Nachruf Hans-Otto Butenuth (Archivversion) Mach`s gut, Hans-Otto

Rennenfahren war sein Leben. Hans-Otto Butenuth fuhr von 1961 bis letztes Jahr die Tourist Trophy auf der Isle of Man, war deutscher Meister und BMW-Werksfahrer.

Hans-Otto Butenuth aus Dortmund starb am 20. August 67-jährig. Noch am 17. Mai war er im tschechischen Horitze ein Oldtimerrennen gefahren, auf der TT startete er letztes Jahr auf einer Honda CBR 600. »Verrat bloß nicht mein Alter«, bat der Junggebliebene noch 1993 den Autor dieser Zeilen. »In Deutschland krieg’ ich ja gar keine Lizenz mehr.« Damals war er 63, besaß eine in Frankreich ausgestellte Internationale Lizenz, fuhr in der Supersport 600-Klasse noch einen Schnitt von knapp 100 Meilen pro Stunde - etwa 160 km/h. Spitzbübisch freute er sich darüber, daß er so manche Rennfahrerkollegen hinter sich lassen konnte, die vom Alter seine Söhne hätten sein können. Die Stationen seines Rennfahrerlebens sind in ein paar Sätzen gar nicht unterzubringen. Nur ein Auszug: 1971 wurde er deutscher Meister in der 500er Klasse, er fuhr für BMW Langstreckenrennen, pilotierte beim Bol d’Or zusammen mit Leon Chemarin eine Werks-Honda, wurde 1974 auf einer BMW R 75 mit 1000-cm³-Werksmotor Zweiter bei der Senior TT auf der Isle of Man - damals noch ein Weltmeisterschaftslauf. Hinter Mick Grant und vor Helmut Dähne. 1979 erwischte es Hans-Otto: Er mußte sich einer Herzoperation unterziehen. Er verweilte auf Kur in Bad Salzuflen. »Das hab’ ich kaum ausgehalten unter den vielen Kranken. Ich wollte doch beim DM-Lauf auf der Avus in Berlin starten. Da hab’ ich dem Arzt ein Märchen aufgetischt. Mein Vater wäre schwer krank und läge in der Charité in Berlin. Ich müßte ihn unbedingt am Wochenende besuchen.« Der Doktor schluckte die Story und gab Hans-Otto Wochenendurlaub. »Da bin ich Rennen gefahren, Schnellster im Training, bin dann aber im Rennen ausgefallen.« Das war knapp sechs Wochen nach seiner Herzoperation. Seine Frau Margot, mit der er seit 1960 verheiratet war und ihn bei fast allen Rennen begleitete: »Mein Mann war ein richtiges Stehaufmännchen. Nicht kleinzukriegen.« Hans-Otto war so vom Rennbazillus befallen, daß er extra seinen Job als Flugzeugmechaniker bei der Royal Air Force in Hamburg, später in Köln aufgab und auf dem Bau als Schlosser schaffte. Margot Butenuth: »Da konnte er öfters mal ein paar Tage abknapsen, um mehr Zeit zum Rennenfahren zu haben.« Das hätte beinahe ein böses Ende genommen. »Gleich bei meinem ersten Rennen während der TT auf einer Norton Manx - 1963 war das - bin ich bei Vollgas schwer verunglückt. Direkt nach Start und Ziel.« Seine Frau, die im Fahrerlager weilte, erhielt die Nachricht, ihr Mann sei tot. So schlimm kam’s aber nicht. Hans-Otto machte das erste Mal Bekanntschaft mit dem Nobles Hospital in Douglas, der Hauptstadt der Isle of Man. »Ich hatte bloß ein Bein gebrochen. Aber das war damals eine Knochenmühle.« Nicht, daß er dort Dauergast geworden wäre. Aber ein paarmal mußte er schon noch hin. In der berüchtigten scharfen Rechtskurve des TT-Kurses bei Sarah’s Cottage, benannt nach einer resoluten Dame, die dort einen kleinen Kotten bewohnte, durchbrach Hans-Otto das Holztor und spießte sich ein paar Holzsplitter in den Kiefer. Das mußte auch irgendwann in den 60ern gewesen sein. »Ich blutete wie ein Schwein, und Sarah hat mich auf ihr Sofa gelegt und versorgt. Das war mir ziemlich peinlich, weil ich doch ihre Blumenbeete kaputtgemacht habe.« Hernach ging`s wieder ins Nobles. Der fröhliche Dortmunder pflegte im Fahrerlager der TT ganze Trauben von Fans um sich zu scharen - Junge wie Alte -, wenn er in einer lustigen Mischung aus Deutsch und Englisch solche Anekdoten zum besten gab. Ein Rennfahrer der alten Schule: keine Allüren, immer Zeit für einen Plausch. In Großbritannien gehörte er wohl zu den bekanntesten deutschen Rennfahrern - wie in den 30er Jahren Schorsch Meier und später Helmut Dähne. Zur Beerdigung reiste ein Gesandter der Regierung der Isle of Man nach Dortmund, und das britische Fernsehen widmete dem beliebten Deutschen ein zehnminütiges Porträt. Der Nachruf endete mit den Worten: »We miss you, Hans-Otto.“

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