Neues Gewährleistungsrecht (Archivversion)

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Motorradkäufer profitieren vom neuen Kaufrecht, das zum 1. Januar 2002 auf Initiative der EU in Kraft treten soll. Die Gewährleistungsfrist wird unter anderem auf 24 Monate erhöht.

Manche Motorradfahrer leben in dem Glauben: »Ich hab’ ja zwei Jahre Garantie, mir kann nichts passieren. Wenn was kaputt geht, muss es der Händler richten, und es kostet mich keinen Pfennig.« So einfach ist es leider nicht. Denn die Garantiebestimmungen der Hersteller oder Importeure sind freiwillige vertragliche Zusicherungen, die jede Menge Hintertürchen offen lassen (siehe dazu Kasten auf Seite yx). Die gesetzlichen Grundlagen, denen jeder Kauf unterliegt, sind hingegen unter dem Begriff Gewährleistung zusammengefasst. Was bedeutet Gewährleistung? »Vereinfacht gesagt, dass ein Motorrad, sei es neu oder gebraucht, zum Zeitpunkt der Übergabe keinen Mangel besitzen darf«, erklärt Rechtsanwalt Ralph Andreß aus Heilbronn. »Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist geregelt, was der Käufer unternehmen kann, falls beispielsweise ein Kurbelwellenlager frisst oder der Leichtmetallrahmen einreißt. Er kann verlangen, den Kauf rückgängig zu machen – bekannt unter dem Begriff Wandelung – oder den Kaufpreis herabzusetzen, das heißt Minderung«, so der Jurist.Dieser gesetzliche Anspruch wird in Kürze erheblich verbessert. Denn die EU hatte bereits am 25. Mai 1999 die »Verbrauchsgüterkaufrichtlinie 1999/44/EG« beschlossen, die ab dem 1. Januar 2002 in deutsches Recht umgesetzt werden muss. Das harmlos klingende Wortungetüm hat es in sich. Deutlich stärkt die Richtlinie die Position des Käufers eines Verbrauchsguts, also auch eines Motorrads. Weil sie die Verjährungsfrist für Gewährleistungsansprüche, die der Käufer einer neuen oder gebrauchten Maschine gegenüber dem gewerblichen Verkäufer - dem Händler also - in Anspruch nehmen kann, auf zwei Jahre verlängert. Bisher waren es lediglich sechs Monate. Der Händler haftet also in Zukunft zwei Jahre für eventuell auftretende Mängel. Einen echten Fortschritt für den Verbraucher bringt nach Ansicht von Juristen der neu ins Gesetz aufgenommene Anspruch auf »Nacherfüllung«. Ein Beispiel: Das neue Motorrad verliert Leistung, raucht aus dem Auspuff. Diagnose: Kolbenring gebrochen. Bislang war der Importeur beziehungsweise sein Vertragshändler lediglich verpflichtet, den Motor zu reparieren. Nach zukünftigem Recht kann der Käufer ein neues Motorrad verlangen, wenn der Mangel innerhalb einer Frist von zwei Jahren auftritt. Jeder, der schon mal sein altes Schätzchen loswerden wollte, weiß, dass er diese Gewährleistung im Kaufvertrag ausschließen kann. Das ist auch nach dem neuen Recht weiterhin zwischen Privatleuten möglich, allerdings nicht bei Verkäufen von Händlern an Private. Eine andere Neuerung könnte sich als Schuss, der nach hinten losgeht, erweisen. Die Beweislast wird in den ersten sechs Monaten der Gewährleistungszeit umgekehrt. Ab dem 1. Januar 2002 muss der Händler und nicht der Käufer beweisen, dass ein aufgetretener Mangel beim Kauf noch nicht bestanden hat - besonders brisant bei gebrauchten Motorrädern. Was sich zunächst nach einem Vorteil für den Käufer anhört, könnte Gebrauchte verteuern. Für junge Gebrauchtmotorräder werden die Händler Sachverständigengutachten erstellen lassen, die belegen, dass das Motorrad einwandfrei in Ordnung ist, sind sich Branchenkenner sicher.Ein gefundenes Fressen für TÜV, Dekra und andere Kfz-Sachverständigenorganisationen. »Wir sehen in dem neuen Gesetz auch eine Chance, die Qualität des Gebrauchthandels zu verbessern«, glaubt Hans-Jürgen Weinrich, Vorsitzender des Ausschusses Motorräder beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe. »Wir empfehlen den Händlern, einen Testbericht beizulegen und dem Kunden eine ausführliche Probefahrt zu ermöglichen. Der Käufer sollte dann ein Probefahrtprotokoll unterschreiben und den einwandfreien Zustand des Motorrads bestätigen«, so der im Hauptberuf als Yamaha-Händler tätige Weinrich.Außerdem gehen Insider davon aus, dass die Händler gezwungen sind, Reparaturkostenversicherungen abschließen, was der Assekuranzbranche eine zusätzliche Einnahmequelle beschert. Versicherungen und Gutachten dürften Gebrauchtmaschinen verteuern. Billige, mehrere Jahre alte Motorräder werden wohl von Händlern wegen des unkalkulierbaren Kostenrisikos gar nicht mehr angeboten. Die dürften mehr und mehr in Kleinanzeigenblättern auftauchen. Eines ist heute schon sicher: Gutachter und Rechtsanwälte können sich über neue Aufträge freuen.
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Garantiezeiten und Geltungsbereich (Archivversion)

Garantiebestimmungen sind freiwillige vertragliche Abmachungen, die die Hersteller oder Importeure beim Verkauf eines neuen Motorrads offerieren. Die Rechte aus der gesetzlichen Gewährleistung, die der Käufer in jedem Fall gegenüber dem Verkäufer besitzt, sind davon nicht berührt.Die Laufzeit der Garantiefrist beginnt im Normalfall mit dem Tag der Erstzulassung oder, falls das Motorrad nicht sofort zugelassen wird, mit der Auslieferung an den Käufer. Der Vertragspartner ist der Importeur beziehungsweise der deutsche Hersteller. Das bedeutet, dass Motorräder, die im Ausland gekauft wurden, nicht automatisch darunter fallen, da in diesem Fall der jeweilige Landesimporteur zuständig ist. Wer im EU-Ausland gekauft hat, sollte in den Garantieunterlagen nachschauen, ob eine europaweite Garantie gilt. Nur dann kann er bei einem deutschen Vetragshändler Garantieleistungen einfordern.Garantieleistungen knüpfen die Hersteller beziehungsweise Importeure an strenge Voraussetzungen. Sie schließen Verschleißteile, die genau definiert sind, aus, ebenso Lack- und Korrosionsschäden, verlangen die Einhaltung der vorgeschriebenen Inspektionen durch Vertragshändler und mehr. Unbegrenzte Kilometerleistungen während der Garantiedauer sind ebenfalls nicht selbstverständlich. Genaues Durchlesen des Kleingedruckten lohnt sich.ApriliaGarantie auf Motorräder über 80 cm3 von zwei Jahren in Europa und den USA. BMWEinjährige Garantie, die sich auf alle Länder der EU erstreckt. DucatiZweijährige Garantie auf alle Motorräder in allen Ländern, in denen es eine autorisierte Vertriebsorganisation gibt.Harley-DavidsonZweijährige Garantie auf alle Motorräder in allen Ländern, in denen es eine autorisierte Vertriebsorganisation gibt.HondaZweijährige Garantie in allen EG- und EFTA-Ländern, in denen es eine autorisierte Vertriebsorganisation gibt.KawasakiEinjährige Garantie für Motorräder bis einschließlich 239 cm3, zweijährige Garantie für Hubraumstärkere. Gültigkeitsbereich: nur Deutschland. Die Modelle KLX 650 A, KLX 650 B und KLX 300 B haben sechs Monate Garantie. KTMEinjährige Garantie für straßenzugelassene Motorräder in allen europäischen Ländern mit autorisiertem Vertrieb. Für Wettbewerbsmaschinen 30 Tage.SuzukiSuzuki gewährt die so genannte Inter-Europa-Garantie für zwei Jahre auf alle Motorräder über 250 cm3 Hubraum, darunter für ein Jahr.TriumphEs gilt eine zweijährige Garantiefrist auf alle Motorräder in allen Ländern, in denen es einen autorisierten Triumph-Import gibt.YamahaEinjährige Garantie für Motorräder unter 250 cm3, darüber zwei Jahre in allen europäischen Ländern mit autorisiertem Vertrieb per Euro-Service-Karte.

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