Nachruf Schorsch Meier (Archivversion) Mensch Meier

Schorsch Meier, der schon zu Lebzeiten zur Legende gewordene Rennfahrer, ist mit 88 Jahren gestorben. Der Bayer war ein echter Tausendsassa: auf zwei und vier Rädern, auf der Straße und im Gelände.

Der Mann war ein Erlebnis. Die Rennfans der 30er und 50er Jahre faszinierte Schorsch Meier mit seinem rasanten Fahrstil und unzähligen Triumphen, jüngere Zeitgenossen fesselte der Bayer mit brillanten Erzählungen aus seiner Bilderbuch- Karriere. Nun ist der große alte Mann des deutschen Motorradsports gestorben. Schorsch Meier erlag am 19.Februar in München im Alter von 88 Jahren einem Herzinfarkt.Wenn Meier seine Ankedoten zum besten gab, blitzte stets der Schalk aus seinen Augen. Der begnadete Geschichtenerzähler nahm nicht nur andere, sondern auch sich selbst gern auf die Schippe und hatte so die Lacher rasch auf seiner Seite. An Gesprächsstoff mangelte es Schorsch Meier nie, denn er hat viel erlebt in seiner langen und ungewöhnlichen Laufbahn als Rennfahrer. 1930 war er als 20jähriger Spund zur Münchner Polizei gekommen und gehörte mit seinen Kollegen bald zu den Besten bei den harten Gelände- und Zuverlässigkeitsfahren jener Zeit. Schnell hatte er den Ruf »Der Gußeiserne« weg.Bei den Sixdays 1937 in Wales gewann Schorsch Meier das Abschlußrennen auf dem Straßenkurs von Donington Park. Anschließend durfte er in Schleiz erstmals die 500er Kompressor-BMW testen und fuhr noch im selben Jahr sein erstes Straßenrennen - Platz vier in Hockenheim.Von da an ging`s steil bergauf. 1938 holte der Newcomer auf Anhieb die mit der heutigen WM vergleichbare Europameisterschaft. 1939 mischte der Tausendsassa nicht nur auf zwei Rädern mit, sondern hatte obendrein noch einen Vertrag als Werksfahrer bei der Auto Union für die damalige Formel 1 des Automobilsports in der Tasche. Die schmal bereiften Heckmotor-Rennwagen mit ihren knapp 500 PS waren schwer zu bändigen. Doch Multitalent Meier erledigte auch diesen Job mit Bravour. Bestes Resultat: Platz zwei beim französischen Grand Prix.Das Highlight der Saison 1939 war aber zweifelllos der sensationelle Sieg mit der 500er Kompressor-BMW bei der Senior-TT auf der Isle of Man. Schorsch Meier hatte das Kunststück geschafft, dieses Prestige-Rennen als erster Nicht-Brite auf einer ausländischen Marke zu gewinnen - die englische Rennszene war geschockt.Der Zweite Weltkrieg stoppte Meiers Höhenflug. Danach fiel es dem deutschen Motorrad-Idol schwer, wieder international Fuß zu fassen. Als Anfang der 50er Jahre die WM startete, war der BMW-Pilot nicht mehr der Jüngste und hatte nach dem Kompressor-Verbot auch technisch ziemlich schlechte Karten gegen die Konkurrenz von AJS, Gilera und Norton. So beschränkten sich Meiers Erfolge im Straßensport nach dem Krieg auf heimische Gefilde. 1953 klang die Rennfahrer-Karriere mit dem siebten nationalen 500er Titel aus, eine zweite, ebenso erfolgreiche als Auto- und Motorradhändler für BMW folgte.Schorsch Meier war bis ins hohe Alter mit guter Gesundheit gesegnet. So konnte er den Ruhestand aktiv genießen und noch lange seinen Hobbies Motorradfahren, Urlaubsreisen mit der Familie oder Skilaufen frönen. Auch der Fußball faszinierte den schon zu Lebzeiten zur Legende gewordenen Motorsportler. Kaum ein Heimspiel des FC Bayern hat Schorsch Meier ausgelassen. Von seinem Münchner Haus zum Olympiastadion fuhr er natürlich auf zwei Rädern - allerdings durch Muskelkraft betrieben.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote