ADAC-Minibike-Schnupperkurs Motorrad-Nachwuchs - wer unterstützt die jüngsten Piloten?

Alle reden im Motorsport von Nachwuchsarbeit. Aber wo beginnt die, und wer unterstützt die Jüngsten bei ihren ersten Geh- oder besser Fahrversuchen? Fragen, denen der Autor notgedrungen nachgehen musste.

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Es reicht! Christian hat genug davon, immer nur mit dem Fahrrad und angetäuschtem Hanging-off ums Haus zu rauschen. Er will auf einem richtigen Motorrad sitzen und Gas geben. Wie sonntags Bradl und Stoner auch.

Also stapft er, Fahrradhelm in der Hand, zum Papa, um dort mit treuherzigem Blick seinen Wunsch vorzutragen. Und damit hat nun der Papa ein Problem. Wie wahrscheinlich die allermeisten Eltern, deren Sprösslinge den gleichen Wunsch hegen: Wie kommt der Motorsport-Nachwuchs aufs Motorrad?

Welche Maschinen gibt es? Woher die Ausrüstung nehmen? Wo kann man fahren? Wer bringt es den Steppkes bei? Und überhaupt: Muss jetzt Haus und Hof verpfändet werden, um eine komplette Ausrüstung nebst Motorrad zu kaufen, nur um kurz darauf festzustellen, dass das doch der falsche Sport ist? Nein, der Einstieg ist viel einfacher. Wer nicht das Glück hat, einen Motorsportklub mit Strecke vor der Haustür zu haben, dem bietet der ADAC auf verschiedenen Kartstrecken von Hamburg bis Bayern spezielle Minibike-Schnupperkurse für den Nachwuchs an. Auf der ADAC-Motorsport-Homepage findet sich eine Übersicht mit den einzelnen Kursen, Terminen und Ansprechpartnern.

Motorrad, Bekleidung, Instruktoren, Strecke - alles wird gestellt. Und das für sensationell günstige 30 Euro (ADAC-Mitglieder 25 Euro). Einzige Voraussetzung: Der Spross muss mindestens acht Jahre alt sein. Diese Hürde hat Christian wenige Wochen zuvor genommen. Also den nächstgelegenen Kurs ausgesucht und angemeldet.

Szenenwechsel: Kartbahn Bopfingen, Samstagfrüh, neun Uhr. Sieben aufgeregte wie neugierige Youngster lauschen gebannt dem Instruktor, der sie - und die Eltern - auf das vorbereitet, was in den nächsten drei Stunden auf sie wartet. Der Redner ist Steve Jenkner, ehemaliger 125er-GP-Pilot- und derzeit unter anderem für Bridgestone in der MotoGP tätig. Zusammen mit Rico Stoll, im richtigen Leben Mitinhaber eines Motorradhauses, führt er im Auftrag des ADAC seit gut fünf Jahren die Jüngsten ans Motorrad heran.

Die Begrüßung fällt erfreulich kurz aus, dann geht’s zum Einkleiden. Schwabenleder-Kombis, ordentliche Stiefel und Handschuhe, Helme - die im Transportanhänger untergebrachte Kleiderkammer macht einen properen Eindruck. Jeder findet etwas Passendes.

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Die Ungeduld ist groß, doch ehe es das erste Mal auf die Maschinen geht, muss noch etwas Theorie sein. Ruhig erklärt Jenkner, was auf die Kids wartet, wenn man das erste Mal das Gas aufdreht, was zu tun ist, wenn man anhalten möchte. Zieht Vergleiche zum Fahrradfahren. Das kennen sie schließlich alle, das leuchtet ein. Und dann geht es auch schon das erste Mal aufs Motorrad.

Natürlich haben nicht alle so wie Christian von Tuten und Blasen noch keine Ahnung. Manche bringen bereits Erfahrung mit - vom Crossen oder vom Pocket-Bike-Fahren - und wollen jetzt auf „richtige“ Straßenrenner umsteigen.

Deshalb wird die Gruppe geteilt. Jenkner verdrückt sich mit den Erfahreneren auf den hinteren Streckenteil. Rico Stoll nimmt sich der absoluten Novizen an. Zwei Honda CRF 70-Crosser mit Halbautomatik tuckern bereits betulich im Leerlauf vor sich hin. Erste Lektion: anfahren und wieder anhalten. Spüren, wie der Motor auf Befehl der rechten Hand, nicht Beine und Pedale, das Vehikel in Bewegung setzt. Zwei Ründchen lang wird das ein ums andere Mal geübt, Rico Stoll stets an der Seite seines Schützlings. Dann dürfen bereits kleine Runden gefahren werden. Ohne Unterstützung. Und es klappt.

Wackelig zwar - jede Wette, mit dem Fahrrad wären die Jungs rasanter unterwegs -, aber es klappt. Christian und die anderen strahlen um die Wette. Uff, der erste Kontakt mit Motorleistung und Fahrphysik ist ohne Zwischenfall überstanden. Verschnaufpause gibt es aber keine. Denn jetzt geht es auf richtige Renner. Mit Schaltung. Die Zweitakt-Honda NSR 50, die bereitstehen, entsprechen genau jenen rund 7 PS starken Maschinen, mit denen die Allerjüngsten auch in der Einsteigerklasse des ADAC-Minibike-Cups antreten.

Gerade mal eine Stunde läuft der Kurs, und schon machen sich die Youngster daran, das Anfahren mit Kupplung zu üben. Die Motörchen rödeln mit drei- bis viertausend Umdrehungen, rollen an, hier und da mit kleinen Bocksprüngen. Aber die Kinder fahren an, halten, fahren an. Und Rico Stoll im Laufschritt stets am Mann. Er hält aber auch seine Jungs auf Trab. Denn gleich darauf wird Schalten geübt.

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Einfühlsam und mit enormer Geduld erklärt er seinen gebannten Zuhörern anhand seiner ausgestreckten fünf Finger, wo die Gänge liegen, wo der Leerlauf. Lässt sie erst einmal per Trockenübung das Zusammenspiel von Gashand, Kupplung und Schaltfuß spüren, ehe er sie auf die Strecke begleitet. Anfahren, Zweiter, Dritter, wieder zurück, anhalten. Stoll macht an diesem Vormittag ganz schön Meter. Aber die Jungs sind motiviert. Machen alles richtig. Und dürfen als Krönung zum Schluss endlich ganze Runden fahren. Mit Anfahren, Schalten, Kurven. Und ohne Begleitung.

Am Morgen noch völlig ahnungslos, dreht auch Christian bereits nach zwei Stunden Kursus seine ersten eigenen Runden. Derweil steht Steve Jenkner mit Notizblock an der Strecke und beobachtet seine Schützlinge, macht Notizen über die Lernfortschritte. Schließlich sollen die Kinder nicht nur mit Spaß aufs Motorrad gebracht werden.

Der nächste Schritt nach dem Schnupperkurs ist ein eintägiges Talenttraining, bei dem sich zwei Kinder, begleitet von einem -Instruktor, ein Motorrad teilen. Und wer heute einen ordentlichen Eindruck hinterlassen hat, erhält vom ADAC dazu eine Einladung. Doch für heute ist es genug. Drei Stunden, in denen pausenlos Neues auf die Kinder eingeprasselt ist, haben die Konzentration weitgehend aufgebraucht. Zumindest bei Christian. Der ist auf der Heimfahrt erschöpft, aber glücklich. Der Anfang ist erfolgreich gemacht. Und inzwischen lag auch Post vom ADAC im Briefkasten. Der zweite Schritt kann folgen.

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