Nachrüstschalldämpfer (Archivversion)

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Infos rund um das immer aktuelle Thema Nachrüstendtöpfe.

Eigentlich hätte an dieser Stelle ein
großer Auspufftest stehen sollen. Doch es kam anders. MOTORRAD wollte zwölf Nachrüstdämpfer an einer Honda CB 1300 ausprobieren, musste dann aber feststellen, dass das Testfahrzeug bereits mit der Originalanlage den für die Überprüfung von Nachrüstdämpfern zulässigen Tole-
ranzwert überschritt.
Lediglich 78 dB (A) Fahrgeräusch stehen bei der CB 1300 als Typprüfwert in den Fahrzeugpapieren. Für die Homologation von Nachrüstdämpfern darf das Testfahrzeug diesen Wert um maximal ein dB (A) überschreiten. Fakt war jedoch, dass die Honda mit 80,2 dB (A) gemessen wurde.
Als Versuchsfahrzeug für den Auspufftest schied das laut Honda absolut serien-
mäßige Pressemotorrad somit aus, und eine andere Maschine fand sich auf die Schnelle nicht.
Dabei bewegt sich Honda durchaus im produktionstechnisch erlaubten Rahmen. Bei einer Überprüfung der Serienfertigung darf der Fahrgeräuschwert eines Motorrads nämlich bis zu drei dB (A) über dem eingetragenen Typprüfwert liegen, generell aber 81 dB (A) nicht überschreiten. Dumm nur, dass die CB 1300 durch diese großzügige Ausnutzung der Serientoleranz für den Auspufftest ausschied. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben: MOTORRAD plant, im Lauf des Sommers einen Schalldämpfer-Test mit einem anderen Modell nachzuholen.
Allgemein können Geräuschmessungen im öffentlichen Straßenverkehr für Motorradfahrer unangenehme Folgen haben. Den prüfenden Polizeibeamten am Straßen-
rand ist es nämlich völlig egal, ob der am Motorrad angebaute Dämpfer serienmäßig ist oder eine EG-Betriebserlaubnis besitzt – wenn die Maschine bei der vor Ort durchgeführten Überprüfung des Standgeräuschs zu laut ist, gibt es eine Mängel-
karte, und ein Verwarnungsgeld ist fällig. Bei extremer Geräuschüberschreitung kann das Fahrzeug sofort stillgelegt werden.
So oder so muss der Fahrer bei nächs-
ter Gelegenheit einen legal lauten Dämpfer präsentieren. Wer der lediglich als Anhaltspunkt dienenden Standgeräuschmessung keinen Glauben schenkt, kann eine teure Fahrgeräuschmessung durchführen lassen, muss jedoch im Fall einer Überschreitung von mehr als einem dB (A) gegenüber des in den Fahrzeugpapieren eingetragenen Typprüfwerts für die anfallenden Kosten aufkommen. Das gilt auch für Besitzer von Motorrädern mit Serienauspuff.
Hat man ein Exemplar erwischt wie die eingangs erwähnte Honda, ist’s dumm gelaufen. Glücklicherweise drückt die Polizei in vielen Fällen ein Auge zu, wenn offensichtlich ist, dass am Schalldämpfer nicht manipuliert wurde. Wer aber ein Motor-
rad mit intaktem Serienauspuff bewegt oder einen EG-zugelassenen Dämpfer anbaut und dann »verknackt« wird, sollte sich vielleicht rechtliche Schritte überlegen,
um Fahrzeug- beziehungsweise Auspuff-
hersteller zur Verantwortung zu ziehen.
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Auspuffanlagen: Info zu Nachrüstschalldämpfern allgemein (Archivversion) - EG-Betriebs erlaubnis

Welche Kennziffer steht für welches Land?
Nachrüstschalldämpfer mit EG-Betriebserlaubnis benötigen zur Legitimation keine Papiere, sondern lediglich eine sichtbare Prägung oder Plakette
mit der entsprechenden Genehmigungsnummer. Diese
Nummer besteht aus einem kleinen »e« mit einer Zahl
in einem Rechteck. Das »e« steht für die Zulassung nach EG-Richtlinien, die Zahl (bei den jüngsten Mitgliedsstaaten Malta und Zypern handelt es sich um Buchstabenkombinationen) neben dem »e« gibt an, in welchem der 26 EG-Länder die Genehmigung für den Nachrüstdämpfer erteilt wurde.

Auspuffanlagen: Info zu Nachrüstschalldämpfern allgemein (Archivversion) - Kat: ja oder nein?

Dürfen an Motorräder, die serienmäßig mit einem Kat ausgerüstet sind, EG-geprüfte Nachrüstdämpfer ohne Kat angebaut werden?
Die Antwort lautet: ja. Zumindest, wenn der Austauschdämpfer vor dem 18. Mai 2006 homologiert wurde und eine EG-Genehmigung besitzt. Für alle später geprüften Anlagen gilt die Richtlinie 2005/30, die für Motorräder mit Kat im Endschalldämpfer nur noch Nachrüstdämpfer mit Kat zulässt. Für Maschinen, bei denen der Kat in den Krümmern steckt, spielt die neue Richtlinie keine Rolle, da bereits der Serien-Endtopf ohne
Kat auskommt und somit auch Austauschdämpfer keinen benötigen. Und was passiert jetzt bei der Abgasuntersuchung (AUK), wenn die Abgaswerte mit nach altem Recht genehmigten, katlosen Nachrüstdämpfern zu hoch sind? In der Praxis verhalten sich die allermeisten Prüfstellen kulant, da sie von dem Gesetzeskonflikt zwischen EG- und deutschem Recht wissen. Ein Vermerk im Prüfbericht weist auf die erhöhten Abgaswerte hin. Lediglich für die ab 2006 nach Euro 3 homologierten Motorräder mit Katalysator im Endschalldämpfer gilt diese Regelung nicht – auch deren Zubehördämpfer benötigen einen Kat. Wer an diese einen anderen Auspuff anbaut, wird spätestens bei der ersten
fälligen AUK Probleme bekommen.

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