Neue Rennstrecken (Archivversion) Stein auf Stein

Während im Motopark Oschersleben schon heftig gebaut wird, beschränken sich die Lausitzring-Betreiber noch auf symbolische Aktionen. Darüberhinaus wächst mitten im Spreewald noch ein mutiges Privatprojekt.

Noch immer steht nur ein Bagger in der Lausitz - zumindest auf der geplanten Mega-Anlage »Lausitz-Ring« bei Senftenberg, rund 50 Kilometer nördlich von Dresden. Und auch der ist nur ein noch zuckendes Fossil der Braunkohle-Agonie und hat mit der Rennstrecke nichts zu tun.Kann er auch nicht. Denn obwohl mit großem Tamtam angekündigt, wurde die für den 25. Oktober angesetzte Grundsteinlegung des »Eurodrom Lausitzring« wieder verschoben. Statt dessen kam es vor spärlichster Kulisse zu einem für Ostdeutschland zweifelhaften Symbolakt, dem Bau einer Erinnerungsmauer aus namentlich gekennzeichneten Bausteinen von Förderern des Lausitzrings. Den Grund dafür wollten weder der DEKRA-Ehrenvorsitzende Rolf Moll, treibende Kraft hinter dem Lausitzprojekt, noch Brandenburgs Wirtschaftsminister Dr. Burkhard Dreher (SPD) so richtig rauslassen. Tatsächlich fehlt dem 310-Millionen-Mark-Etat, der mit 241 Millionen aus Landes-, Bundes- und EU-Töpfen subventioniert werden soll, noch die Zusage des EU-Anteils, also rund 130 Millionen. Der Antrag, so verlautet aus Brüssel, wird noch bis Mitte November geprüft, wenn auch ein positiver Bescheid als eher wahrscheinlich gilt.Außerdem, und dies wurde von Minister Dreher eingeräumt, fehlten noch die Bau- und die Betriebsgenehmigung nach dem Bundesimmissionsschutz-Gesetz (BimschG). Dabei handele es sich, wie von den potentiellen Lausitzring-Betreibern betont wird, um Formalitäten. DEKRA-Mann Moll hatte ja in der Vergangenheit klargemacht: »Ohne den 24-Stunden-Testbetrieb vergessen wir das Gesamtprojekt.« Und genau darum geht es in der BimschG-Prüfung. »In etwa zwei Monaten sind die Dinge geregelt, dann kann gebaut werden«, ist Dr. Werner Martin, Geschäftsführer der Eurodrom GmbH, welche den Lausitzring betreiben soll, sicher. Daß die Anlage mit der einzigartigen Kombination aus Straßenrundkurs, Indy Car-Oval, vollgasfähiger Testbahn, DEKRA-Abgas- und Typprüfungszentrum, Off Road-Strecken und Freizeitpark samt Hotel, wenn sie endlich einmal steht, ein gutes Geschäft für die Betreiber wie für die mit exorbitanten Arbeitslosenzahlen dahinsiechenden Region sein wird, versichern zumindest die Beteiligten. »Was wäre die Eifel ohne den Nürburgring«, erinnert Moll, »das ist doch der beste Beweis für die strukturelle Wirkung einer solchen Anlage.« Weiter als der Lausitzring ist inzwischen das Projekt »Motopark Oschersleben«, südwestlich von Magdeburg. Dort bewegen sich Bagger, Erdschieber und mächtige Muldenkipper fast im Renntempo. Die 3,677 Kilometer lange Strecke ist in der Trassierung bereits zu erkennen. »Wir sind eine Woche vor dem Plan«, erklärt Hans-Peter Klein, Gesellschafter der Motopark Oschersleben GmbH, »der pünktlichen Eröffnungsfeier am 26. Juli 1997 steht nichts im Wege. Wir haben für 1997 bereits zwei Rennen zur Super Tourenwagen-Meisterschaft (STW) angemeldet und sind auch an der Superbike-DM und anderen Motorrad-Veranstaltungen interessiert.«Auch in Oschersleben, wo die Rennbahn für den Testbetrieb in zwei kleinere, unabhängige Pisten unterteilt werden kann, entstehen ein Hotel sowie eine Kartbahn. Mit einem Gesamtbauvolumen von 106 Millionen Mark bewegt sich die Strecke in Sachsen-Anhalt in überschaubareren Regionen als das Lausitz-Projekt. »Diese Summe ist zu mehr als drei Vierteln privat finanziert«, erklärt Klein, »das erhält uns eine größere Unabhänigkeit.« Der momentane Stand des Projektes, das sehr viel später ins Leben gerufen wurde als der Lausitzring, gibt ihm Recht. »Wir sind jetzt schon für 1997/1998 an 180 Tagen im Jahr für Tests ausgebucht«, gibt Klein einen Ausblick auf die erwartete Rentabilität. Auch in der Lausitz redet man, obwohl noch kein Stein auf dem anderen ist, von 50prozentiger, bereits reservierter Auslastung.Aber es gibt nicht nur Lausitzring und Oschersleben. Auf dem früheren NVA-Bedarfsflugplatz Luckau-Alteno, auf halbem Weg zwischen Berlin und der Lausitz, veranstaltet die Berliner Agentur »Art Dynamics« Dragster-Rennen, Custom Car-Treffen sowie Rock-Konzerte und hat ehrgeizige Pläne. »Zunächst einmal haben wir als einzige eine unbeschränkte Anlagengenehmigung Motorsport«, so Art Dynamics-Boß und Jet-Dragster-Pilot Sammy Tosuner hintersinnig, »wenn also Ministerpräsident Stolpe sagt, es wird nur eine Rennstrecke in Brandenburg geben, kann er nicht den Lausitzring meinen.« Der 36jährige, der neben dem Dragster-Stadion mit festen Tribünen auch eine Kartbahn auf dem Areal hat, das unmittelbar an eine überregional genutzte Moto Cross-Bahn angrenzt, hat tatsächlich einen realisitischen Rundstreckenplan in der Tasche.Die 2,9 Kilometer lange Piste wird zwar ihr Flugplatzerbe nicht verleugnen können. Da aber alle betriebsrechtlichen Genehmigungen vorliegen und das Flugfeld sich komplett in Tosuners Besitz befindet, ist der frühere Kinderbuch-Autor sicher, »daß wir in vier Jahren die Rundstrecke fertig haben - für zweieinhalb Millionen und ohne eine Mark Subvention.« Verdutzten Gesichtern ob der vergleichsweise lächerlichen Summe entgegnet er locker: »Klar, wir sind ein kleiner Käseladen. Aber dafür wissen wir, was wir tun.“

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