Nürburgring Spezial (Archivversion)

Die Bilanz: Wo Sporttourer aufhören, machen Sportler weiter

Zwei Tage, rund 150 Runden und Erkenntnis Nummer eins: Zwischen Sportlern und Sporttourern liegen mehr als nur unterschiedliche Modellbezeichnungen. Dabei geht es nicht so sehr um ein paar Zusatz-PS. Die Spreu vom Weizen trennt sich vielmehr immer wieder an einer ganz zentralen Stelle: der Qualität der Federelemente. Dabei müssen sich die Sporttourer nicht vorwerfen lassen, dass sie generell auf mehr Komfort setzen. Im Gegenteil: Für ihren Einsatzzweck, die Landstraße, gilt nach wie vor der Leitsatz: So weich wie möglich, so hart wie nötig. Was fehlt, ist ein ausreichend weiter Verstellbereich, um sie auch den Bedingungen auf der Nordschleife anzupassen. Oder noch schlimmer: Es ist erst gar keine Verstellmöglichkeit vorhanden. Paradebeispiel: die Honda VFR. Ein Hightech-Bike für über 20 000 Mark, mit aufwendigen Lösungen wie stirnradgetriebenen Nockenwellen, Einarmschwinge und und und. Aber lediglich die Gabelfedern lassen sich vorspannen und am Federbein sind nur die Federbasis und die Zugstufe verstellbar. Doch nicht einmal die maximale Ausnutzung dieser Möglichkeiten bringt auf der Nordschleife den gewünschten Erfolg.Erkenntnis Nummer zwei: Dieses Manko lässt sich erfahren. Und zwar nicht nur von Rennfahrern, sondern auch von Redakteuren ohne ausgeprägte Rundstreckenambitionen und Nordschleifenerfahrung. So kamen alle sechs Tester in den einzelnen Kriterien zu annähernd deckungsgleichen Beurteilungen, auch wenn es punktuelle Unterschiede gab.Erkenntnis Nummer drei: die kompromisslosen Sportler, die nur auf der Rennstrecke zu gebrauchen sind, gehören der Vergangenheit an. Paradebeispiel auch hier eine Honda: die CBR 900 RR. Leicht, stark – und doch überall fahrbar. Weil die Sitzposition moderat ausfällt, weil der Motor zwar mächtig, aber berechenbar zur Sache geht, und weil sich Gabel und Federbein so abstimmen lassen, dass es nicht auf jeder Bodenwelle einen Schlag ins Kreuz gibt. Übrigens: Die Online-Berichterstattung ist weiterhin über www.motorradonline.de abrufbar.
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Sporttourer (Archivversion)

Sporttourer ist nicht gleich Sporttourer. Erst recht nicht auf der Nordschleife. Beeindruckend schlägt sich die Falco, die konstruktiv nicht weit von der Mille entfernt ist. Respekt. Auch die Thunderace, die aus ihrem früheren Sportlerleben Motor und Federelemente gerettet hat, schlägt sich tapfer, während bei der Sprint RS und der VFR deutlichere Defizite auszumachen sind. Die GSX-F überrascht in Anbetracht ihres niedrigen Preises. Sie kann länger mithalten, als erwartet. Im Gegensatz zur R 1150 GS, die ihre unbestrittenen Landstraßenqualitäten auf der Nordschleife nicht bestätigen kann.

Sportler (Archivversion)

Eng, eng geht’s zu unter den ersten vier der Sportler: Gerade 14 Punkte trennen sie. Die ausgewogene CBR liegt ganz knapp vor der erneut überzeugenden GSX-R, mit etwas Abstand folgt die brachiale R1 vor Aprilias tapferer Mille. Trotzdem gibt es Unterschiede. Die Mille gefällt Nordschleifenneulingen wegen ihrer berechenbaren Kraft, die R1 erschreckt ein wenig. Die Profis genießen den gewaltigen Schub der R1, vermissen bei der Mille etwas Dampf. CBR und GSX-R mögen alle. Ähnlich wie die Daytona, auch wenn sie hier nicht ganz mithalten kann. Und die R 1100 S ist ja eigentlich ein Sporttourer.

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