Motorradversicherungen 2001 (Archivversion)

...bis aufs letzte Hemd

Auch das noch: Die Versicherungsbranche stellt die Tarife um, Anfänger kommt´s vermutlich teurer, Unfallfahrer sowieso.

Hans-Dieter Meyer vom Bund der Versicherten kann wegen der Praktiken der Versicherungsgesellschaften richtig sauer werden. »Das System der Tarifeinstufungen, nach dem Anfänger und Jugendliche mehr zahlen müssen als Fahrer, die schon länger im Besitz eines Fahrzeugs sind, ist total falsch, ebenso die Regionaltarife«. Für den Verbraucherschützer ist allein die Schadenshäufigkeit maßgeblich und nicht das Alter, oder andere willkürliche Zuordnungen zu einer statistisch konstruierten Gruppe.Was der gute Mann zu Recht beklagt, nämlich die immer feinere Differenzierung in immer mehr Tarifgruppen, hält Klaus Brandenstein, Sprecher beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) für »Prämiengerechtigkeit«. In Zukunft werden die versicherungsmathematischen Berechnungen der Assekuranzen den Motorrad-Neulingen den Einstieg noch schwerer machen. Denn die Rabatte der Haftpflichtversicherung staffeln sich künftig von der Schadensfreiheitsklasse 0 (SF 0 = 100 Prozent) bis zur 10 (SF10). Die billigste Prämie ist also dann nicht schon wie bisher nach drei, sondern erst nach zehn schadenfreien Jahren erreicht. Dafür reicht die niedrigste Staffelung – bisher 45 Prozent - weiter runter. Alte Hasen fahren also vermutlich demnächst preiswerter Motorrad. Eine genaue Zahl hierzu war den Assekuranzen allerdings genau so wenig zu entlocken wie zur Einstufung der Anfänger. Die müssen sich auf alle Fälle warm anziehen. Sie erwartet eine Einstiegsprämie, die über 100 Prozent liegen dürfte. Auch bei der Teilkasko wird es Schadenfreiheitsklassen bis SF 10 geben. Problempunkt: Die Umstellung von Altverträgen, falls der Kunde es wünscht, und die Einstufung von Neuverträgen, wenn vorher schon ein Fahrzeug versichert war. Gerade wird an einem Modus gebastelt, wie schadenfreie Jahre angerechnet werden können. Eine sinnvolle Neuerung, mit der sicher auch Hans-Dieter Meyer leben könnte, dürfte die Einführung des Bonus-Malus-Systems sein. Wer häufiger einen Crash baut, muss dermnächst mehr zahlen als ein Anfänger. Wildschäden werden künftig nicht mehr durch die Teilkasko, sondern nur noch von einer Vollkaskoversicherung gedeckt. Für letztere wird es ebenfalls eine Tarifstruktur ähnlich der Haftpflicht geben. Schließlich plant die Versicherungsbranche einen Tarif nach Regionalklassen, wie seit langem beim Pkw bekannt.»Gestorben und begraben ist der Typentarif für Motorräder«, verkündet GDV-Sprecher Brandenstein. Typentarif, das hätte bedeutet: die bedächtigen Chopper-und Cruiserfahrer wären günstiger davongekommen, während Fahrer hochkarätiger Sportmaschinen ihre Lust auf Speed teuer hätten bezahlen müssen.Eins bleibt festzuhalten: Bestehende Verträge werden nicht geändert, es sei denn, der Kunde möchte es. Tut er nichts, läuft der alte Vertrag zu den alten Bedingungen und zu den alten Tarifen weiter. Wer jedoch einen Neuvertrag abschließt, sei es bei einem Fahrzeugwechsel oder einem zusätzlichen Motorrad, muss mit den neuen Bedingungen leben. Ab wann die in Kraft treten, darüber darf noch spekuliert werden. Der früheste Termin wäre der Sommer 2001, käme nicht die Einführung des Euro hinzu. Da praktisch alle Prämien neu kalkuliert werden müssen, wird die Einführung der neuen Tarifstruktur wohl gemeinsam mit dem Euro zum ersten Januar 2002 erfolgen. »Im kommenden Jahr werden die Beiträge leicht, aber nicht dramatisch steigen«, meint Walter Benn von WHW Wirtschaftsanalysen, dem Beratungsunternehmen für Versicherungstarife, das auch MOTORRAD-Leser betreut. Unter der ab sofort wieder geschalteten Servicenummer (siehe obigen Kasten) können Sie sich die günstigste Versicherung nennen lassen. Motorradfahrer, die erst seit kurzem auf zwei Rädern unterwegs sind, tun gut daran, wegen der neuen Tarifstrukturen jetzt bereits ein paar Mark auf die Seite zu legen. Es macht sogar Sinn, den ohnehin geplanten Neuerwerb eines Motorrads schon auf die kommende Saison vorzuverlegen, damit ein Vertrag noch zu den alten Bedingungen abgeschlossen werden kann. Denn umsteigen auf die neuen kann man immer. Der Rückweg hingegen ist verbaut.
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Versicherungen 2001: Tipps und Info über Änderungen (Archivversion) - Tipps zum Versicherungswechsel

Seinen Versicherungsvertrag kündigen und zu einer anderen Versicherung wechseln kann man bei Fahrzeugwechsel, bei einer Prämienerhöhung oder vier Wochen vor Vertragsablauf. Der meist auf den ersten Januar fällt, daher der übliche Kündigungstermin 30. November. Ist das Motorrad stillgelegt, kann der ruhende Vertrag nicht gekündigt werden. Er verlängert sich um die Dauer der Stillegung. Bei Saisonkennzeichen läuft der Vertrag auch während der Ruhezeit weiter. Eine Kündigung ist daher auch während dieser Zeit möglich. Ist das Datum des Vetragsablaufs nicht der erste Januar, sondern etwa das Saisonende, müssen Sie entsprechend vorher kündigen. Wenn die Versicherungsgesellschaft bei Vertragsabschluss eine Wahlmöglichkeit einräumt, sollten Sie immer den ersten Januar wählen.Bei der Teilkaskoprämie gibt es (noch) keinen Schadenfreiheitsrabatt. Wer also in der Haftpflicht beispielsweise mit 45 Prozent fährt, sollte auch auf eine möglichst günstige Prämie für den Diebstahlschutz achten. Gerade bei Verträgen, die schon ein paar Jahre laufen, ist es ratsam, die eigenen Prämien mit den aktuellen Tarifen zu vergleichen. In den Genuss der womöglich inzwischen deutlich gefallenen Preise kommt vor allem bei der Kasko nur, wer sich darum kümmert – und den Vertrag umstellen läßt. Nicht vergessen nachzufragen, welche Vertragsbedingungen sich noch ändern. Zum Beispiel eine ungünstigere Rückstufung beim selbst verschuldeten Unfall.

Service-Hotline (Archivversion)

Ab sofort gibt es wieder die Service-Hotline von MOTORRAD für die Tarifberatung. Unter der Telefonnummer 0190/77 44 75 kann sich jeder seine individuelle Prämie ausrechnen lassen, egal ob fürs Motorrad, den Roller, die 125er. Partner von MOTORRAD ist die WHW Wirtschaftsanalysen GmbH, Alter Postweg 41, 21614 Buxtehude. WHW verkauft selbst keine Versicherungen, sondern ist Dienstleister, berät und recherchiertn Daten von über 100 Versicherern. Die Kosten der Servicenummer betragen 2,42 DM pro Minute, die Leitung ist montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr und von 16.30 bis 19.30 Uhr geschaltet.WHW ist auch im Internet präsent unter www.whw.de. Je mehr persönliche Faktoren in die Berechnung einfließen können, desto genauer ist die von der WHW errechnete Prämie. Folgende Unterlagen sollten bereitgehalten werden:- Fahrzeugschein- Letzte Beitragsrechnung mit der Einstufung in die SF- Klasse- Führerscheindaten

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