Ohne Titel - MC o.T.––––– (Archivversion) Young Beuys–––––

Per Burnout der Galerie eine Abreibung verpassen und mit Auspuffgasen schwängern - das soll Kunst sein? Gute Frage, meinen die Members vom MC o.T. Ein Motorradclub nur mit Künstlern drin. Denen das Bike Vehikel ist. Um Grenzen traditioneller Ästhetik zu überwinden.

Ralph hat geheiratet. Mit allem Pipapo. Kirche und so. Er mag Rituale. Sofern sie Gutem, Schönem, Wahrem dienen. »Als Opposition gegen diese Instant-Beziehungen«, bekennt der Skulpteur und Guzzi-Fahrer, der den Bund schloß für die Ewigkeit. Treue, bis daß Tod oder sonst was - im schlimmsten Fall Flensburg - sie auf immer scheide, geloben auch die Männerbündler bekutteter MC. Und Ralph lief nicht nur in den Hafen der Ehe ein, sondern auch in die beschützende Fahrstätte des illustren Künstler-MC namens o.T. Der, logo, nie und nimmer jwd sich fand. Dafür bedurfte es schon des genius loci der Documenta X in Kassel. Der weltgrößten Schau zeitgenössischer Kunst stand anno 1997 Sebastian vor. Am Haupteingang. In Gesellschaft von Yamaha SR 500. Bekennenden Freunden der Avantgarde Ansteckschildchen feilbietend. Auf denen jeweils ein Wort mit »Kunst« drin prangte. »Kunstbanause«, »Kunstidiot«, »Kunstturner«.BMW-Fahrer Andreas Bär aus Schwaben ging aus documentaXischen Gründen ab nach Kassel und subito auf Sebastian zu. Des Schild-Bürgerstreichs und Mopeds wegen. Aus also folgendem sehr wohl herrschafts-, aber nicht bike-freiem Diskurs resultierender Schluß: Daß auch der Künstler einen Motorradclub haben muß.Was Andreas Bär seinen bikenden Kumpels und Kumpelinnen aus dem Umkreis der Stuttgarter Hochschule der bildenden Künste verklickerte. Schließlich läuft das MC-Wesen mit all seinen Insignien und Riten eh auf eine Dauer-Performance hinaus. Name? Mußte sein. Angebot: o.T. »Darüber darf spekuliert werden«, steppt der Bär. »Könnte »ohne Titel« heißen, aber auch »oberer Totpunkt«.« Memento mori, gedenke des Todes. Just, wenn du oben auf bist. Im Sattel. Aber hallo!Gebietsansprüche stellen die Sieben, die sich alsdann fanden, nicht mal über die Akademien der Republik. Dafür füllten sie im Herbst die Ausstellungsräume des »Sudhaus« in Tübingen mit Werken. Thema: das Motorrad. Titel: »Kettenfett«. Kleingeister könnten die BMW auf dem Ausstellungsplakat monieren. Kardan, nix Chain. Kunstfreunde hingegen wissen die subtile Anspielung auf den verblichenen Fett-Werker Joseph Beuys zu würdigen, der - guter Plan, der nicht klappte - die Ketten des etablierten Kunstbetriebs zu sprengen gedachte. MC o.T. geht da einen radikalen Schritt weiter.Im Unterschied zu Beuysens legendärer eingefetter Badewanne, die ein im Museum tagender SPD-Ortsverein zum profanen Zwecke des Bierkühlens zweckentfremdet und also ihres Kunstcharakters beraubt hatte, war die Gummispur, die der Bär per Burnout auf den Boden der Galerie brennen ließ, schon von ihrer Bestimmung her eine vergängliche. Der Kreis-Saal mußte besenrein übergeben werden. Womit dieser Performance qua Hausordnung die Aura des Einzigartigen und dennoch jederzeit Wiederholbaren anhaftete. Ein Widerspruch in sich, den der Bär brillant aufhob. Mittels Ducati 916 und Metzeler ME Z3.

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