MuZ in Konkurs: Report über den Niedergang (Archivversion)

Der Gründer der Zschopauer Maschinenfabrik Jörgen Skafte Rasmussen baut ab 1919 einen Fahrradhilfsmotor im Zweitakt, den er mit dem Werbespruch »DKW, das kleine Wunder« in den Markt bringt. Bereits 1928 ist Rasmussens Unternehmen, das inzwischen DKW Zschopauer Motorenwerke heißt, mit 40 000 produzierten Einheiten pro Jahr der Welt größter Motorradhersteller. 1932 schließt sich DKW mit Audi, Horch und Wanderer zur Auto Union DKW zusammen. Bis zum Kriegsende fertigt das DKW-Werk in Zschopau 650 000 Motorräder. 1956 wird das Werk in MZ Motorradwerk Zschopau umbenannt. In den 60er Jahren baut MZ jeweils über 60 000 Motorräder pro Jahr, der Rekord wird 1974 mit 86 740 Stück erreicht. 1983 rollt das zweimillionste Motorrad, eine ETZ 250, vom Band. 1990, im Jahr nach der Wende, übernimmt die Treuhandanstalt MZ. Das Zschopauer Werk hat noch 3200 Mitarbeiter. Bereits 1991 häufen sich die Verluste aufgrund des Wegfalls der Märkte in den sozialistischen Ländern auf 81 Millionen Mark. Am 1. Juli 1992 wird die Motorrad -und Zweiradwerk GmbH (MuZ) gegründet. Land und Bund gewähren Bürgschaften von zunächst 32 Millionen Mark. Mit 80, später 240 Mitarbeitern werden neue Viertaktmodelle entworfen und gebaut, erst mit Rotax-Einzylindern (Silver Star Classic), später mit Yamaha XTZ 660-Antrieb unter dem Namen Skorpion. Der Verkauf ist schleppend, 1994 werden nur 3800 Fahrzeuge abgesetzt, Weihnachten steht MuZ vor dem Konkurs, 60 Leute werden entlassen. Weitere Subventionen in Millionenhöhe verzögern das vorläufige Ende der Firma bis zum Sommer 1996. Am 10. Juli stellt MuZ den Antrag auf Gesamtvollstreckung. Quelle u.a.: Peter Kurze und Christian Steiner, Motorräder aus Zschopau, DKW-Auto Union-MZ 1922 - 1994, Bogenschützverlag, Bremen 1994

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