Parc fermé (Archivversion)

Kein MotorradWestwartetDer talentierte Australier Anthony West, im letzten Jahr Werkspilot auf einer Shell-Honda NSR 250, fehlte in Japan wegen gescheiterter Finanzdiplomatie. Erst sagte er ein Angebot des schwäbischen Yamaha-Teamchefs Hermann Kurz ab, weil ihm der Italiener Tino Villa eine bessere Zukunft vorgaukelte. Von den versprochenen Werksmaschinen fehlt freilich bisher jede Spur: Erst blitzte Villa mit einer Anfrage bei Honda ab, dann blieb er in seinen Verhandlungen mit Aprilia stecken. »Da hätte ich die Finger besser nicht reingebracht«, seufzte Andy Leuthe, der Ende letzten Jahres schon mit der Karriererettung von Ralf Waldmann gescheitert war und West aus dem Kurz-Team gesprengt hatte. »Villa hat einen großen Sponsor, konnte aber erst nach Ablauf der Bestellfrist bei Honda Italien eine Bankgarantie vorlegen. Und die Verhandlungen mit Aprilia-Sportdirektor Jan Witteveen zogen sich in die Länge, weil Aprilia uns erst dann ein Motorrad zur Verfügung stellt, wenn wir auch Jeremy McWilliams in unserem Team unterbringen.« Am Montag nach der gescheiterten Premiere, so Leuthe, liege die Bankgarantie endgültig bei Aprilia vor. Am Mittwoch könne West in Vallelunga erstmals seine Kit-Aprilia testen – und dann in Südafrika in die WM einsteigen.Happy-EndKurz mitPortoUrsprünglich wollte Hermann Kurz mit Yamaha in die 125 cm3-WM zurückkehren. »Dirk Reismann und der Japaner Ueso hätten fahren sollen. Doch es war mysteriös: Aprilia hat immer mehr Fahrer in die Klasse geschleust – und als es drauf ankam, waren bei der IRTA alle Plätze belegt!« Als dann auch noch West absagte, erlebte Hermann Kurz den »schlimmsten Winter, den ich je vor einer Rennsaison durchgemacht habe.« Alex Barros’ Bruder Cesar, der zwar nur mäßige Begabung, dafür aber den brasilianischen Ketten- und Ritzelhersteller »Vaz« als Sponsor mitbrachte, war zunächst die einzige Option. Erst der kurzfristige Beitritt von Sebastian Porto vermittelte dem Team auch eine sportliche Perspektive. Der schnelle Argentinier war einem Versprechen von Sito Pons aufgesessen, er könne in dessen Halbliterteam antreten.Gast-StarGP-Luftfür AokiNobuatsu Aoki, in diesem Jahr ursprünglich nur für die Reifentests von Erv Kanemotos Bridgestone-Entwicklungsteam unter Vertrag, wird auf Empfehlung seines Teams zu allen Grands Prix reisen, um regelmäßig GP-Luft zu schnuppern und den Kontakt zum Fahrerlager nicht zu verlieren. Denn Bridgestones Pläne, 2002 in der GP1-Klasse anzutreten, werden mit allem Nachdruck verfolgt: Aoki hat bei den Tests sogar eine brandaktuelle Honda NSR 500 Jahrgang 2001 zur Verfügung – neueres Equipment als das Sito Pons-Team, das mit zwei Jahre alten Chassis in die Rennen geht.Pulse GPKeinBenzinBeim Japan-Grand Prix kam es zum versteckten Comeback der bärenstarken Swissauto-V4-Motoren, mit denen das MZ-Weber-Team 1999 zwei Pole Positions erbeutet hatte. Der einstige BSL-Teammanager Dave Stewart kaufte die Produktionsformen und die restlichen Ersatzteile von Swissauto, ließ bei der Kenny Roberts-Group in England passende Fahrwerke bauen und schaffte es mit den in letzter Minute fertig gestellten Prototypen und seinem neuen »Pulse GP« Team, bei der Premiere in Suzuka dabei zu sein. Die Fahrer Jason Vincent und Mark Willis hätten sogar das Ziel erreicht und Punkte gemacht, blieben aber wegen mangelnder Spritversorgung liegen: Die Tanks waren so geformt, dass bei sinkendem Benzinstand zu wenig Kraftstoff in die Vergaser floß.SchutzengelPoggialisGlaubeWährend Derbi-Star Youichi Ui sich vor der Ausfahrt aus der Box mit Asphaltstaub einreibt, montierte Manuel Poggiali auf einer seiner beiden von Derbi auf Gilera umgetauften 125 cm3-Maschinen eine Heiligenfigur. Nach einem Trainingssturz war der Italiener überzeugt, auf den richtigen Schutzengel gesetzt zu haben. »Denn ich bin mit der anderen Maschine umgekippt«, ließ er grinsend wissen. Sein Glaube bestätigte sich im Rennen: Der Italiener setzte sich frühzeitig an die Spitzesetzte sich lange erfolgreich gegen massive Attacken zur Wehr und wurde am Ende Fünfter.MichelinKeineQualifiersIn der Halbliterklasse gibt es keine Qualifikationsreifen mehr. Die besten Trainingszeiten in Japan wurden mit weichen Reifen erzielt, die auf dem rauhen Suzuka-Asphalt immerhin vier, fünf Runden durchhalten. Während Yamaha die Qualifiers stets befürwortete, waren Honda uns Suzuki eher dagegen. »Der Druck kam mehr von seiten einiger Piloten. Zum Beispiel Kenny Roberts«, ließ Michelin-Rennmanager Jacques Morelli wissen.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote