Neues EU-Führerscheinrecht (Archivversion) Sag Aaa–––––

Seit 1. Januar 1999 gibt´s ein neues Führerscheinrecht. Statt der alten 1 heißt die Lizenz zum Kradeln jetzt A. Wobei über 25jährige direkt einsteigen können. Was ändert sich sonst noch?

Alles ist neu: nicht nur das Fahrerlaubnisrecht, sondern auch der europaweit einheitliche Führerschein im Scheckkartenformat. Seit 1. Januar 1999 wird ausschließlich diese Plastikkarte ausgestellt. Aber keine Bange. Der alte graue oder rose Lappen gilt fast uneingeschränkt weiter - eine generelle Umtauschpflicht besteht nicht. Alte Hasen am Lenker eines Motorrads düsen einfach unbeirrt weiter. Dagegen sollten Klasse 1a-Besitzer die neue Karte beantragen (siehe Interview). Auch Autolenker, die per Vierradlizenz den 1b für Leichtkrafträder schon automatisch besitzen und ins Ausland rollen wollen, liegen mit dem neuen Scheinchen goldrichtig. Zumindest in Österreich. Die Gendarmen der Alpenrepublik verwirrt der Anblick der grauen 3er, die vor dem 1. April 1980 ausgestellt worden sind. Begründung: Die nationalen Codierungen unterscheiden sich in Österreich und Deutschland. Was Ärger für Leichtkraftradfans bedeutet. Auf der neuen Scheckkarte, die um die 50 Mark Bearbeitungsgebühr kostet, wird dagegen die Unterklasse A1 (früher 1b) international erkennbar eingetragen. Genau wie alle Klassen, die die alte Fahrlizenz mit einbezog. Bestandsschutz heißt das im Bürokratendeutsch. Mit dem alten Autoführerschein Klasse 3 darf zum Beispiel jeder Mofas oder Mopeds mit bis zu 50 cm³ fahren, die bis zu 50 km/h schnell sind. Der neue Führerschein der Klasse M berechtigt dagegen nur zum Lenken von 50ern, die bis 45 km/h beschleunigen.Für Biker tut sich einiges: Die bisherigen Klassen 1a und 1 gehen in der neuen Klasse A auf. Der Stufenführerschein besteht jedoch weiterhin. Nur wer älter als 25 Jahre alt ist, kann seit Januar 1999 die Fahrerlaubnis der unbeschränkten Klasse A erwerben und mit Big Bikes rumschraddeln. Muß es aber nicht. Der Stufenzugang ist auch für ältere Semester weiterhin möglich. Das Verfahren gleicht dann dem für die jüngeren Bewerber, die unter 25 Lenzen zählen. Die schaukeln auch weiterhin zwei Jahre lang mit 34-PS-Maschinen durch die Lande. Allerdings wird das Erteilungsdatum der beschränkten Klasse A in den neuen EU-Führerschein eingetragen - nach Ablauf der Zweijahresfrist entfällt die Umschreibeprozedur für die, die ihre Fahrlizenz nach dem 1. Januar 1999 machen. Kein Nachweis von 4000 Kilometern mehr oder ähnliche Schikanen. Eine Erleichterung. Dagegen wird´s für Leute, die erst vor kurzem den Stufenführerschein abgelegt haben und am 1. Januar 1999 25 Jahre alt waren oder dieses Jahr noch ihr Vierteljahrhundertjubiläum feiern, komplizierter: Sie haben die Möglichkeit, eine Zusatzausbildung mit verkürzter Prüfung zu absolvieren und dann auf ein leistungsstarkes Bike umzusatteln. Wer darauf verzichtet, wartet wie bislang zwei Jahre. Das neue Recht bringt auch Nachteile. Vor allem für Anfänger: Die Probezeit von zwei Jahren verdoppelt sich, wenn sie gegen Verkehrsvorschriften verstoßen und dabei erwischt werden. Eifrigen Sammlern von Punkten in Flensburg droht ebenfalls Ungemach: Wer 18 Zähler erreicht, gibt den Lappen ab. Unweigerlich. Seit 1. Januar entfällt die Möglichkeit, durch eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU), auch als Idiotentest bekannt, den Schein zu bewahren. Jetzt wird frühestens nach sechs Monaten Entzug per Gutachten die Fahreignung festgestellt. Ab acht Punkten (bislang neun) schicken die Behörden die erste schriftliche Verwarnung. Verkehrssünder haben dann die Chance, durch Nachschulungen ihr Konto aufzubessern. Solche Seminare bei Fahrschulen sind grundsätzlich freiwillig und nur einmal binnen fünf Jahren möglich. Ein Kurs bringt für Piloten, die zwischen neun und elf Punkten in der Sünderkartei verbuchen, eine Gutschrift von zwei Zählern. Wer mit bis zu acht Punkten eingetragen ist, kriegt durch ein Seminar sogar vier Punkte Abzug.Kurszwang gibt´s auch. Aber nur für diejenigen, die mehr als 14, aber weniger als 18 Zähler ihr eigen nennen. Denen droht sonst der Einzug der Fahrerlaubnis. Wer sich mit solch hohem Stand zum Psychologen wagt, bekommt einen Bonus - minus 2 Zähler. Die Auskunft über den Kontostand in Flensburg ist künftig übrigens gebührenfrei - früher kostete sie zehn Mark.Noch was Neues: Bislang kam die MPU auf jeden zu, der mit über 2 Promille auffiel. Ab Januar genügen 1,6 Promille für den Idiotentest.

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