Neuer Eurospeedway Lausitz (Archivversion)

Das gibt’s nur einmal

Kein Flop wie die Expo soll der zumindest in Europa einzigartige Eurospeedway Lausitz werden. MOTORRAD fuhr die allererste Runde auf der gigantischen Rennstreckenanlage im Süden Brandenburgs.

Es waren zwar die Anarcho-Freaks der späten 70er Jahre, die in die Welt hinausposaunten: »Wir wollen alles, und zwar jetzt«, und nicht Hans-Jörg Fischer, Geschäftsführer des Eurospeedway Lausitz. Aber die ehrgeizigen Ziele von Europas jüngster und größter Rennstrecke sind nicht viel bescheidener. Die Formel 1 und ihre US-Konkurrenz, die Champ-Car-Serie, sollen in der Lausitz rennen, dazu die DTM und selbstverständlich auch ein Motorrad-Grand-Prix sowie die Superbike-WM. In der Boxengasse vor der riesig anmutenden Haupttribüne stehend, wird der Ehrgeiz der Eurospeedway-Macher schnell verständlich. Denn eine Anlage dieses Ausmaßes braucht internationale Spitzenevents, und zwar so viele wie möglich.MOTORRAD-Mitarbeiter und Superbike-WM-Fahrer Markus Barth ist von dem Giga-Rennsportstadion sehr angetan. Zuerst musste der Superbike-Profi aber eine gewisse Sprachlosigkeit angesichts der Multianlage mit vier Rennstreckenvarianten überwinden. Denn neben dem Zwei-Meilen-Highspeed-Trioval und den sich zumindest in etwa 30 Prozent der Streckenführung unterscheidenden 4,3- und 4,5-Kilometer-Rundkursen für Motorrad- respektive Autorennen gibt es noch die über elf Kilometer lange Langstreckenpiste, welche die Testbahn außerhalb des Stadions mit einbezieht. Über 120000 Zuschauer haben insgesamt rund um den Eurospeedway platz.Nach den ersten Runden noch vor der offiziellen Eröffnung auf einer serienmäßigen MV Agusta F4 konnte der deutsche Supersport-Meister Erstaunliches berichten. »Die schnellen, flüssigen Kurven gefallen mir sehr gut«, freute sich Markus Barth, »das Ganze erinnert ein wenig an Assen.« Der Vergleich mit der in der jetzigen Form rund 15 Jahre alten und unmitelbar vor dem Totalumbau stehenden GP-Piste in den Niederlanden überrascht im ersten Moment. Aber der Rennprofi sieht die Verwandtschaft in erster Linie in der Streckencharakteristik: »Viele Kurven auch außerhalb des Oval-Kurses sind leicht überhöht.«Doch nicht nur den Helden der ersten Runde beeindruckt das neue, insgesamt 310 Millionen Mark teure Bauwerk auf einem früheren Braunkohletagebau. Auch die künftige Konkurrenz rüstet schon vor Betriebsbeginn des Eurospeedway am 20. August nach. Am Nürburgring steht bereits eine modernisierte Boxenanlage mit allen notwendigen Funktionsgebäuden. Das Motodrom Hockenheim, zweiter Gegner im Kampf um die Formel 1, wird ab Herbst 2001 von Grund auf umgebaut und soll für 95 Millionen Mark von der veralteten 6,8 Kilometer langen Highspeedbahn zur modernen 4,5-Kilometer-Rennstrecke mutieren.Selbst am Sachsenring hört man auf, sich selbstherrlich zurückzulehnen. Alles in allem rund 60 Millionen Mark ist es dem Bundesland Sachsen wert, mittels einer Streckenerweiterung die Selbstläufer-Funktion des Zuschauermagneten für den Motorrad-GP zu erhalten. Denn der Eurospeedway ist nur knapp 150 Kilometer vom Sachensring entfernt. Und zwei Grand Prix auf so engem Raum würden sogar von den sächsischen Fans extremen Enthusiasmus verlangen.
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Eurospeedway Lausitz: Vorstellung der Rennstrecke (Archivversion)

Motorrad-Strecke, Länge 4,3 km, vier Rechtskurven, sechs Linkskurven, Start-Ziel-Gerade 650 m, Boxengasse 320 mTribünen, 120000 ZuschauerplätzeAuto-Strecke 4,5 km

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