Parc fermé (Archivversion)

Neuer FahrervertreterGroßer alter MannTroy Corser, in der Vergangenheit nicht nur in der Sintflut von Phillip Island Wortführer, wenn es um Interessen und Sicherheit der Superbike-WM-Piloten geht, hatte es klar gesagt: »Wir brauchen einen Fahrervertreter, der unser Vertrauen hat, aber selbst nicht fährt, damit keiner ihm persönliches Vorteilsstreben unterstellt.« In Monza nun wurde bei einem Fahrermeeting dieser Mann gefunden. Der Brite Peter Ingley, in den 70er- und 80er- Jahren als Dunlop-Renndienstleiter zur Legende geworden, wirkt ab sofort als Sprachrohr der Aktiven im Superbike-WM-Zirkus.Gespann-WMAbgesprungenNicht schlecht gestaunt hat der an zweiter Stelle liegende Jörg Steinhausen, als er gegen Mitte des Gespann-Rennens sein LCR-Suzuki-Dreirad nicht mehr in die Ascari-Schikane einlenken konnte und unmittelbar danach den Grund dafür entdeckte. Co-Pilot Andy Hetherington war nämlich wenige hundert Meter vorher unfreiwillig ausgestiegen. »Ich fühlte mich schon den ganzen Tag nicht wohl und hatte in diesem Moment wohl ein Blackout«, entschuldigte sich der zum Glück nur leicht verschrammte Brite. Fahrer Steinhausen sieht jetzt besorgt in die Zukunft: »Monza ist nicht gerade die schwierigste Strecke für den Co. Und wenn er mir hier schon rauspurzelt...« Sieger wurden die österreichischen WM-Favoriten Klaus Klaffenböck und Christian Parzer.Superstock-EMDas Superstock-Rennen wurde in Monza von zwei Fahrern beherrscht, die in dieser Nachwuchsklasse eigentlich nichts mehr zu suchen haben. Der italienische Sieger Walter Tortoroglio, im Vorjahr schon auf vorderen Mittelfeld-Plätzen in der Supersport-WM zu finden und wohl nur abgestiegen, um den EM-Titel abzustauben, sowie Titelverteidiger James Ellison aus England fuhren auf ihren Suzuki GSX-R 1000 pro Runde bis zu zwei Sekunden schneller als der Rest. Als bester Deutscher wurde Benny Jerzenbeck auf seiner Steinhausen-Suzuki Vierter. Der Südtiroler Markus Wegscheider aus dem Team des hessischen Suzuki-Händlers Stefan Schmitt stürzte, den dritten Platz vor Augen.Noriyuki HagaSonntagsausflugSuperbike-Vizeweltmeister Noriyuki Haga lebt auch nach seinem Umstieg in die 500er-GP-WM noch immer im Umfeld des italienischen Importeurs Belgarda in Lesmo, nur wenige Kilometer von Monza entfernt, wo seines früheren Yamaha-WSBK-Team stationiert war. Grund genug für den notorischen Quertreiber, seine alten Freunde und Feinde zu besuchen. Ob er sich in der 500er-WM wohlfühlt? »Nein«, sagt er ohne weitere Erklärungen, wohl hauptsächlich an seine bisher noch spärlichen Erfolgserlebnisse denkend. Sein persönlicher Berater und früherer Superbike-Teamchef Davide Brivio verbreitet dagegen großen Optimismus: »Es ist in der GP-Szene Mode, Superbike-Umsteiger zunächst einmal schlecht zu machen. Zu Hagas bisherigen Vorstellungen nur so viel: Er ist in seinen ersten beiden GP gestürzt und wurde dann Zwölfter. Ein gewisser Valentino Rossi ist letztes Jahr zunächst zweimal gestürzt und wurde dann Elfter. Und schau, wo der heute, nur ein Jahr später, steht. Valentino selber übrigens hat großen Respekt vor Nori-chan.«Troy CorserErsatzbefriedigungSturz, keine WM-Punkte, Tabellenführung verloren – viel schlechter hätte das Monza-Wochenende für Aprilia-Superstar Troy Corser wohl kaum laufen können. Ganz ohne Lebensfreude dürfte der während der Europasaison in Italien lebende Australier aber dennoch zu den Aprilia-Testfahrten nach Misano weiter gereist sein. Denn er ist ebenso stolzer wie frischer Besitzer eines goldgelben Lamborghini Diablo, den er stolz im Monza-Fahrerlager präsentierte und der nun in den zwei Wochen bis zum nächsten Superbike-WM-Event am 27. Mai im mittelenglischen Donington Park als Ersatzdroge für die entgangenen Siege herhalten muss.

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