die Versicherungen. Die Prämien entsprächen dem Risiko zur Zeit des Vertragsabschlusses, heißt es auf Nachfrage lapidar. Ein schwaches Argument. Warum muß die Prämie hoch bleiben, obwohl das versicherte Risiko gesunken ist? Denn aus genau diesem Grund sind bei Neuverträgen die Prämien günstiger. Motorradfahrer, denen das nicht auffällt, zahlen drauf. Fair wäre, wenn die Versicherung den Kunden mit Altvertrag schriftlich darauf hinweist, daß er umgestellt werden kann, wenn die aktuellen Prämien gesunken sind. Wenn die Beiträge steigen, ist den Versicherern der Aufwand für die extra Post ja auch nicht zu groß.

Versicherungstarife 1999: Übersicht und Info (Archivversion)

Brandneu ist die Service-Hotline von MOTORRAD für die Tarifberatung. Unter der Telefonnummer 0190/77 44 75 kann sich jeder seine individuelle Prämie ausrechnen lassen, egal ob fürs Motorrad, den Roller, das Leichtkraftrad oder das Mofa. Partner von MOTORRAD ist die WHW Wirtschaftsanalysen GmbH, Alter Postweg 41, 21614 Buxtehude. Der Dienstleister WHW verkauft selbst keine Versicherungen, sondern Beratung und Datenbankrecherche der Tarife von über 100 Versicherern. Die Anwahl der Servicenummer kostet 2,42 DM pro Minute, die Leitung ist geschaltet montags bis freitags von 9.00 bis 13.00 Uhr und von 16.30 bis 19.30 Uhr. Für die ebenfalls mögliche schriftliche Analyse bezahlt der Kunde 12,50 Mark. Diesselben Infos sind auch per Internet kostenpflichtig abrufbar. Adresse: http://www.whw.de.Je mehr persönliche Faktoren in die Berechnung einfließen können, desto genauer ist die von der WHW errechnete Prämie. Folgende Unterlagen sollten bereitgehalten werden:· der Fahrzeugschein · die letzte Beitragsrechnung mit der Einstufung in die Schadenfreiheitsklasse · die Führerscheindaten

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